Klagenfurter Rathaus
Scheider: „Ich kann in den Spiegel schauen!“
Im Klagenfurter Rathaus sorgen einige „Groß-Baustellen“ für Diskussionsstoff. Vom gefeuerten Magistratsdirektor über Gerichtsklagen bis hin zur angeblichen „Datenschutz-Affäre“. Harald Raffer sprach mit Bürgermeister Christian Scheider (Team Kärnten) über die aktuellen Ereignisse in der Landeshauptstadt.
“KLiCK”-Kärnten: Mit der monatelangen Causa „alter und neuer Magistratsdirektor“ wird Klagenfurt zur Lachnummer Österreichs. Wird man Peter Jost, der vom Gemeinderat abberufen worden ist, nicht mehr los? Er fühlt sich weiterhin als Direktor…
Scheider: Fakt ist, dass es einen Beschluss des Gemeinderates auf Abberufung des Herrn Jost gibt. Die Gemeindeaufsicht bestätigte die Aufhebung dieses Dienstverhältnisses. Natürlich kann man dagegen bei Gericht berufen. Man sollte aber außerhalb des Gerichtes sinnvolle Lösungen anstreben. Ich habe ja immer versucht, eine Vermittlerrolle einzunehmen. Derzeit bietet sich, wenn man sich so umhört, eine Lösung an – Peter Jost wäre dann noch ein paar Monate in seiner alten Funktion, schult einen Nachfolger ein und geht schließlich in Pension. Damit wären alle gerichtlichen Angelegenheiten vom Tisch. Dazu benötigt man eine Mehrheit. Wenn es nicht gelingt, werden die Verfahren ausgetragen. Es geht auch um die Zuständigkeit oder um die Frage, ob Jost ein Beamter ist oder nicht usw.
“KLiCK”-Kärnten: Kritiker sprechen von einer „verbrannten Erde“ im Rathaus. Ist eine Lösung in Sicht?
Scheider: Ich kann ja alleine keine Lösung durchführen, dazu bedarf es eine Mehrheit. Derzeit sieht es nicht danach aus…
“KLiCK”-Kärnten: Die Kür des neuen Magistratsdirektors erinnert an eine Pleiten- und Pannenwahl. Es gibt eine Neuausschreibung. Wurde Steuergeld verschwendet?
Scheider: Ich kann morgens ohne schlechtes Gewissen in den Spiegel schauen. Es hat viele Beschwerden zum Verfahren gegeben. Nicht zur Objektivierung, sondern im Vorfeld – es war von einer Ungleichbehandlung der Kandidaten die Rede. Aus diesem Grund habe ich eine Kommission eingesetzt. Der sogenannte Favorit sorgte beim Antrag für Unstimmigkeiten. Hat er den Antrag samt Gehaltsfestlegung mitgeschrieben oder doch nicht? Der Rest ist bekannt. Damit war ich wieder am Zug. Da geht es um eine Gemeinderatsentscheidung. Eine Mehrheit hat mir zu verstehen gegeben, dass man auf eine Neuausschreibung besteht.
“KLiCK”-Kärnten: Es existiert eine neue Arbeitsgemeinschaft zwischen Team Kärnten, FP und VP – mit einer hauchdünnen Mehrheit. Kann diese halten?
Scheider: Grundsätzlich geht es um eine Projektpartnerschaft. Es geht darum, dass sich die Menschen erwarten, dass wir anstehende Großprojekte ohne weiteren Zeitverlust erledigen. Das ist herausfordernd – für die nächsten drei Jahre. Wir wissen, welche Projekte das sind und wir können uns wegen politischer Spielchen und Taktierereien keine Verzögerungen leisten. Etwa beim Projekt „Verwaltungs- und Strukturreform“. Das wird seit Jahren im Haus diskutiert. Natürlich ist das auch mit unangenehmen Aufgaben verbunden. Jetzt stellten elf Abteilungsleiter von innen heraus eine Reform auf, die in Schritten umgesetzt werden soll. Mich wundert, dass die SP, die sich ständig für diese Reform ausspricht, noch Verhandlungsrunden einziehen will.
“KLiCK”-Kärnten: Die „Datenschutz-Affäre“ wirbelte viel Staub auf…
Scheider: Ich sehe das wie die Datenschutzbehörde. Vizebürgermeister Liesnig geht dabei gar nicht auf die Argumente der Datenschutzbehörde ein. Es wurde untersucht, ob die Stadt bzw. ihre Vertreter die richtigen Schritte gesetzt hat. Das ist jetzt klar, das Datenloch wurde gestopft. Es war alles korrekt. Es gibt aus meiner Sicht keine Spitzelaffäre, sondern eine Datenschutzaufklärung. Es hat auch niemand die Mails von Liesnig gelesen. Man sollte nicht immer und überall einen Skandal sehen, wenn sich manche Dinge aufklären lassen.
“KLiCK”-Kärnten: An der städtischen Wohnbaugesellschaft hagelt es weiter Kritik.
Scheider: In der Vorperiode lag der Bereich in anderen Händen. Der damalige Vizebürgermeister Dolina ist dann offensiv geworden und hat sich für eine Aufklärung eingesetzt. Wir haben einen neuen Geschäftsführer bestellt und werden sicherstellen, dass der Betrieb so läuft, wie wir es uns wünschen.
“KLiCK”-Kärnten: Eine Frage zur unendlichen Geschichte „Hallenbad“. Wann können wir baden gehen?
Scheider: Wie ich wieder Bürgermeister geworden bin, stand für den damaligen Sportreferenten der Standort fest — gegenüber dem Minimundus. Dann wurde von Vizebürgermeister Liesnig der Schwenk zum Südring vollzogen. Dieser Standort bleibt, sonst müsste man bei 15 möglichen Varianten wieder von vorne beginnen. Wenn mit der UVP-Behörde alles geklärt ist und keine Einsprüche vorliegen, erfolgt 2025 der Start zum Bau des neuen Hallenbades.


