Kärnten
Windräder: Mit klugem Energiemix!
Die Volksbefragung zur Windkraft spaltet Kärnten, doch Experten betonen die Notwendigkeit eines nachhaltigen und vielfältigen Energiemixes. Windräder ja – aber durchdacht und im Einklang mit Natur und Wirtschaft.
© Markus Distelrath/Pixabay
„Wozu Kraftwerke? Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose….“ Wer kennt ihn nicht, diesen lockeren Spruch mit ernstem Hintergrund? Schließlich lehnen die meisten von uns die Atomkraft mit ihren gefährlichen radioaktiven Strahlen ab. Hände weg auch vom Ausbau der Wasserkraft – da werden Flüsse zubetoniert, künstlich aufgestaut oder der Lebensraum bestimmter Tierarten zerstört. Was ist mit Biomasse? Ist sie immer verfügbar? Öl und Kohle? Keinesfalls zurück in die Steinzeit! Und warum müssen Photovoltaik-Anlagen riesige Flächen „verschlingen“? Und Erdgas? Da hat Herr Putin gerade die Leitung zur österreichischen OMV zugedreht. Wie wäre es mit Windrädern? „Ja, bitte gerne – aber nicht in Kärnten, sondern in anderen Bundesländern“, heißt es seitens der Kärntner FPÖ, die mit dem „Team Kärnten“ am 12. Jänner des nächsten Jahres eine für die Landesregierung nicht bindende Volksbefragung zu diesem Thema losgetreten hat. Hier scheint das Florianiprinzip zu gelten: „Nur nicht bei uns!“. Mittlerweile steigt der Stromverbrauch bei Industrie und den heimischen Haushalten. Experten sprechen sich deshalb für einen „vernünftigen Energiemix“ für Kärnten aus: Mit Sonne, Wind, Wasser, Holz. Denn das südliche Bundesland gilt längst als Musterschüler der österreichischen Energiewende: Mit 55 Prozent Erneuerbaren-Anteil am Verbrauch.
Im Oktober hat die Landesregierung die Volksbefragung beschlossen. Wörtlich heißt es da: „Soll zum Schutz der Kärntner Natur (einschließlich des Landschaftsbildes) die Errichtung weiterer Windkraftanlagen auf Bergen und Almen in Kärnten landesgesetzlich verboten werden?“ Die Befragung kostet rund 500.000 Euro. Eines steht jedenfalls schon lange fest: Kärnten benötigt eine sichere und nachhaltige Energieversorgung zu leistbaren Preisen. Die Landesregierung versucht den Spagat zwischen Naturschutz und vernünftige Energiebeschaffung zu meistern. Energie soll dort erzeugt werden, wo sie ökologisch vertretbar ist und ökonomisch Sinn ergibt. Von einem „Zupflastern“ der Kärntner Berge mit gigantischen Windparks, wie von den Freiheitlichen als Horrorszenario gezeichnet, kann nicht die Rede sein. So hat sich Energielandesrat Sebastian Schuschnig in der ORF-Radiosendung „Streitkultur“ festgelegt – er könne sich für Kärnten keinesfalls über 100 Windkraftanlagen vorstellen. Schließlich hätte die Raumordnungsabteilung ein gewaltiges Wort mitzureden und man könne unser Bundesland nicht mit geogerafischen Gegebenheiten wie im Burgenland oder in Niederösterreich vergleichen. Gleich Hunderte Windräder in Kärnten? Statt einem Gipfelkreuz ein Windrad? Das wird vom zuständigen Referenten ins Reich der unnötigen FP-Märchen verwiesen. Kärnten benötigt in den Wintermonaten mehr Energie, als in diesen Monaten aus Wasser und Sonne erzeugt werden kann. Für die Versorgungssicherheit spricht ein kluger Mix aus diversen Energiequellen.
Kärnten muss bis zu einem Viertel des Stroms importieren. Laut Prognosen soll sich der Strombedarf bis 2050 nahezu verdoppeln. Zudem soll das Energiewende-Gesetz den Standort für Industriebetriebe sichern. Außerdem will man kein „Verhinderungsgesetz“ beschließen, das etwa durch den Bund oder ein Höchstgericht aufgehoben werden könnte, sehr wohl möchte man aber den bürokratischen Aufwand reduzieren. Ob eine Anlage mit dem Landschaftsbild überhaupt vereinbar ist, wird weiterhin in einzelnen Verfahren zu klären sein. Außerdem soll das Gesetz Bauern die Möglichkeit eröffnen – etwa durch Agri-PV – zu Energiewirten zu avancieren. Auch eine mögliche Enteignung von Grundeigentümer für den Bau von Anlagen war nie vorgesehen und klingt nach Grimms Märchen. Derzeit sind 45 Windräder in Kärnten genehmigt, bzw. im Genehmigungsverfahren, weitere 50 können maximal folgen, so Schuschnig. Damit gibt es keinen schrecklichen Windpark-Wildwuchs, kein „Zupflastern“ der Natur, kein „Niederbetonieren“ von Wäldern und Almen, kein „Riesenrad-Wunderland“. Laut Landeshauptmann Peter Kaiser werde sehr wohl weiterhin dem Landschaftsschutz Rechnung getragen. Dabei werden Windräder nicht wahllos über das ganze Land verstreut aufgestellt, sondern in gut konzipierten Windparks zusammengefasst – also in klar definierten Gebieten. Mit anderen Worten: Die „Blauen“ drehen sich nach dem Wind und verbreiten – in Windeseile – als furchtlose Windmühlenbekämpfer (frei nach Don Quichote) aufgeblasene Meldungen. Und was ist mit dem Klimaschutz? Deshalb empfiehlt sich ein vernünftiger Kärntner Weg. Sonst wird das nachvollziehbare Energiegesetz rasch vom Winde verweht. Schon Aristoteles meinte: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen…
mg
