Wirtschaftskammer
„Schnupper-Plattform“ für Lehrlinge und Betriebe
Die größte Herausforderung für Kärntner Unternehmer ist der Mangel an Fachkräften. Eine Online-Plattform der Wirtschaftskammer Kärnten soll nun potentielle Lehrlinge und Lehrbetriebe zusammenführen.
© WKK/Studio Horst
Für 78 Prozent der Unternehmer ist der Mangel an Fachkräften die größte Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Kärnten. Das ergab eine im Herbst durchgeführte Konjunktur-Umfrage, teilt die Wirtschaftskammer Kärnten mit. Die häufigsten und größten Rekrutierungsschwierigkeiten bestehen, wie auch eine im Mai und Juni 2021 vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft durchgeführte österreichweite Unternehmensbefragung bestätigt, über alle Sparten hinweg bei Lehrabsolventen: 66,2 Prozent gaben an, häufig Probleme bei der Suche nach Mitarbeitern mit Lehrabschluss zu haben. „Das liegt allerdings keineswegs an der mangelnden Ausbildungsbereitschaft der Betriebe“, erklärt Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten. Rund die Hälfte der Unternehmen würde mehr Lehrlinge ausbilden, wenn sie dafür ausreichend geeignete und interessierte Jugendliche fänden.
Duale Akademie
Mandl setzt deshalb auf eine Erweiterung der Zielgruppe für Lehrberufe: „Aufgrund der demografischen Herausforderungen ist es unter anderem essentiell, verstärkt auch atypische Zielgruppen wie Maturanten von den Vorzügen einer Lehre zu überzeugen und für sie attraktive Ausbildungsangebote zu schnüren.“ Große Hoffnung setzt die Wirtschaftskammer Kärnten auf die im Herbst 2022 vorerst in den vier Pilotberufen „Applikationsentwicklung-Coding“, „Speditionskaufmann“, „Mechatronik – Automatisierungstechnik“, „Elektrotechnik – Elektro- und Gebäudetechnik“ startende „Duale Akademie“. Diese bietet Maturanten neben einem Lehrabschluss in verkürzter Lehrzeit ein zukunftsträchtiges Ausbildungspackage inklusive Auslandspraktikum und der Vermittlung von fachvertiefenden Inhalten und Zukunftskompetenzen.
Image-Wandel spürbar
„Dank umfangreicher Maßnahmen ist durchaus schon ein Image-Wandel spürbar. Aber es ist ein langer Prozess und es gilt Jugendliche und Eltern weiterhin bestmöglich über die Vielfalt und Vorzüge der dualen Ausbildung zu informieren“, sind sich Mandl und Benno Tosoni, Leiter der Lehrlingsstelle in der Wirtschaftskammer Kärnten, einig. Ebenso wichtig ist es, dass die Lehre stetig weiterentwickelt und modernisiert wird. Deshalb wurden alleine seit dem Jahr 2020 43 Lehrberufe modernisiert und neu geschaffen. Im Rahmen einer umfangreichen Bildungsoffensive der Wirtschaftskammer wird zudem an vielen Projekten zur weiteren Stärkung der Lehre wie zum Beispiel der „Höheren Berufsbildung“ (Schaffung von auf der Lehre aufbauenden und formal anerkannten, dem nationalen Qualifikationsrahmen zugeordneten Qualifikationen) gearbeitet.
„Kärnten schnuppert“
„Mit ‚Kärnten schnuppert‘ haben wir zudem ein Tool geschaffen, das die für die Berufswahl essentielle Berufsorientierung forcieren und potentielle Lehrlinge und Lehrbetriebe beim Zusammenfinden unterstützen soll“, kündigt Mandl an. Denn diese Zusammenführung ist nicht einfach: Für Betriebe ist es oftmals herausfordernd, den geeigneten Lehrling und auch schon Schnupperlehrling zu finden, andererseits wissen viele Jugendliche gar nicht, welche Vielfalt an Berufen sie zur Auswahl haben und was sie in der Ausbildung erwartet. Deshalb gibt es Berufspraktische Tage („Schnuppertage“), die für alle Schüler in und nach der achten Schulstufe möglich sind, entweder während der Schulzeit im Ausmaß von fünf Tagen pro Schuljahr oder außerhalb der Schulzeit im Ausmaß von 15 Tagen pro Betrieb und Kalenderjahr.
Eigenes Online-Plattform
Hier setzt das neue Online-Angebot (kaernten-schnuppert.at) an. „Mit unserer Plattform versuchen wir getreu dem Motto ‚Schnuppern = Lehrplatz = Fachkraft‘ direkt an der Basis anzusetzen“, erzählt Projektleiterin Jasmin Pichler. Betriebe können sich in nur zwei Minuten auf der Homepage selbst eintragen. Dafür wird lediglich ein Einmal-Passwort benötigt, das unkompliziert direkt über die Homepage oder per E‑Mail (support@kaernten-schnuppert.at) angefordert werden kann. Nach dem Einstieg werden die wichtigsten Daten eingetragen, ein Firmenlogo hochgeladen und die angebotenen Lehrberufe ausgewählt. Damit ist die Eingabe auch schon abgeschlossen. Interessierte Jugendliche können dann aus dem breit gefächerten Angebot den idealen Schnupperplatz suchen.
„Sie können ihre Interessen angeben und finden dann passende Betriebe in ihrer Nähe“, erläutert Pichler. Anschließend muss nur noch das Unternehmen kontaktiert werden – und schon kann eine individuelle Berufsorientierung vereinbart werden.

