Airport Klagenfurt

Flug­ha­fen: KBV-Kla­ge spal­tet die Lan­des­po­li­tik

Die Kärntner Beteiligungsverwaltung (KBV) brachte gegen Flughafen-Mehrheitseigentümer „Lilihill“ eine Klage wegen des Flughafen-Pachtvertrags ein. Für Beteiligungsreferent Martin Gruber ist diese Klage „ein Weg, sich zu wehren“, für Landeshauptmann-Sprecher Andreas Schäfermeier ein Vorgehen, „dass uns in der Frage einer gemeinsamen Zukunft des Flughafens nicht wirklich weiterbringt“. Alle Stimmen im „KLiCK Kärnten“-Überblick.

Flug­ha­fen: KBV-Kla­ge spal­tet die Lan­des­po­li­tik Nächstes Kapitel in der unendlichen Geschichte „Klagenfurter Flughafen“

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Nächs­tes Kapi­tel in der unend­li­chen Geschich­te „Kla­gen­fur­ter Flug­ha­fen“: Die Kärnt­ner Betei­li­gungs­ver­wal­tung (KBV), die den Anteil des Lan­des Kärn­ten am Flug­ha­fen (20,08 Pro­zent) ver­wal­tet, brach­te gegen Mehr­heits­ei­gen­tü­mer „Lilihill“ beim Lan­des­ge­richt Kla­gen­furt eine Kla­ge wegen des Flug­ha­fen-Pacht­ver­trags ein.

Betei­li­gungs­re­fe­rent begrüßt Kla­ge

In einer Pres­se­aus­sendung mel­de­te sich ges­tern der zustän­di­ge Lan­des­rat Mar­tin Gru­ber (ÖVP), Betei­li­gungs­re­fe­rent des Lan­des Kärn­ten, zu Wort: „Es ist bedau­er­lich, dass der Mehr­heits­ei­gen­tü­mer nach mona­te­lan­gen Gesprä­chen wei­ter­hin nicht bereit ist, die­sen Nacht-und-Nebel-Pacht­ver­trag zurück­zu­neh­men. Denn es herrscht zwi­schen Land Kärn­ten und Stadt Kla­gen­furt abso­lu­te Einig­keit dar­über, dass genau das die Vor­aus­set­zung für jeg­li­che wei­te­re Ver­hand­lun­gen ist.“ Gru­ber erin­nert dar­an, dass die­ser Ver­trag mehr als 130 Hekt­ar Grund­stü­cke der öffent­li­chen Hand für über 20 Jah­re ent­zieht und an „Lilihill“-Firmen ver­pach­tet. Als Lan­des­auf­sicht sieht Gru­ber für die KBV nur den Weg, sich dage­gen mit­tels Kla­ge zu weh­ren.

Reak­ti­on aus dem Lan­des­haupt­mann-Büro

Der Koali­ti­ons­part­ner SPÖ beur­teilt die Ent­schei­dung von KBV-Vor­stand Mar­tin Pay­er jedoch mehr als kri­tisch. Andre­as Schä­fer­mei­er, Pres­se­spre­cher von Lan­des­haupt­mann Peter Kai­ser, teilt mit: „So kom­men wir in der Fra­ge einer gemein­sa­men Zukunft des Flug­ha­fens nicht wirk­lich wei­ter. Es ist bemer­kens­wert und bedau­er­lich glei­cher­ma­ßen, von die­sem unko­or­di­nier­ten Allein­gang des KBV-Vor­stands aus den Medi­en zu erfah­ren. Die­se Vor­gangs­wei­se erleich­tert die lau­fen­den von Lan­des­haupt­mann Kai­ser ange­streng­ten, lösungs­ori­en­tier­ten Gesprä­che zwi­schen den Flug­ha­fen­part­nern Land, Stadt und Mehr­heits­ei­gen­tü­mer natür­lich nicht.“ Sie kann, so Schä­fer­mei­er, zum jet­zi­gen Zeit­punkt der lau­fen­den Gesprä­che auch kaum im Inter­es­se von Betei­li­gungs­re­fe­ren­ten Lan­des­rat Gru­ber sein. „Voraus­ge­setzt er ist tat­säch­lich an einer gemein­sa­men Lösung und an einer Zukunft des Kärnt­ner Flug­ha­fens inter­es­siert. Immer­hin wur­de mit ihm sowie den Ver­tre­tern der Stadt Kla­gen­furt und dem Inves­tor ver­ein­bart, bis Sep­tem­ber zu einem gemein­sa­men Ergeb­nis zu kom­men, das Mög­lich­kei­ten eröff­net, den Flug­ha­fen unter Wah­rung der Inter­es­sen der öffent­li­chen Hand in eine posi­ti­ve Zukunft mit gesi­cher­tem Flug­ver­kehr zu füh­ren. Aus unse­rer Sicht ist jeden­falls wei­ter­hin alles in die­se Rich­tung zu unter­neh­men“, betont Schä­fer­mei­er.

