Magistrat Klagenfurt
Einsamer Bürgermeister erregt die Gemüter
Chaotische Zustände im Klagenfurter Rathaus als tragische Lachnummer für ganz Kärnten.
Bürgermeister Christian Scheider weist Vorwürfe rund um die Krassnig-Gutachten zurück und betont die Transparenz gegenüber dem Stadtsenat.© Harald Raffer
Zweifelsohne, es herrscht Fasching im Land und in der Stadt, die Zeit des unbeschwerten Lustig-Seins und die Zeit des Lachens. So weit, so gut. Leider ist aber den meisten Bewohnerinnen und Bewohnern der Kärntner Landeshauptstadt das Lachen mittlerweile wohl im Hals stecken geblieben. Die Stadt pfeift finanziell aus dem allerletzten Loch, einem Millionenloch nämlich, im Rathaus wird nur noch wild um sich geschlagen, eitle Hahnenkämpfe überall, ein Skandal mündet in den anderen, keiner will schuld sein, die kunterbunte Truppe überhäuft sich mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und der offensichtlich vollkommen überforderte Bürgermeister hat scheinbar keinen Spiegel zu Hause, in dem er sich und sein Elend einmal selber von oben bis unten in Ruhe betrachten könnte.
Kehren vor der eigenen Türe notwendig
Jetzt setzt der ehemalige (angeblich durchaus talentierte) Tennislehrer Christian Scheider aber noch eines drauf. In der Kleinen Zeitung kommentiert er die Geschehnisse rund um die gescheiterten Koalitionsverhandlungen im Bund. Als hätte er selber nicht die geringsten Probleme am Hals. Es brauche eine stabile Regierung, weiß das Klagenfurter Stadtoberhaupt in Oberlehrermanier, ansonsten seien Neuwahlen wohl die beste Option. Mag schon sein, allerdings wäre es Herrn Scheider anzuraten, mittels Selbstreflektions-Besen einmal vor der eigenen (Rathaus)Türe kräftig zu kehren, denn zur Stadtpolitik oder gar zu einer positiven Stadtentwicklung fällt ihm schon lange nichts mehr ein. Nichts läuft mehr in der Stadt. Gar nichts mehr. Und das sog. Stadtoberhaupt (kolportierter Monatsverdienst über € 15.000, for what?) hat scheinbar völlig den Überblick verloren, so er diesen Überblick jemals hatte. Budgetchaos pur, drohender Totalstillstand, politischer Endlos-Hick-Hack, kostspielige Dauerfehde mit dem ehemaligen Magistratsdirektor (der Herr wäre eine eigene Geschichte wert), absolutes Trauerspiel Hallenbad (ganz Österreich lacht), Postenschacher im Magistrat, mehr als undurchsichtige Wohnungsvergaben, nicht kontrollierbare Überstunden-Kaskaden, kolportierte Spitzel in den eigenen Reihen und, und, und. Kabarettist Christian Hölbling hat es im Zuge einer Demo vor kurzem auf den Punkt gebracht, als er Klagenfurt als die am schlechtesten regierte Landeshauptstadt Österreichs bezeichnete. Wie wahr.
Der einsame Bürgermeister
Auch die ehemaligen Polit-Freunde sehen es anscheinend so. Jetzt haben sie den bedauernswerten Bürgermeister sogar auf die Straße gesetzt. Armer Kerl eigentlich. Beinahe vollkommen alleine gelassen sitzt er jetzt in seinem Büro und Rathaus und versteht seine kleine, nicht gerade intellektuelle Welt nicht mehr. Was er wohl gerade wieder anstellt? Aber zum Glück herrscht ja der Fasching im Land, wie eingangs schon erwähnt. Da kann er ja als Faschingsbürgermeister wieder in seiner mehr als lächerlichen Biene-Sumsi-Verkleidung durch die Stadt ziehen (so wie am Faschingsdienstag des Vorjahres) und den Klagenfurterinnen und Klagenfurtern zumindest etwas vorsingen. Weil singen kann er ja angeblich ganz gut, wobei irgendetwas muss man ja können. Wie war das? Neuwahlen im Bund als möglicher Ausweg? Dieses Szenario ist in der Landeshauptstadt, auch bedingt durch das Stadtrecht, gar nicht so einfach. Viel einfacher wäre ein sofortiger, freiwilliger Rücktritt des Tennislehrers. Vielleicht ja ein Besinnen auf seine angeblichen Fähigkeiten am Netz. Auch die Karriere in einem Gesangsverein scheint durchaus möglich. „Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken“, nennt der österreichische Autor Fritz Wöss einen seiner Romane. Zeit, das auch einzusehen, Herr Bürgermeister. Aber wie heißt es doch so schön, „Scheide( r )n tut weh!“