SOS-Kinderdorf

Psych­ia­tri­sche Hil­fe für Jugend­li­che muss aus­ge­baut wer­den

Zum "Tag der Gesundheit" am 7. April: SOS-Kinderdorf meldet sich mit Forderung nach einem Maßnahmen-Paket für Jugendliche mit psychischen Problemen. Zentrale Punkte: Aufbau von Übergangspsychiatrie, flächendeckende Angebote auf Krankenschein und Förderung digitaler Angebote.

Jugendlicher SOS-Kinderdorf fordert eine Offensive für die psychische Gesundheit von Jugendlichen.

© Pixabay/slightly_different

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Im Vor­feld des “Tages der Gesund­heit” (7. April) macht SOS-Kin­der­dorf auf dra­ma­ti­sche Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie auf­merk­sam. “Die psy­chi­sche Ver­fas­sung von Jugend­li­chen ist dra­ma­tisch. Immer mehr jun­ge Men­schen lei­den an erns­ten psy­chi­schen Erkran­kun­gen. Sie brau­chen Hil­fe – rasch, pro­fes­sio­nell und leist­bar”, for­dert SOS-Kin­der­dorf-Geschäfts­füh­rer Chris­ti­an Moser.

Man­gel an Fach­ärz­ten

Gera­de bei jun­gen Men­schen sei schnel­les Han­deln essen­zi­ell, wenn the­ra­peu­ti­sche oder psych­ia­tri­sche Hil­fe benö­tigt wird, weiß Chir­stoph Schnei­der­gru­ber, Lei­ter des Her­mann-Gmei­ner-Zen­trums im SOS-Kin­der­dorf Kärn­ten, Ambu­la­to­ri­um für Neu­ro­lo­gie und Psych­ia­trie des Kin­des und Jugend­al­ters. Doch es gibt zu wenig Fach­ärz­te und Aus­bil­dungs­plät­ze in der Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie. Schnei­der­gru­ber: “Ich den­ke, es beginnt schon bei den Auf­nah­me­tests zum Medi­zin­stu­di­um bis hin zu den Inhal­ten im Medi­zin­stu­di­um und der Sozia­li­sie­rung der Stu­den­ten. Wir soll­ten mehr Augen­merk auf sozia­le und emo­tio­na­le Kom­pe­ten­zen und Fähig­kei­ten legen.”

Jugend­li­che Zugän­ge

Nie­der­schwel­lig müs­se man anset­zen. “Wir müs­sen zu den Jugend­li­chen, nicht die­se zu uns. Es braucht jugend­li­che Zugän­ge. Was wir brau­chen, sind jun­ge, gut aus­ge­bil­de­te The­ra­peu­ten und The­ra­peu­tin­nen, medi­al ver­siert, fle­xi­bel in der Arbeits­zeit, kom­mu­ni­ka­tiv. Men­schen, die neu­gie­rig, auf­su­chend, krea­tiv und beherzt sind, in der Begeg­nung und Umset­zung von The­ra­pie­set­tings.”

Leist­ba­res Ange­bot

Schon vor der Coro­na-Kri­se fehl­ten etwa 70.000 kas­sen­fi­nan­zier­te The­ra­pie­plät­ze in die­sem Bereich. Pro­ble­ma­tisch sind auch die Kos­ten, so Moser: “Es kann nicht sein, dass Jugend­li­che bzw. ihre Fami­li­en the­ra­peu­ti­sche Behand­lun­gen, die nicht bil­lig sind, zum über­wie­gen­den Teil selbst finan­zie­ren müs­sen. Das schließt gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung schlicht­weg aus.” Doch genau Jugend­li­che aus ärme­ren Fami­li­en trifft die der­zei­ti­ge Situa­ti­on beson­ders.

Tele­the­ra­pie erwei­tern

Das Ange­bot müs­se aber auch erreich­bar sein, vor allem für Betrof­fe­ne in länd­li­chen Regio­nen. Daher wäre Kri­sen­be­hand­lung daheim oder über digi­ta­le Ange­bo­te wich­tig. Schnei­der­gru­ber weiß aus der Pra­xis: “Seit dem ers­ten Lock­down hat sich in unse­ren Ambu­la­to­ri­en für Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie gezeigt, dass The­ra­pien über Tele­fon oder Video­chat gera­de von Jugend­li­chen sehr gut ange­nom­men wer­den. Tele­the­ra­pie ist mitt­ler­wei­le unver­zicht­bar. Es schafft Nie­der­schwel­lig­keit, holt Jugend­li­che bes­ser ab, ermög­licht, auf deren Kanä­len zu kom­mu­ni­zie­ren. Es ersetzt nicht den per­sön­li­chen Kon­takt, aber ich sehe es unbe­dingt als not­wen­di­ge Ergän­zung.”

Über­gangs­an­ge­bo­te für Jugend­li­che

Ein Man­ko sei auch, dass das öster­rei­chi­sche Gesund­heits­sys­tem momen­tan zwi­schen Kin­dern bis 18 Jah­ren und Erwach­se­nen unter­schei­det. “Der Wech­sel zur Erwach­se­nen­psych­ia­trie ist für vie­le jun­ge Men­schen ein schwie­ri­ger Schritt. Ein 17-jäh­ri­ger gehört auf kei­ne Kin­der­sta­ti­on, ein rei­fe­ver­zö­ger­ter 18-Jäh­ri­ger ver­liert sich auf einer Erwach­se­nen­psych­ia­trie”, erläu­tert Schnei­der­gru­ber. In Kärn­ten gibt es bereits ver­ein­zelt ambu­lan­te Über­gangs­an­ge­bo­te, doch bun­des­weit müs­se sich etwas ändern. SOS-Kin­der­dorf for­dert Über­gangs­psych­ia­trie für 15- bis 25-Jäh­ri­ge.

04.04.2021 08:07
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Jugendlicher SOS-Kinderdorf fordert eine Offensive für die psychische Gesundheit von Jugendlichen.

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