Völkermarkt

Ina Rieg­lers Anlauf zum wuch­tig-kla­ren Femi­nis­mus

Ina Riegler fand in der Kunst einen Weg sich als Künstlerin und Feministin in der Öffentlichkeit auszudrücken und ihre emanzipierte individuelle Position darzustellen. Davon zeugen nun ausgestellte Werke im STEP in Völkermarkt.

Ina Rieg­lers Anlauf zum wuch­tig-kla­ren Femi­nis­musVerachtet das homogene Denken und erteilt als Feministin unmissverständliche Aufträge an die Gesellschaft: die Klagenfurter Künstlerin Ina Riegler.

© KLiCK Kärnten/Grayer

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Ina Rieg­ler sitzt vor ihrem groß­for­ma­ti­gen Bild, Bei­ne über­ein­an­der­ge­schla­gen, die Fin­ger­nä­gel blau gefärbt und inein­an­der gegra­be­ne Hän­de. Hin­ter ihr an der Wand ist ein auf einem klei­nen Tisch plat­zier­ter Hund (oder Kat­ze?) zu sehen. Ver­mensch­licht, hört man die Besu­cher der Ver­nis­sa­ge im STEP in Völ­ker­markt mur­meln: Das Tier hat einen Mensch-Kopf, trägt Haa­re zu einem Zopf gebun­den und sieht erwar­tungs­voll die ihm gegen­über han­tie­ren­de Frau an. Sie hat eine Ziga­ret­te im Mund, meh­re­re Augen im Gesicht, kei­ne Klei­dung an ihrem Kör­per und scheint im Ver­such mit einer eigen­ar­ti­gen Appa­ra­tur beschäf­tigt zu sein, irgend­was mit die­sem Tier bewir­ken zu wol­len. Und in Rieg­lers Augen eine Spur von unauf­ge­reg­ter Offen­si­ve, einem Sprung nach vorn und muti­ger Kon­fron­ta­ti­on, „weil eigent­lich ist es ja das Publi­kum, das pro­vo­ziert“ (Wolf­gang Bau­er) — oder ist es doch die Lebens­rea­li­tät einer Frau im Patriachat von Öster­reich? Es ist viel­mehr das Letz­te­re, das Anlass zur Aus­ein­an­der­set­zung gibt.

Topos der stu­die­ren­den, jun­gen Mut­ter

Rieg­ler stu­dier­te Erzie­hungs­wis­sen­schaf­ten an der Alpen-Adria-Uni­ver­si­tät in Kla­gen­furt und leg­te Ende 2013 ihre Diplom­ar­beit vor. “Dabei ist der Umstand inter­es­sant”, begann Vize­bür­ger­meis­ter Aaron Radael­li, der an die­sem Abend (22. Novem­ber 2024) die Lau­da­tio hielt, “dass sie als Mut­ter stu­diert hat.” Er sehe dar­in einen poli­ti­schen Topos grund­ge­legt, der auf gera­dem Weg zu ihrer Kunst füh­re: Der Sta­tus einer stu­die­ren­den, jun­gen Mut­ter gibt näm­lich Anschluss an eine Lebens­rea­li­tät, wo man sich beginnt, für Geschlech­ter­rol­len und sozia­le Struk­tur zu inter­es­sie­ren. Die Kla­gen­fur­te­rin fand in der Kunst einen Weg sich als Künst­le­rin und Femi­nis­tin in der Öffent­lich­keit aus­zu­drü­cken und ihre eman­zi­pier­te indi­vi­du­el­le Posi­ti­on dar­zu­stel­len.

Maß an der Lebens­rea­li­tät von Frau­en

Wodurch kommt die Künst­le­rin zu ihren Wahr­hei­ten? Es ist eine schnör­kel­los-ästhe­ti­sche Metho­de von gro­ßer Klar­heit, pro­fes­sio­nel­ler Empa­thie, radi­ka­ler Anwe­sen­heit — und das fern­ab einer irgend­wie aus­ge­stal­te­ten Auf­ge­regt­heit — die Auf­ge­regt­heit spielt über­haupt kei­ne Rol­le bei ihr, sie zer­schmet­tert sie. Durch die­sen Schritt wird alles noch­mals viel deut­li­cher und gewinnt an Form, ja es wird dadurch sogar uni­ver­sell.

Die­ser Anspruch auf Unauf­ge­regt­heit fin­det sich kon­se­quent in allen Wer­ken, die Rieg­ler in den letz­ten Jah­ren in Kärn­ten her­vor­ge­bracht hat. Es gibt in ihrer Kunst-Arbeit kei­ne sen­ti­men­tal-wei­ner­li­chen Ges­ten oder gar all­zu viel Gefühl, um unter Umstän­den die Distanz zu den ver­ar­bei­te­ten Phä­no­me­nen zu ver­lie­ren und eine Rüh­rung zu bewir­ken. Ihre figu­ra­ti­ve Male­rei zeugt auch von Rieg­lers kon­kre­tem Schlacht­ruf, das homo­ge­ne Den­ken der ande­ren zu ver­ach­ten und etwas ganz ande­res an des­sen Stel­le zu set­zen, sprich Viel­falt: Was pas­send, natür­lich oder selbst­ver­ständ­lich anmu­tet, wird unpas­send, unna­tür­lich und gewor­den gemacht, um auf die­se Wei­se alles als “etwas kon­stru­ier­tes” aus­zu­stel­len und dabei gleich­zei­tig die Ver­än­der­bar­keit her­vor­zu­he­ben: Ein Weg zum Guten scheint offen­sicht­li­cher zu wer­den.

Ihren wuch­ti­gen Wer­ken ist so ein kraft­vol­les poli­tisch-femi­nis­ti­schen Anlie­gen abzu­le­sen, Ord­nung in die Ord­nung bestehen­der Ver­hält­nis­se zu brin­gen, die am Ende uns allen zugu­te kommt, weil die­ses Ande­re, also die uns so selbst­ver­ständ­lich erschei­nen­den sozia­len Struk­tu­ren schließ­lich nur ver­lie­ren kön­nen, und sich mit der Zeit auf­zu­lö­sen beginnt — dazu geben nicht nur die Posi­tio­nen von Rieg­ler Mut, es ist eben­so der Mensch Ina Rieg­ler.

23.11.2024 17:00 - Update am: 24.11.2024 15:09
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Ina Rieg­lers Anlauf zum wuch­tig-kla­ren Femi­nis­musVerachtet das homogene Denken und erteilt als Feministin unmissverständliche Aufträge an die Gesellschaft: die Klagenfurter Künstlerin Ina Riegler.

© KLiCK Kärnten/Grayer