„RaDeschnig“
Die Kabarett-Zwillinge aus Völkermarkt
Die Radeschnig-Zwillinge Birgit und Nicole gehören zu den Fixsternen am österreichischen Kabarett-Himmel. Im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“ erzählen sie, wie alles begann.
Das Duo „RaDeschnig“ gibt es in der Kabarett-Szene seit dem Jahr 2010. „Damals haben wir den ‚Grazer Kleinkunstvogel‘ gewonnen. Das war für uns der kabarettistische Startschuss“, erzählt Nicole. Zuvor waren ihre Zwillingsschwester Birgit und sie am Konservatorium in Wien: Anlässlich eines Wettbewerbs fingen sie an, selbstgeschriebene Texte auf die Bühne zu bringen.
Fünf Programme
In den vergangenen elf Jahren erarbeiteten die Völkermarkterinnen fünf Kabarett-Programme. Alles fing mit dem Programm „Nach Kärnten“ an. Darin ging es um Absurditäten, die in Brauchtümern versteckt sind. Das zweite Programm „A Zimmerl zum Leben“ handelte von einem Altersheim und davon, wie es in Zukunft aussehen könnte. Das dritte Programm „Experimensch“ war der Esoterik und dem Wunsch, glücklich zu leben, gewidmet. „Zimmer, Küche, Kabinett“ hieß das vierte Programm. Darin zog sich eine Frau in ihre Wohnung zurück und ließ keinen Kontakt zur Außenwelt zu. Das aktuelle Programm trägt den Titel „Doppelklick“ und befasst sich mit Menschen, Internet-Phänomenen und deren sozialen Auswirkungen. „Derzeit schreiben wir am sechsten Programm“, verrät Birgit.
Musik-Kabarett
Auf der Bühne sind die Kabarettistinnen oft mit Musikinstrumenten zu sehen. „Wir machen Kabarett mit musikalischen Einflüssen. In den Programmen gibt es 70 Prozent Text und 30 Prozent Musik“, klärt Nicole auf. Die Zwillinge sind sich darin einig, was es inhaltlich auf die Bühne schafft. „Die meisten Texte schreibt Birgit. Sie feilt daran bis zur Bühnenreife. Beim Programm sind wir uns immer einig, nur beim Schreiben gibt es schon diktatorische Züge“, schmunzelt Nicole.
Dass die Musik in den Programmen immer eine Rolle spielt, kommt nicht von ungefähr: Die Radeschnig-Zwillinge musizieren von klein auf. „Ich habe früher sehr viel Klarinette gespielt. Leider hat es die Klarinette nicht in mein leidenschaftliches Repertoire geschafft. Am liebsten spiele ich jetzt Klavier, Akkordeon und Gitarre. Im Moment probiere ich gerade, das Trompetenspielen zu erlernen“, erklärt Birgit. Ihre Schwester ist bei der Klarinette hängen geblieben. „Ich liebe das Instrument. Sporadisch spiele ich auch sehr gerne Klavier“, meint Nicole.

Die Kritik
Natürlich ist der Entscheidungsprozess bei der Entstehung eines Programms nicht immer einfach. Die Texte werden untereinander zumeist im Chat besprochen. „Wir streiten dabei nie. Wenn, dann gibt es in den Texten höchstens mehr Ausrufungszeichen. Es ist oft schmerzlich, wenn man merkt, dass die andere nicht versteht, was man selbst meint. Ich zweifle oft an mir selbst, wenn ich mich frage, warum versteht Birgit das nicht“, sagt Nicole. Letztendlich sind sich die beiden doch einig. „Wir haben den gleichen Humor. Wir lachen bei denselben Sachen, nur in den Nuancen gibt es feine Unterschiede“, schildert Nicole. Die Aufgaben sind klar aufgeteilt. „Nicole ist für die Entwicklung der Figuren in den Programmen zuständig. Uns ist es wichtig, dass jede ihre Stärken dort einsetzt, wo sie gebraucht werden. Wir ergänzen uns sehr gut“, betont Birgit.
Skurrile Fotos und Plakate
Egal, ob auf Plakaten oder Fotos in den sozialen Medien – die Motive sind meist schräg und skurril. „Ich finde, das bringt etwas Abwechslung in den faden Alltag. Wir arbeiten sehr gerne mit Stephka Klaura zusammen. Sie kommt aus Bad Eisenkappel, hat in Wien eine eigene Siebmanufaktur und bedruckt Stoffe. Allein mit ihren Stoffen und ihren Ideen für unser letztes Plakat geht es stark in eine Richtung, die uns gefällt, weil es visuell etwas anderes ist. Der kreative Prozess hört nicht beim Schreiben des Programms auf, da gehören auch Fotos, Bühnengewand und Plakate dazu“, schildert Birgit. Zum Team gehört auch Fotograf Stefan Grauf-Sixt.

Formation „Klakradl“
Neben den zahlreichen Kabarett-Auftritten sind die Zwillinge auch mit der Musikformation „Klakradl“ unterwegs. „Das ist für uns eine zweite Säule. Es war uns immer ein Anliegen, mit Stefan Kollmann und Markus Fellner zu musizieren. Beide sind gebürtige Kärntner. Das macht uns sehr viel Spaß“, erläutert Nicole.
Das Weihnachtsfest
Den Heiligen Abend verbringen die Radeschnig-Zwillinge getrennt. „Das Weihnachtsfest feiere ich bei den Schwiegereltern. Ich habe schon für meine Familie und meinen Sohn Valentin Kekse gebacken. Es sind Haferflockenröllchen, Sterzkekse und ganz normale Mürbteigkekse geworden“, erzählt Nicole. Schwester Birgit verbringt die Feiertage bei den Eltern in Völkermarkt. Nach den Feiertagen wird wieder gemeinsam am neuen Programm gearbeitet.
Die Kabarett-Preise
Gemeinsam mit Hosea Ratschiller wurde „RaDeschnig“ für das Programm „Der allerletzte Tag der Menschheit“ mit dem österreichischen Kabarett-Preis 2016 und dem Salzburger Stier 2017 ausgezeichnet. Für „Doppelklick“ erhielten die Zwillinge 2019 den österreichischen Kabarett-Preis für das beste Programm.
- Die „Radeschnig-Kraken“ Birgit (links) und Nicole
- Nicole (links) und Birgit Radeschnig, zwei außergewöhnliche Fotomodels
- Birgit (links) und Nicole Radeschnig vor einem etwas anderen Christbaum
