Petra Thaler
„Regierung vergisst Arbeiterinnen in der Produktion“
Internationaler Frauentag: Petra Thaler, Landesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft „PRO-GE“, fordert Anerkennung und Wertschätzung für Frauen in der Produktion.
Der heutige Weltfrauentag steht für die Gewerkschaft PRO-GE im Zeichen des Dankes an alle Frauen in Produktionsbetrieben. „Sie treten Tag für Tag ihre Schichten an und tragen als Arbeiterinnen in hohem Ausmaß zur Wertschöpfung bei. Die Leistung, die sie hier für uns alle erbringen, kann nicht hoch genug geschätzt werden“, betont Petra Thaler, Frauenvorsitzende der Gewerkschaft „PRO-GE“ in Kärnten. Aber: „Während der Corona-Krise wurden diese Frauen weitgehend vergessen. Die Regierung hat hier versagt“, kritisiert Thaler.
Systemrelevante Arbeit
Die Produktion von Waren ist systemrelevant. Ohne sie gäbe es keine Nahrung, keine Medikamente, keine Gebrauchsgüter, keine Investitionen in Bau oder in Mobilität. Viele Frauen sind in diesen Bereichen beschäftigt, zum Teil unter körperlicher Anstrengung, monotonen Arbeitsvorgängen, Hitze, Nässe oder Lärm – und das meist zu sehr untypischen Arbeitszeiten (Schichtbetrieb oder Nachtarbeit). Frauen in der Produktion sind auch stark betroffen vom technischen Wandel und müssen sich diesen Veränderungen stellen, um nicht den Arbeitsplatz zu verlieren.
Kurzarbeit und Einkommenseinbußen
„Frauen in der Produktion waren konfrontiert mit Kurzarbeit und Einkommenseinbußen, sie mussten trotz hohem Infektionsrisiko und anfangs schlechten Schutzmaßnahmen ihre Schichten antreten. Sie mussten dafür sorgen, dass ihre Kinder versorgt sind, während die Schul- und Betreuungseinrichtungen geschlossen wurden. Besonders Alleinerzieherinnen waren massiv belastet“, blickt Thaler auf die vergangenen beiden Jahre der Pandemie zurück. Von der Regierung erfahren Arbeiterinnen aber keine Unterstützung, bemängelt sie: „So fehlt zum Beispiel für schwangere Frauen in der Produktion bis heute die Möglichkeit, vorzeitig freigestellt zu werden, obwohl das erhöhte Risiko für Schwangere mittlerweile wissenschaftlich belegt ist.“
Vor Altersarmut schützen
Arbeiterinnen in systemrelevanten Produktionen benötigen, so die Gewerkschaft, dringend gute Einkommen, einen Rechtsanspruch auf eine Kinderbetreuung auch für untypische Arbeitszeiten, ausreichende Pflegeangebote mit einem Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und den verbesserten Zugang zur Schwerarbeitspension. „Weil die Erhöhung des Pensionsantrittsalters beginnt, brauchen sie abschlagsfreie Pensionen und die Erhöhung der Bemessungsgrundlage der Kindererziehungszeiten auf das Durchschnittseinkommen von Männern und Frauen, um sie vor Altersarmut zu schützen“, fordert Gewerkschafterin Thaler.
Vorzeitig aus Erwerbsleben ausscheiden
Viele Frauen in der Produktion sind nach jahrelanger körperlicher Arbeit gezwungen, krankheitsbedingt vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. „Mit körperlichen Einschränkungen sind sie hoch armutsgefährdet, weil sie nicht mehr vermittelbar sind und dadurch eine sehr niedrige Pension haben“, erläutert Thaler. Auch hier gibt es, so die Gewerkschafterin, bis heute keine echten Bestrebungen, ihre Altersversorgung zu verbessern und Altersarmut zu vermeiden.
Wissenswert
Den internationalen Frauentag nehmen die „PRO-GE“-Frauen in Kärnten zum Anlass, um ihre Wertschätzung und ihren Respekt vor der Leistung der Frauen in der Produktion zum Ausdruck zu bringen. In zahlreichen Betrieben finden Verteil-Aktionen mit süßen Aufmerksamkeiten statt.