Lan­des­rat Gru­ber ent­geg­net: „Wenn ein Inves­tor sich das, was er will, ein­fach nimmt, dann läu­ten bei mir die Alarm­glo­cken. Daher ist es aus mei­ner Sicht rich­tig, wert­vol­le Grund­stü­cke, die auch den Kärnt­nern gehö­ren, gericht­lich zu ver­tei­di­gen.“

Reak­ti­on Mehr­heits­ei­gen­tü­mer „Lilihill“

Mehr­heits­ei­gen­tü­mer „Lilihill“ spricht in einer Pres­se­aus­sendung von heu­te Mor­gen von einer „Zer­stö­rungs­wut, die Kon­se­quen­zen haben muss“. Wört­lich: „Wäh­rend ‚Lilihill‘ sich in lösungs­ori­en­tier­ten Ver­hand­lun­gen mit der Kärnt­ner Lan­des­re­gie­rung befin­det, wer­den genau die­se Gesprä­che durch die Ankün­di­gung einer Kla­ge gegen ‚Lilihill‘ und die Kärnt­ner Flug­ha­fen­be­triebs­ge­sell­schaft tor­pe­diert. Dies nur weni­ge Tage vor der nächs­ten Gesprächs­run­de und hin­ter dem Rücken des Lan­des­haupt­manns. Eine der­ar­ti­ge Vor­gangs­wei­se ist bei­spiel­los in der Geschich­te Kärn­tens, scha­det mas­siv dem Flug­ha­fen sowie dem Land Kärn­ten und darf nicht kon­se­quenz­los blei­ben.“ Der Mehr­heits­ei­gen­tü­mer (74,9 Pro­zent) appel­liert in der Pres­se­aus­sendung an alle Kräf­te, die Exis­tenz des Air­ports Kla­gen­furt nicht wei­ter fahr­läs­sig aufs Spiel zu set­zen.

„Lilihill“ sieht der Kla­ge gelas­sen ent­ge­gen und kün­digt an, auch die nächs­te Gesprächs­run­de mit den Spit­zen­ver­tre­tern des Lan­des wahr­neh­men: „Es muss dabei jedoch klar­ge­stellt wer­den, dass die­se Kla­ge nicht der Inten­ti­on des Lan­des Kärn­ten ent­spricht und auch sämt­li­chen Ver­ein­ba­run­gen zuwi­der­läuft, die die­ser Ver­hand­lung zugrun­de lie­gen.“ Es sei extrem bedau­er­lich, dass durch Allein­gän­ge der KBV ohne Wis­sen und Bil­li­gung des Lan­des­haupt­manns sowohl dem Air­port Kla­gen­furt als auch dem gesam­ten Wirt­schafs­stand­ort Kärn­ten schwe­rer Scha­den zuge­fügt wird.

Reak­ti­on FPÖ Kärn­ten

FPÖ-Lan­des­par­tei­ob­mann Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ter Erwin Ange­rer ortet in einer Stel­lung­nah­me ein Cha­os in der Lan­des­re­gie­rung: „Das bei­spiel­lo­se Cha­os in der SPÖ-ÖVP-Lan­des­re­gie­rung zum Scha­den des Kla­gen­fur­ter Flug­ha­fens und des Lan­des Kärn­ten geht wei­ter. Es ist lei­der der trau­ri­ge Beweis für die Unfä­hig­keit die­ser Koali­ti­on, wenn die lin­ke Hand nicht weiß, was die rech­te Hand tut. Offen­sicht­lich hat auch SPÖ-Lan­des­haupt­mann Peter Kai­ser sei­nen Laden nicht im Griff, wenn er aus den Medi­en von einer Kla­ge der eige­nen Lan­des­ge­sell­schaft KBV gegen den Flug­ha­fen-Mehr­heits­ei­gen­tü­mer erfah­ren muss.“ Sein Koali­ti­ons­part­ner ÖVP-Lan­des­rat Gru­ber war, so Ange­rer, hin­ge­gen ein­ge­weiht, aber fand es nicht der Mühe wert, den Lan­des­haupt­mann zu infor­mie­ren.

