Diskussion

Über die Angst vor dem letz­ten Weg

Unter dem Motto „Es lebe der Tod“ fand eine Diskussion im Zeremonium der „Pax“-Bestattung in Klagenfurt mit Intensivmediziner Rudolf Likar, Geriatrie-Vorstand Georg Pinter und Gesundheitspsychologen Herbert Janig statt.

Über die Angst vor dem letz­ten Weg Tiefgründige Diskussion über den Tod an einem ungewöhnlichen Ort: Herbert Janig, Rudolf Likar, Moderator Harald Raffer und Georg Pinter (von links)

© Sternig

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Unter dem Mot­to „Es lebe der Tod“ fand im Zere­mo­ni­um der „Pax“-Bestattung in Kla­gen­furt eine Dis­kus­si­on statt. Als Dis­ku­tan­ten spra­chen Inten­siv­me­di­zi­ner Rudolf Likar, Ger­ia­trie-Vor­stand Georg Pin­ter und Gesund­heits­psy­cho­lo­ge Her­bert Janig über die Angst vor dem Ster­ben. Mit dem gleich­na­mi­gen Buch, erschie­nen im „Ueberreuter“-Verlag, wol­len die bei­den Autoren Karl Cer­nic und Tho­mas Früh­wald den Men­schen die Furcht vor dem letz­ten Weg neh­men.

Das Los­las­sen als Schwie­rig­keit

„Der Tod ist nicht so schreck­lich, wie es alle mei­nen. Er gehört ein­fach zum Leben, wie die Geburt. Man darf ihn nicht ein­fach aus­blen­den“, sag­te Likar. Pin­ter bedau­er­te, dass der Bereich der Ger­ia­trie in der medi­zi­ni­schen Aus­bil­dung kaum Platz fin­den wür­de, obwohl es dabei um ein „ordent­li­ches Maß an Empa­thie“ geht. Der Tod als ein Tabu­the­ma wird im All­tag wei­ter ver­drängt. So stand unter ande­rem die Fra­ge nach dem Zeit­punkt, wann das Ster­ben begin­nen und das Leben wirk­lich enden wür­de, im Zen­trum. Dass ein wür­de­vol­ler Abschied jedoch immer wich­tig ist, dar­über waren sich die Exper­ten einig. Dar­aus folgt, dass sich die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung ein „Los­las­sen“ im Krei­se von Ver­wand­ten oder zu Hau­se wünscht. Die­ser Wunsch wird jedoch von der Rea­li­tät über­schat­tet: ein Groß­teil der Betrof­fe­nen stirbt im Spi­tal.

„Ster­ben­de wei­nen am Ende nie. Die Trau­er macht sich aller­dings bei den Ange­hö­ri­gen bemerk­bar“, meint Likar. In sol­chen Fäl­len hilft vor allem Spi­ri­tua­li­tät und der Glau­be, hielt Janig fest. Der Umgang mit dem Ster­ben äußert sich höchst unter­schied­lich, erklär­te Likar. Es gibt in man­chen Tei­len der Welt ein fröh­li­ches Ver­ab­schie­den vom Sterb­li­chen, etwa mit hei­te­rer Musik und schwung­haf­ten Tän­zen.

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Blick „von oben“ auf die Gäs­te im Zere­mo­ni­um der „Pax“ in Kla­gen­furt: Zahl­rei­che Besu­cher lausch­ten gespannt den Aus­füh­run­gen der Exper­ten zu einem Tabu­the­ma und stell­ten Fra­gen über ein „fried­li­ches Ein­schla­fen“.
© Ster­nig

Buch „Es lebe der Tod“

„Ärz­te wol­len auf­klä­ren, wol­len Hoff­nung geben. Im All­tag von Ärz­ten ist der Tod etwas Para­do­xes. Auf der einen Sei­te begeg­nen sie ihm fast täg­lich. Auf der ande­ren Sei­te gilt im Spi­tal das unge­schrie­be­ne Gesetz: Der Tod exis­tiert nicht! Als wür­de der Tod eines Pati­en­ten ein Schei­tern eines Medi­zi­ners bedeu­ten. Genau das stimmt so nicht!“, heißt es zu Beginn des Buchs „Es lebe der Tod“ von Karl Cer­nic und Tho­mas Früh­wald. Das Werk gibt Ant­wor­ten auf die Fra­gen, was hat es mit dem neu­en Gesetz der Ster­be­hil­fe auf sich, wie gehen Ärz­te und Pfle­ger mit dem Unver­meid­li­chen um und war­um ver­leug­nen Leu­te den siche­ren Abgang? Dar­über hin­aus wur­de dis­ku­tiert, ob man ein Leben, das nur mehr an moder­nen Appa­ra­ten und dicken Schläu­chen hängt, mit der Repa­ra­tur­me­di­zin unbe­dingt ver­län­gern soll­te. Gleich­zei­tig mach­te man auf die groß­ar­ti­gen Leis­tun­gen auf den Kärnt­ner Pal­lia­tiv­sta­tio­nen auf­merk­sam.

Eine voll besuch­te PAX-Zere­mo­nien Hal­le

Die Dis­kus­si­on lei­te­te Harald Raf­fer, Spre­cher der „Stadt­wer­ke Kla­gen­furt“. Unter den Zuhö­ren­den befan­den sich zahl­rei­che Medi­zi­ner imd Pfle­ger, der Künst­ler Valen­tin Oman, Lan­des­amts­di­rek­tor Die­ter Plat­zer und „Jac­ques Lemans“-Chef Alfred Riedl. Nach einem abschlie­ßen­den Plä­doy­er für einen „neu­en Tod“ kün­dig­te Likar ein wei­te­res Werk zu die­sem „unend­li­chen The­ma“ an.

07.11.2021 17:20
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Über die Angst vor dem letz­ten Weg Tiefgründige Diskussion über den Tod an einem ungewöhnlichen Ort: Herbert Janig, Rudolf Likar, Moderator Harald Raffer und Georg Pinter (von links)

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