Mit Verwunderung habe ich die Tanzdemo „One Billion Rising“ auf dem Neuen Platz in Klagenfurt gesehen – nur wenige Tage nach dem unfassbaren Terror-Attentat in Villach, bei dem ein 14-Jähriger auf offener Straße getötet wurde. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein enormes Problem, und jede Initiative dagegen ist wichtig. Doch die Frage ist nicht, ob man ein Zeichen setzt, sondern wie und wann.
Während viele Menschen noch um Fassung ringen, trauern und versuchen, das Geschehene zu verarbeiten, wird in der Landeshauptstadt mit fröhlicher Musik und einstudierten Bewegungen getanzt. Das wirkte weniger wie eine kraftvolle Demonstration als vielmehr wie eine unpassende Inszenierung. Ist das wirklich die richtige Form des Protests? Wird der Ernst der Lage so erfasst? Oder um es auf kärntnerisch zu sagen: „Spiats ia eich noch?!“
Gerade in Zeiten der Trauer braucht es mehr Feingefühl. Eine Tanzperformance mag gut gemeint sein, doch sie darf die Realität nicht übertünchen. Wer Gewalt ablehnt, sollte nicht nur laut sein, sondern auch zuhören – vor allem dann, wenn ein ganzes Land sprachlos ist.