Angerers Schluss­fol­ge­rung: „Es rächt sich nun, dass Lan­des­haupt­mann Kai­ser unse­rer For­de­rung, die Flug­ha­fen-Kom­pe­ten­zen von Lan­des­rat Gru­ber zu über­neh­men, nicht nach­ge­kom­men ist. Er könn­te jeder­zeit Gru­ber die Zustän­dig­keit für den Flug­ha­fen ent­zie­hen und selbst über­neh­men. Der mona­te­lan­ge Flug­ha­fen-Streit zwi­schen SPÖ und ÖVP zu Las­ten des Wirt­schafts- und Tou­ris­mus­stand­orts Kärn­ten ohne einen Plan B hat bereits genug Scha­den ange­rich­tet.“

Reak­ti­on „Team Kärn­ten“

Auch die Oppo­si­ti­on im Kärnt­ner Land­tag mel­de­te sich in einer Aus­sendung zu Wort. Den „nächs­ten Akt im Flug­ha­fen-Dra­ma“ sieht Ger­hard Köfer (Team Kärn­ten) in der von der Kärnt­ner Betei­li­gungs­ver­wal­tung ein­ge­reich­ten Kla­ge bezüg­lich der Flug­ha­fen-Pacht­ver­trä­ge: „Wir haben bereits vor Wochen vor­ge­schla­gen, die Rück­nah­me der Ver­pach­tung außer­ge­richt­lich vor­zu­neh­men und hier gemein­schaft­lich ande­re Lösun­gen anzu­stre­ben. Es ist frag­lich, ob sich dau­er­haf­te Gerichts­pro­zes­se wirk­lich posi­tiv auf die wei­te­ren Ver­hand­lun­gen zwi­schen Land, Stadt, Betei­li­gungs­ver­wal­tung und Flug­ha­fen-Mehr­heits­ei­gen­tü­mer aus­wir­ken wer­den. Zudem sind bereits bis jetzt hor­ren­de Kos­ten ent­stan­den.“

Die neue Kla­ge wür­de gemein­sa­me Lösungs­fin­dun­gen wahr­schein­lich aber­mals erschwe­ren, meint Köfer. Er for­dert bei den wei­te­ren Gesprä­chen völ­li­ge Trans­pa­renz ein und ver­langt zudem wei­ter, die Call-Opti­on in zukünf­ti­gen Ver­trä­gen als essen­zi­el­le Klau­sel bestehen zu las­sen: „Die­se soll als Sicher­heits­netz für die öffent­li­che Hand jeden­falls bei­be­hal­ten wer­den.“

Reak­ti­on „Die Grü­nen“

„Ich ver­ste­he nicht, war­um man so lan­ge gewar­tet hat – Mona­te sind ungenützt ver­stri­chen. Umso mehr begrüße ich, dass der Schritt jetzt gesetzt wur­de. Es darf kei­ne Immo­bi­li­en­spe­ku­la­ti­on mit dem Tafel­sil­ber Kärntens geben“, kom­men­tiert Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Olga Vog­lau­er, Lan­des­spre­che­rin der Grünen in Kärnten, die Ange­le­gen­heit.

Den Unmut und Zwist, den das Vor­ge­hen in der Kärntner Regie­rungs­ko­ali­ti­on ver­ur­sacht, kann sie nicht nach­voll­zie­hen, genau­so wenig das Agie­ren der betei­lig­ten Per­so­nen. „Wie­so schickt der Lan­des­haupt­mann schon wie­der sei­nen Pres­se­spre­cher vor, um sich zum Flug­ha­fen zu Wort zu mel­den? Ich erwar­te mir, vor allem in die­ser für Kärnten so wich­ti­gen Ange­le­gen­heit, dass sich die poli­ti­schen Funktionsträger zu Wort mel­den und nicht deren Mit­ar­bei­ter“, stellt Vog­lau­er klar.

23.08.2022 08:45 - Update am: 23.08.2022 11:52
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