Lisa Höllebauer

Wenn das Erzäh­len gegen Armut hilft

Lisa Höllebauer (28) ist Germanistin und Liebhaberin des Klagenfurter Bachmann-Preises. „KLiCK Kärnten“ sprach mit der Studentin über ihr Literaturprojekt „Erzählen gegen Armut“, das dem Projekt „Kinder auf der Flucht“ des SOS-Kinderdorfs zugutekommt.

Wenn das Erzäh­len gegen Armut hilft „Erzählen gegen Armut“ ist ein karitatives Literaturprojekt der 28-jährigen Lisa Höllebauer.

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Jähr­lich fin­den im Juni die „Tage der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur“ im ORF-Lan­des­stu­dio in Kla­gen­furt statt. Heu­er über­zeug­te Ana Mar­wan mit ihrem Text „Wech­sel­krö­te“ die sie­ben­köp­fi­ge Jury und erhielt den mit 25.000 Euro dotier­ten Inge­borg-Bach­mann-Preis. Im Publi­kum saß auch die lite­ra­tur­be­geis­ter­te Lisa Höl­le­bau­er und ver­folg­te das Wett­le­sen. Die 28-jäh­ri­ge Mas­ter-Stu­den­tin der Ger­ma­nis­tik an der Uni­ver­si­tät Graz kann bereits selbst auf eige­ne Lite­ra­tur­pro­jek­te zurück­bli­cken. Höl­le­bau­er rief zusam­men mit Tama­ra Mar­kel den Lite­ra­tur­wett­be­werb „Wir sind lesens­wert“ ins Leben. Und im Juni prä­sen­tier­te sie als Her­aus­ge­be­rin ihr ers­tes Buch mit dem Titel „Erzäh­len gegen Armut“. Für ihren Erzähl­band konn­te sie renom­mier­te Autoren gewin­nen, wie Vale­rie Frtisch, Lisa Kru­sche, Cle­mens J. Setz oder Bar­ba­ra Zeman. Der Erzähl­band liegt in der Biblio­thek der Arbei­ter­kam­mer in Kla­gen­furt und in der Media­thek in Völ­ker­markt zur Aus­lei­he auf.

Ihr Weg zur Ger­ma­nis­tik

Die gebür­ti­ge Stei­re­rin aus Lan­nach im Bezirk Deutsch­lands­berg absol­vier­te die HLW, ehe sie sich für das Stu­di­um „Jour­na­lis­mus & Public Rela­ti­ons“ an der Fach­hoch­schu­le zu inter­es­sie­ren begann. „Ich woll­te eigent­lich an die FH, arbei­te­te dann jedoch ein Jahr bei einer regio­na­len Zei­tung und schließ­lich vier Jah­re lang bei der Gemein­de Lan­nach“, blickt Höl­le­bau­er zurück. Erst dann ver­spür­te sie den Wunsch, ein Stu­di­um an der Uni­ver­si­tät zu begin­nen. „Damals inskri­bier­te ich mich für das Stu­di­um der Sprach­wis­sen­schaf­ten und dann kam noch Ger­ma­nis­tik hin­zu, als ich ein Prak­ti­kum am Insti­tut für Ger­ma­nis­tik machen woll­te. Bei­de Stu­di­en schloss ich mit dem Bache­lor ab“, erzählt die 28-Jäh­ri­ge, die gera­de ihren Mas­ter in Ger­ma­nis­tik macht und in einer Mode­bou­tique arbei­tet. In ihrer Mas­ter­ar­beit geht sie der Fra­ge nach, wel­che inno­va­ti­ven Lesungs­for­men im Lite­ra­tur­be­trieb exis­tie­ren.

