Arnoldstein
Es war großer Feiertag für Thörl-Maglern
Thörl-Maglern feiert in diesen Tagen seine 100-jährige Zugehörigkeit zu Österreich und Kärnten.
Gemeindevorstand Roland Koch, Landtagspräsident Reinhart Rohr, Landeshauptmann Peter Kaiser, Landesrätin Beate Prettner und Bürgermeister Reinhard Antolitsch (von links).© LPD Kärnten/Augstein
Gestern (19. Oktober 2024) haben die Vereine von Thörl-Maglern und Arnoldstein zu einem großen Fest ins Dorf an der Grenze geladen. Vor 100 Jahren konnte Thörl nach der italienischen Besatzung wieder zu Österreich gezählt werden. Schon um 10 Uhr begannen die Feierlichkeiten mit einer Festmesse. Mit Kranzniederlegungen danach gedachte man all jener, die ihr Leben im ersten Weltkrieg gelassen haben und jener, die unerschrocken für den Erhalt Thörls bei Österreich gekämpft haben.
Thörl als Teil von Österreich
In seinen Grußworten wies Landeshauptmann Peter Kaiser darauf hin, dass Thörl mit diesem Jubiläum auch die Zugehörigkeit zur Republik feiern könne. Immerhin dauerten durch die sich über drei Jahre erstreckende Entscheidungsfindung der internationalen Kommission die Kriegswirren in Thörl um 6 Jahre länger. „Die Rolle, dass dieser Festakt heute gefeiert werden kann, kommt dem damaligen Gemeinderat zu. Nur dessen Engagement in Verbindung mit dem Mut und dem Zusammenhalt der Bevölkerung und damit dem kleinen Pflänzchen einer Mitbestimmung, ist es zu verdanken, dass Thörl zu Österreich gezählt worden ist.”
100-jähriges Jubiläum
Kaiser stellte auch den Zusammenhang zur Gegenwart her. „Wir stehen vor Herausforderungen auf allen Ebenen, Gemeinde, Land, Bund, und wir müssen globale Fragen auf europäischer Ebene lösen. Wie vor 100 Jahren in Thörl werden wir es auch heute nur gemeinsam schaffen. Durch Zusammenhalt und Zusammenstehen können wir Missmut und Misstrauen entgegenwirken“, sagte der Landeshauptmann. Beim Festakt begrüßte Bürgermeister Reinhard Antolitsch auch Landesrätin Beate Prettner und Landtagspräsidenten Reinhart Rohr. Kaiser überreichte mit Prettner und Rohr gemeinsam dem Bürgermeister eine große Torte zum 100-jährigen Jubiläum des Ortes.
Viele Ehrengäste beim Festakt
Begrüßt wurden neben Blaulichtorganisationen, Heimatverbänden, benachbarten Bürgermeistern, dem Kanaltaler Kulturverein auch Generalvikar Johann Sedlmaier. Auch Bürgermeister Antolitsch betonte den Zusammenhalt der Bevölkerung von 100 Jahren und mahnte dieses Zusammenstehen auch für die Gegenwart und Zukunft ein. Umrahmt wurde der Festakt unter anderem von der Burschenschaft Thörl, der Militärmusik Kärnten, der Sängerrunde Thörl-Maglern, den Kindern der Volksschule, der Jungschar, der Landjugend Thörl-Maglern, den Stimmen ohne Grenzen und den Fidelen Kanoltolan. Die Geschichte des Ortes umriss Heidi Rogy vom Geschichtsverein.
Musikalisch umrahmt wurde die Kranzniederlegungen von der Militärmusik Kärnten. “Die fidelen Kanoltola” lassen den Feiertag für die Thörler Bevölkerung ausklingen. Eine Ausstellung im Mehrzweckhaus zu “100 Jahre Thörl-Maglern — Einst und Heute” gab Einblicke in damalige Zeit.
Wissenswert
Nach dem 1. Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn, besetzten die Italiener Gebiete bis einschließlich Thörl und erst 1924 konnte Thörl wieder zu Österreich gezählt werden. Für Deutsch-Österreich gehörte das Gebiet Thörl zu seinem Staatsgebiet, doch Italien erhob Anspruch und besetzte die Ortschaft, die sie Porticina nannten und wo sie aufgrund des Platzangebotes einen zentralen Großbahnhof errichten wollten. Und das, obwohl die Staatsgrenzen 1919 im Friedensvertrag von St. Germain festgelegt worden waren, doch die Italiener besetzten das Gebiet um Thörl.
Die Befreiung und Rückkehr zu Österreich sei den Thörlern bzw. dem damaligen Gemeinderat durch den Widerstand der damaligen Bevölkerung, ihren Zusammenhalt und ihre Überzeugungskraft gegenüber einer internationalen Grenz-Kommission gelungen. Denn als 1921 diese Kommission in Thörl eintraf, sei sie von einer demonstrierenden, entschlossenen, Bevölkerung empfangen worden. Italien hat am 30. Oktober 1924 im „Protokoll von Bozen“ auf das Gebiet verzichtet und am 19. November 1924 erfolgte die Räumung Thörls durch die Italiener.
