Reaktionen aus Kärnten
Tag der Pflege oder Tag der leeren Versprechungen?
Wie ist es um die Pflege in Kärnten und Österreich tatsächlich bestellt? Der heutige internationale Tag der Pflege (12. Mai) ruft zahlreiche Wortmeldungen hervor. „KLiCK Kärnten“ fasst sie im Überblick zusammen.
© Zentralbetriebsrat
Ronald Rabitsch (Zentralbetriebsrat)
„Tausend Presseaussendungen am Tag der Pflege, tausend Versprechungen von Seiten aller politischer Parteien, tausend Mal haben die Kollegen in den Gesundheitsberufen das alles bereits seit Jahrzehnten gehört und gelesen“, findet Ronald Rabitsch, Vorsitzender des Zentralbetriebsrats der Landeskrankenanstalten und Vorsitzender der Gesundheitsgewerkschaft in Kärnten, klare Worte. Er fordert: „Anstatt ermüdender Lippenbekenntnisse, Lobreden und Heldenstatus muss es endlich Maßnahmen geben, um den Pflegeberuf nachhaltig attraktiv zu gestalten. Es gibt seit Jahren Vorschläge von zahlreichen Experten, Gewerkschaftern und Betriebsräten. Es fehlt offensichtlich nur der Wille der politischen Parteien, diese auch umzusetzen.“ Sollte sich daran nichts ändern, hat er einen Vorschlag: „Den Tag der Pflege in den Tag der leeren Versprechungen umzubenennen.“
Beate Prettner (SPÖ)
Landeshauptmann-Stellvertreterin und Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) richtet einen Appell an die Bundesregierung, (endlich) von der Ankündigungs- zur Umsetzungspolitik zu kommen: „Ich erinnere an die Ausbildungsoffensive, die seit drei Jahren angekündigt wird. Ich erinnere an die Pflegereform, die seit zwei Jahren diskutiert wird. Ich erinnere an den Pakt gegen die Einsamkeit, der seit einem Jahr propagiert wird.“
Kärnten orientiert sich bei den Pflegemaßnahmen, so Prettner, am Bedarfs- und Entwicklungsplan „Pflege 2030“. Dabei verfolgt das Land Kärnten vier zentrale Ziele: „Für jede Stufe der Pflegebedürftigkeit das richtige Angebot zu schaffen, die Betreuung in den eigenen vier Wänden zu erleichtern, pflegende Angehörige zu unterstützen und Pflege-Mitarbeiter zu stärken“, fasst Prettner zusammen. Die Pflege steht und fällt, betont sie, mit bestens ausgebildetem Personal, weshalb das Land 2018 eine Ausbildungsoffensive startete. Mit dem Ziel, die Zahl der Absolventen bis Ende 2022 zu verdoppeln. Aktuell befinden sich rund 600 Schülerinnen in Ausbildung.
Silvia Häusl-Benz (ÖVP)
Für die ÖVP meldet sich Landtagsabgeordnete und Sozialsprecherin Silvia Häusl-Benz zu Wort: „Es wird höchste Zeit, dass wir die Sorgen und Wünsche des Pflegepersonals in Kärnten endlich ernst nehmen und auch handeln. Wir lösen die Probleme allerdings nicht, indem wir wahllos und ungebremst Geld in das System werfen. Allein durch höhere Gehälter wird die Überlastung von Pflegerinnen und Pflegern für eine Zeit erträglicher, eine dauerhafte Lösung kann dies aber nicht sein.“ Für ein zukunftsfähiges System müssen wir, so Häusl-Benz, an vielen Schrauben drehen – von der Forcierung der Pflege zu Hause, über eine Ausbildungsoffensive bis zur Arbeitsstiftung für Umsteiger.
Auch dem Koalitionspartner SPÖ hat sie etwas auszurichten: „In der derzeitigen Pandemie hat die Gesundheitsreferentin klare Prioritäten im Gesundheitswesen zu erledigen. Das verstehe ich, aber: Die Pflege liegt in klarer Kompetenz des Landes Kärnten. Die Verantwortung für ein funktionierendes und auch für Mitarbeiter attraktives System stets auf den Bund abzuwälzen, könnte man als Hilferuf verstehen.“
Harald Trettenbrein (FPÖ)
FPÖ-Landtagsabgeordneter und Sozialsprecher Harald Trettenbrein verweist auf den Mangel an Pflegekräften. Der einzige (langfristige) Lösungsansatz liege darin, die Pflege-Ausbildung attraktiver zu machen und damit mehr Interessierte für diesen Fürsorgeberuf zu finden. Im Landtag liegen dazu seit Jahren, so Trettenbrein, Anträge der FPÖ: „Wir verlangen seit 2019 eine Erhöhung der Taschengelder in den landeseigenen Pflegeausbildungsstätten und eine Abschaffung von Schulgeldern. Fachsozialbetreuer und Pflegeassistenten müssen in den Schulen der Caritas und Diakonie immer noch Schulgeld bezahlen. Das ist absurd. Wir brauchen die Fachkräfte, aber das Land erschwert die Ausbildung, weil die Schulen zu wenig unterstützt werden.“
Gerhard Köfer (Team Kärnten)
Auch Gerhard Köfer (Team Kärnten) erhebt eine Fülle an Forderungen: „Ein großes Problem ist die viel zu geringe Entlohnung der Pflegekräfte, die im krassen Widerspruch zu deren erbrachten Leistungen steht. Es muss an der Gehaltsschraube gedreht werden, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen.“ Bezüglich des drohenden und sich bereits abzeichnenden Personalmangels im Pflegebereich merkt er an, dass es sich rächt, dass die Koalition der Forderung des Teams Kärnten nach einer Pflegelehre nicht nachgekommen ist: „Wir werden es unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht schaffen, die aufgrund der Überalterung der Gesellschaft notwendigen zusätzlichen Kräfte zu bekommen. Es droht ein Super-Gau. Viel zu wenige junge Menschen streben einen Job im Pflegebereich an.“
Markus Unterdorfer-Morgenstern (Neos)
Neos-Landessprecher Markus Unterdorfer-Morgenstern betont anlässlich des internationalen Tags der Pflege: „Es reicht nicht aus, wenn in der Pandemie für die Helden des Alltages geklatscht wird. Wie so oft angekündigt müssen sich die Arbeitsverhältnisse für Beschäftigte in den Sozialbereichen endlich verbessern.“ Er fügt hinzu: „Seit Beginn der Pandemie haben sich immer mehr Systemfehler in Österreich offenbart. Eine besonders brisante Situation zeigt sich dabei im Gesundheitsbereich, denn seit Jahren fordern Beschäftigte in der Pflege und den Sozialbereichen bessere Arbeitsbedingungen.“
Caritas Kärnten
Anlässlich des internationalen Tags der Pflege stellt die Caritas Kärnten ihre Tätigkeit für alte, kranke sowie pflegebedürftige Menschen in den Fokus und appelliert angesichts des Pflegekräfte-Mangels an die Politik, mit neuen Modellen den Zugang und Umstieg in diesen vielfältigen wie erfüllenden Beruf zu ermöglichen.
