Wirtschaftskammer Kärnten

Neue Jünger Gutenbergs in Klagenfurt „gegautscht“

Das Gautschen ist mittlerweile immaterielles UNESCO-Kulturerbe Österreichs. Das „Druckland Kärnten“ hält am traditionellen Brauch fest und „tauchte“ gestern in Klagenfurt Lehrlinge in den Gesellenstand.

Neue Jünger Gutenbergs in Klagenfurt „gegautscht“ Antonia Tscharnuter von „Kreiner Druck“ in Villach bei der Zeremonie des Gautschens

© WKK/Anita Arneitz

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Die Tradition der Gautschfeiern in der Druckbranche reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück (siehe „Wissenswert“ unten). Bei einer großen öffentlichen Gautschfeier in Klagenfurt mit Umzug durch die Stadt wurden gestern gemeinsam mit prominenten Vertretern aus Politik und Wirtschaft öffentlich der Gautschbrief verlesen sowie Lehrlinge und Ehrengäutschlinge spektakulär in ein Wasserfass getaucht.

Druckland Kärnten

„Für uns ist die Gautschfeier immer ein besonderer Moment, weil wir hier die Lehrlinge unserer Branche in den Gesellenstand erheben und sie von den Sünden der Lehrzeit befreien. Und zum Zweiten wollen wir mit dem ,Druckland Kärnten‘ darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, Aufträge regional zu vergeben. Nur so können wir Arbeitsplätze und damit verbundenen Wohlstand auch in unserem Land belassen“, fasst Daniel Kreiner, Obmann der Fachgruppe Druck in der Wirtschaftskammer Kärnten, zusammen.

Von Sünden reingewaschen

Das Wort „Gautschen“ kommt ursprünglich vom Papierschöpfen, bei dem es natürlich auch recht nass zugeht. Trocken bleiben daher bei einer Gautschfeier nur wenige, denn schließlich soll das Gautschen auch Glück bringen. Auszubildende werden dabei symbolisch von ihren Sünden in der Ausbildungszeit reingewaschen. Wer als Lehrling den Packern entwischte, musste sein Gautschfest nicht selber bezahlen. Deshalb ruft der Gautschmeister laut: „Packt an!“ – und es wird versucht, den Lehrling zu schnappen, der sich entsprechend wehrt. Das Holzfass wurde aus Lärchenholz von „Edelholz Mittmasser“ in Kooperation mit dem „Makerspace Carinthia“ gefertigt. Das Fass ist 230 Zentimeter lang, 120 Zentimeter breit und 105 Zentimeter hoch.

Gautschzeremonie und Gautschbrief

Nach der Gautschzeremonie erhält der „neue Jünger Gutenbergs“ einen Gautschbrief als Zeugnis dafür, dass er in die Gemeinde der Zunftgenossen nach altem Brauch aufgenommen ist und dadurch sämtlicher „Rechte und Privilegien“ teilhaftig wird, die die ehrsame Buchdruckerzunft zu vergeben hat. Aber in den Genuss des Gautschens kommen nicht nur Lehrlinge, sondern auch Ehrengäutschlinge, denen vorab nichts verraten wird. Bei den heißen Temperaturen war die Gautschfeier allerdings in diesem Jahr eine willkommene Erfrischung.

Gegautscht wurden:

  • Michelle Steiner (Glandruckerei Marzi, St. Veit)
  • Antonia Tscharnuter (Kreiner Druck, Villach)
  • Marvin Paul Tomintz (Wulfenia Druck, Feldkirchen)

Die Ehrengäutschlinge waren:

  • Christian Scheider, Bürgermeister der Landeshauptstadt Klagenfurt
  • Landtagsabgeordneter Markus Malle, Clubobmann der ÖVP im Kärnten Landtag
  • Meinrad Höfferer, Direktor der Wirtschaftskammer Kärnten

Wissenswert

Bereits im 16. Jahrhundert wurden Lehrlinge nach der bestandenen Abschlussprüfung während einer besonderen Zeremonie in ein Wasserfass getaucht – begleitet von Versen und dem wachsamen Auge eines Gautschmeisters. Die Kärntner Druckereien halten an diesem alten Brauch fest, der erst vor einigen Monaten offiziell als immaterielles„UNESCO-Kulturerbe Österreichs anerkannt wurde.

 

21.07.2022 09:08
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Neue Jünger Gutenbergs in Klagenfurt „gegautscht“ Antonia Tscharnuter von „Kreiner Druck“ in Villach bei der Zeremonie des Gautschens

© WKK/Anita Arneitz