Enga­ge­ment im Lite­ra­tur­be­trieb

Einen Groß­teil ihrer Frei­zeit wid­met sie sich begeis­tert dem Lite­ra­tur­be­trieb und ist auch dar­über hin­aus in der Lite­ra­tur­sze­ne sehr aktiv. „Wenn es die Zeit zulässt, dann bin ich wirk­lich wöchent­lich im Lite­ra­tur­haus Graz anzu­tref­fen“, lacht die 28-Jäh­ri­ge. Zur Zeit ist Höl­le­bau­er in der Pro­duk­ti­on des Pro­jekts „The lon­gest Way around. Eine Gra­zer Ody­see“ des Autoren­kol­lek­tivs „Die Platt­form“ tätig. Sie ver­an­stal­tet auch den „Wri­ters in Cli­ma­te (Cri­sis)“ — Work­shop, wo Tex­te zum The­ma „Kli­ma“ ent­ste­hen, die im Okto­ber bei einer Lesung prä­sen­tiert wer­den. Obwohl sie auch ger­ne selbst schreibt, sieht sich Höl­le­bau­er jedoch woan­ders. „Ich för­de­re lie­ber Autoren, arbei­te so ger­ne im Hin­ter­grund und ent­wick­le neue Lite­ra­tur­pro­jek­te für Men­schen“, erklärt sie. Beruf­lich befin­det sich die Stu­den­tin am Weg zu einer Lite­ra­tur- und Kul­tur­ver­mitt­le­rin, die ver­schie­de­ne Facet­ten der Lite­ra­tur zei­gen und Pro­jek­te umset­zen möch­te.

Idee hin­ter „Erzäh­len gegen Armut“

Die Idee für das Buch „Erzäh­len gegen Armut“ ent­stand im Jahr 2020 anläss­lich eines erschüt­tern­den Ereig­nis. „Die Nach­richt, die zur Jah­res­wen­de 2020/21 durch die Medi­en ging, Kin­der müss­ten sich im Flücht­lings­camp Moria davor fürch­ten, nachts von Rat­ten gebis­sen zu wer­den, erschüt­ter­ten mich neben den Bil­dern aus Moria sehr“, erzählt Höl­le­bau­er. Dar­aus ent­stand der Wunsch, mit einem Erzähl­band Spen­den für Kin­der und Jugend­li­che zu sam­meln. „Mit dem Pro­jekt waren Hochs und auch vie­le Tiefs ver­bun­den, ich unter­schätz­te das Pro­jekt auch an man­chen Stel­len. Dahin­ter steckt also jede Men­ge Arbeit, die sich am Ende mehr als aus­zahlt“, freut sich die 28-Jäh­ri­ge. Alle Ein­nah­men des Erzähl­bands flie­ßen in das Hilfs­pro­jekt „Kin­der auf der Flucht“ des SOS-Kin­der­dorfs, womit indi­vi­du­el­le Unter­stüt­zung wie Deutsch­kur­se und psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung finan­ziert wer­den.

Zwölf Autoren, zwölf Tex­te und ein Buch

Öff­nen Leser den Erzähl­band, so bli­cken sie auf eine Auf­zäh­lung von ins­ge­samt zwölf Autoren, die jeweils einen Text zum Buch zur Ver­fü­gung stell­ten. Dabei schweift der Blick auch über renom­mier­te und ange­se­he­ne Schrift­stel­ler, die weit über die Gren­zen Öster­reichs bekannt sind. „Ich war so über­rascht und ver­spür­te eine sol­che gro­ße Freu­de, als ich so ange­se­he­ne Autoren wie Cle­mens J. Setz für das Pro­jekt gewin­nen konn­te“, erzählt Höl­le­bau­er, die am Beginn damit star­te­te, Autoren über Social Media anzu­schrei­ben. Mit der Zeit erklär­ten sich zwölf Autoren bereit, einen Text zu ver­fas­sen oder bereits geschrie­be­ne Zei­len raus­zu­su­chen und Höl­le­bau­er zur Ver­öf­fent­li­chung bereit­zu­stel­len.

