Dokumentarfilm
„Mir geht es um Menschen“
„Erst in zweiter Linie geht’s um den Film“, sagt Robert Schabus. Sein jüngster Kinoerfolg heißt „Alpenland“. Warum die Filme des gebürtigen Gailtalers außergewöhnlich schön zum Schauen sind und warum Kino unersetzlich ist, lesen Sie hier.
© Johannes Puch, NGF (4) & Wolfgang Bohusch
Seine Filme sind kritisch und schön zugleich. Sie haben keine Eile und lassen dem Publikum Zeit. Zum Schauen, Hören und Mitfühlen. Sie brauchen weder einen Erzähler noch Musik. Die Filme von Robert Schabus zeigen Landschaften in aller Ruhe. Sie lassen Menschen zu Wort kommen. Ehrlich, aufrichtig und ungeschminkt. Die Situationen, in denen der Filmemacher sie mit der Kamera begleitet, sind irgendwie unspektakulär, weil alltäglich. Aber in ihrer Intimität sind sie berührend und lösen nicht selten Betroffenheit aus.
Die Kinoerfolge
„Bauer unser“ handelt von der Industrialisierung der Landwirtschaft und war einer der meistbesuchten Filme in den österreichischen Kinos im Jahr 2016. „Mind the Gap“ thematisierte im Jahr 2018 die Auswirkungen des Wirtschaftssystems auf Gesellschaft und Demokratie. Und nun läuft „Alpenland“ in den Kinos. Dieser Film erzählt von Menschen, die mit ihrer Existenz in den Bergen hadern. Zwischen Idylle und Zerstörung versuchen sie, trotz ungewisser Zukunft ihre Lebenswelt aufrecht zu erhalten.
Zeit für Menschen
Robert Schabus ist mehr als ein Filmemacher. Er begann mit Fotografie, Medienkommunikation, Philosophie und Pädagogik. Sein Interesse fürs Filmen ist stetig gewachsen. Er stellte fest, dass er damit aktuelle Themen seines Umfelds festhalten und wiedergeben konnte. Seine Filme sind Dokumente seiner Zeit. Mal kritisch, mal zurückhaltend, immer auf den Punkt. Im Mittelpunkt stehen Menschen mit ihren Einstellungen und Lebenswelten. Robert Schabus: „Zeit ist der wichtigste Faktor meiner Arbeit. Ich lasse mich auf Menschen ein und baue ein Vertrauensverhältnis zu ihnen auf.“ Dabei bleibt er immer auf Augenhöhe. Vertrauen ist der Grundpfeiler seiner Arbeit. Auch wenn er nicht derselben Meinung wie seine Interviewpartner ist, geht Schabus respektvoll mit deren Meinung um.
Müh‘ und Freud‘ des Filmemachens
Aufgewachsen ist der 51-Jährige in Förolach im Gailtal. Mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern wohnt er in Klagenfurt. Für „Alpenland“ ist der Filmemacher mit seinem (kleinen) Team über einen Zeitraum von vier Jahren viele Wochen durch die Alpen gefahren: „Ich mag das Unterwegssein. Meine Arbeit ist eine Reise zu Themen, Orten und Menschen. Die Begegnungen sind das Schönste daran.“ Das Schwierigste wiederum ist für Robert Schabus der Schnitt des Films: Das gesamte Bildmaterial zu sortieren und eine Struktur in die Geschichte hineinzubringen. „Das ist zu Beginn immer mühsam. Zugleich brauche ich aber auch die Auseinandersetzung damit, um das Verbindende aller Interviewgespräche herauszuarbeiten. Irgendwann läuft’s und dann geht’s dahin“, schmunzelt Schabus zufrieden.
Der Zauber des Kinos
Das Ziel seiner Filme sei weder Ruhm noch Reichtum. Denn: „Damit wird man nicht reich. Aber ich kann davon leben“, meint Robert Schabus. Seine Intention sei es, „Menschen zu erreichen und einen Diskurs auszulösen. Ich will meinem Publikum ein Fenster in eine Richtung öffnen, in die es selbst nicht geschaut hätte.“ Dafür sei das Kinoerlebnis unersetzlich, meint Schabus: „Eineinhalb oder zwei Stunden lang ohne Unterbrechungen einen Film anzusehen, und dabei mit Menschen in einem Raum zu sitzen, die man nicht kennt, das ist einzigartig“, schwärmt Schabus. Er selbst sieht sich seine Filme, auch wenn er sie bereits in- und auswendig kennt, immer auch im Kino an. Er genießt „die gespannte und zugewandte Stimmung“, so Schabus.
Nächster Film in Planung
Weil „nach dem Film“ immer auch „vor dem Film“ bedeutet, gibt es bereits Pläne für das nächste Projekt. Robert Schabus will den weltumspannenden Transport von Gütern und die prekären Arbeitsbedingungen der Menschen, die auf Containerschiffen, als LKW-Fahrer oder Paketzusteller tätig sind, beleuchten.
Online-Tipps
- Der Kärntner Filmemacher Robert Schabus
- „Alpenland“ erzählt von Menschen, deren Lebensperspektiven zwischen Ökonomie und Ökologie gegensätzlicher nicht sein könnten – und die trotz schwieriger Bedingungen eine tiefe Beziehung zu ihrer Heimat haben.
- „Alpenland“: Das „Dorf der Messerschleifer“, Premana in der Lombardei, ist einer der Schauplätze in Schabus‘ jüngstem Kinofilm. Gäbe es hier keine traditionelle Arbeit, würde kaum noch jemand hier leben.
- „Alpenland“: Schabus‘ Filme weisen neben dem Hauptthema auch viele Nebenschauplätze auf. Wer weiß schon, dass in Zermatt mehr als 2.000 Portugiesen (im Bild Ricardo Ferreira) leben, die mit ihrer Arbeitskraft die Tourismuswirtschaft aufrechterhalten?
- „Alpenland“: Die 16-jährige Julia Auernig wächst auf einen Bergbauernhof im Mölltal auf. Sie macht sich großen Druck, eines Tages den Hof zu übernehmen. Die Sorge, dass sie davon nicht leben können wird, ist berechtigt.
- Seine Dokumentarfilme handeln von sozial-gesellschaftskritischen Themen. Folgende Produktionen liefen in den Kinos: „Alpenland“ (2022), „Mind the Gap“ (2019) und „Bauer unser“ (2016).