Nachruf
Abschied von Franc Kukovica (1933–2025)
Mit großer Trauer und tiefer Dankbarkeit nimmt die Pädagogische Fachvereinigung Kärnten Abschied von Franc Kukovica, dem Gründer der Fachvereinigung, der im Alter von 91 Jahren verstorben ist.
Franc Kukovica war weit mehr als ein Pädagoge. Er war ein Visionär, ein Brückenbauer zwischen Gemeinschaften, ein standhafter Streiter für die Rechte der Kärntner Slowenen und ein Mensch mit großer menschlicher Wärme. Mit der Gründung der Fachvereinigung im Jahr 1984 legte er das Fundament für die nachhaltige Entwicklung des zweisprachigen Bildungswesens in Kärnten.
Lernsoftware über Kärnten in Slowenisch
Gemeinsam mit seiner Frau Slavka und einem engagierten Team sorgte er dafür, dass Kinder im Minderheitenschulwesen Zugang zu hochwertigen Lehrmaterialien und einem lebendigen Slowenischunterricht hatten. Auf Initiative der Vereinigung entstanden über 100 Lehrbücher, Lernspiele und digitale Werkzeuge. Ein besonderer Meilenstein war 2002 die erste digitale Lernsoftware über Kärnten in slowenischer Sprache – auf seine Anregung hin entwickelt vom damaligen jungen Pädagogen Danilo Katz, dem heutigen Vorsitzenden der Fachvereinigung.
Zeitzeuge der NS-Verfolgung
Kukovica war nicht nur Pädagoge, sondern auch Zeitzeuge der NS-Verfolgung. Geboren am 2. November 1933, wurde seine Familie während der NS-Zeit als Angehörige der slowenischen Volksgruppe vertrieben. Als Erwachsener teilte er seine Geschichte mit großer Würde im Rahmen des Nationalfonds der Republik Österreich — und wurde zu einer wichtigen Stimme der Erinnerungskultur in ganz Österreich. Er war zudem Vizeobmann des Zentralverbandes der slowenischen Organisationen, wo er sich auch auf politischer Ebene für die Anliegen der Volksgruppe stark machte.
Titel des Ehrenpräsidenten verliehen
Danilo Katz sagte in seiner Würdigung: „Franc Kukovica war nicht nur ein Lehrer — er war ein Lehrer des Lebens. Aus der Erfahrung von Verfolgung und Ausgrenzung hat er Zukunft geschaffen: mit Bildung, Mut und Menschlichkeit. Er hat uns gezeigt, wie Erinnerung, Bildung und Menschlichkeit ein starkes Fundament für eine gerechtere Gesellschaft bilden.“ 2024 verlieh ihm Danilo Katz im Namen der Pädagogischen Fachvereinigung den Titel Ehrenpräsident — Ausdruck tiefster Anerkennung für sein Lebenswerk. Doch das größte Vermächtnis bleibt: eine Generation von Kindern, die dank ihm ihre Sprache und Identität mit Stolz leben oder die Sprache des Nachbarn/der Nachbarin lernen dürfen.