Im Mit­tel­punkt: Lite­ra­tur aus Öster­reich

Ihre Bezie­hung zur Lite­ra­tur bezeich­net Höl­le­bau­er als schwie­rig. „Ohne Lite­ra­tur geht es bei mir wirk­lich nicht, obwohl vie­le mei­nen, es wäre manch­mal doch gut“, lacht die Stu­den­tin. Ihre Begeis­te­rung für öster­rei­chi­sche Lite­ra­tur, an der sie die ört­li­che Nähe und das Ein­tau­chen in die­se sehr schätzt, begann sich schon in ihrer Kind­heit abzu­zeich­nen. „Ich wuchs auf einem Bau­ern­hof auf und las in der Kind­heit alles, was ich daheim fin­den konn­te. Dann führ­te mich der Weg schnell zur Biblio­thek“, erin­nert sich Höl­le­bau­er. Zu ihren Lieb­lings­au­toren zäh­len neben Cle­mens J. Setz und Moni­ka Hel­fer auch der deutsch-bos­ni­sche Autor Saša Sta­nišić. Sie lässt sich aber auch von neu­en Autoren ger­ne über­ra­schen. „Wenn Jugend­li­che den Weg zu ernst­haf­ter Lite­ra­tur fin­den möch­ten, dann kann ich ihnen das ‚Tage­buch der Anne Frank‘ ans Herz legen“, sagt die 28-Jäh­ri­ge.

Regel­mä­ßig in Kärn­ten

Im Win­ter kommt Höl­le­bau­er regel­mä­ßig ins Lavant­tal auf das Klippitz­törl zum Schi­fah­ren. Auch Ver­wand­te hat sie in Kärn­ten, ihre Tan­te kommt aus Bad St. Leon­hard. „Heu­er war ich schon öfter als gewöhn­lich in Kärn­ten. Ich lie­be dort neben dem Klippitz­törl auch das Loret­to-Bad in Kla­gen­furt“, sagt sie. Weil ihr Freund aus Tirol kommt, ist bei der Durch­rei­se nach Lienz stets ein Halt am Kla­gen­fur­ter Bahn­hof ein­ge­plant. „Dort habe ich die Bäcke­rei und ihre Mehl­spei­sen sehr gut in Erin­ne­rung“, schmun­zelt Höl­le­bau­er. In Zukunft wür­de sie sich dar­über freu­en, wenn sie auch in Kärn­ten Lesun­gen ver­an­stal­ten könn­te.

Stel­len­wert von Kul­tur

Wäh­rend bei ihr in nächs­ter Zeit das Wei­ter­ar­bei­ten an der Abschluss­ar­beit ansteht, erhält Höl­le­bau­er zusam­men mit Lisa Schantl ein Sti­pen­di­um vom „Kunst­raum Stei­er­mark“. Damit kann eine geeig­ne­te Räum­lich­keit für zwei Jah­re für die Kul­tur­ar­beit genutzt wer­den. Jun­gen Men­schen rät Höl­le­bau­er, sich nicht von Ent­täu­schun­gen und Nie­der­la­gen unter­krie­gen zu las­sen. „Mutig und hart­nä­ckig zu sein, sich aus­zu­pro­bie­ren und an Träu­me fest­zu­hal­ten – das möch­te ich ger­ne wei­ter­ge­ben“, sagt die 28-Jäh­ri­ge. Im „KLiCK Kärnten“-Gespräch lässt Höl­le­bau­er auch mit einem Appell auf­hor­chen: „Mit mei­ner Arbeit möch­te ich auch zei­gen, wie wich­tig Kul­tur ist und das sie imstan­de ist, neue Per­spek­ti­ven zu eröff­nen. Vor allem geht es dar­um, Kul­tur bewusst zu kon­su­mie­ren.“

 

27.08.2022 13:50
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Wenn das Erzäh­len gegen Armut hilft „Erzählen gegen Armut“ ist ein karitatives Literaturprojekt der 28-jährigen Lisa Höllebauer.

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