Berufswechsel

Vom Top-Mana­ger zum Boots­bau­er

Kurt Steiner aus Maria Saal beendet mit 60 Jahren seine Karriere, um sich selbstständig zu machen. In den Jahren bis zur Pension will er nur mehr das tun, wofür er brennt: Holzboote bauen.

Vom Top-Mana­ger zum Boots­bau­er Hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Kurt Steiner baut in seiner Werkstatt bei Maria Saal Holzboote.

© privat (6) & Margit Dietrich (1)

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Drei Boo­te in zwei Jah­ren. In die­sem Tem­po kommt Kurt Stei­ner vor­wärts. Das ist nicht schnell. Aber dar­auf kommt es nicht an. Die nächs­te Fra­ge, die sich stellt: Kann er davon leben? „Nicht gut, aber es geht sich aus. Einem jun­gen Men­schen wür­de ich aller­dings nicht emp­feh­len, sich damit selbst­stän­dig zu machen.“ Abseits des finan­zi­el­len The­mas ist der Berufs­wech­sel ein enor­mer Gewinn für Kurt Stei­ner: Er übt den Beruf aus, der ihn mit Freu­de und Lei­den­schaft erfüllt.

All­roun­der auf fla­chem Was­ser

In sei­ner Werk­statt in Arn­dorf stellt er Dories her. Das sind schlan­ke und sehr leich­te Holz­boo­te nach den Ent­wür­fen des fran­zö­si­schen Boots­kon­struk­teurs Fran­çois Vivier: Eine Dory ist fünf Meter lang, 120 Kilo­gramm leicht, für drei Per­so­nen zuge­las­sen und kann in fla­chem, schma­lem Fahr­was­ser exzel­lent geru­dert oder gescullt und bin­nen weni­ger Sekun­den bei gutem Wind mit auf­ge­ta­kel­tem Lug­ger­rigg flott gese­gelt wer­den. Dories sind rich­ti­ge „Wan­der­boo­te“ – Kurt Stei­ner fin­det die­se Bezeich­nung für sei­ne Boo­te vor­treff­lich. „Das Boot hängst du dir ein­fach ans Auto und fährst damit ans Meer oder an den See. Dort glei­tet es vom Trai­ler rein ins Was­ser und los geht’s!“

Inter­na­tio­na­le Kun­den

Die drei Boo­te, die sei­ne Werk­statt seit sei­nem beruf­li­chen Umstieg vom gestress­ten Top-Mana­ger der Holz­in­dus­trie zum lei­den­schaft­li­chen Boots­bau­er ver­las­sen haben, sind am Neu­sied­ler See und in den Grach­ten Bel­gi­ens unter­wegs. Über das Inter­net hat der 60-Jäh­ri­ge in kur­zer Zeit eine begeis­ter­te Com­mu­ni­ty auf­ge­baut, die sein Hand­werk im All­ge­mei­nen und sei­ne prä­zi­se und hoch­wer­ti­ge Ver­ar­bei­tung im Spe­zi­el­len schätzt.

Ein Per­fek­tio­nist in der Werk­statt

Aus sehr leich­tem Oko­u­mé-Sperr­holz und hei­mi­schen Nadel­höl­zern sind die Ein­zel­tei­le gefräst, die der Boots­bau­er mit­tels Dräh­ten und Epoxid­harz mit­ein­an­der ver­bin­det. „Stitch and glue“ nennt sich die­se Tech­nik, bei der die Dräh­te am Ende wie­der ent­fernt wer­den. Im Boot­s­in­ne­ren wird das Holz beschich­tet, damit es am Ende stoß­fest ist und glänzt wie ein frisch lackier­ter Schlaf­zim­mer­bo­den. „Das muss schön sein, denn innen wohnt man“, sagt Kurt Stei­ner. Er lächelt, aber bleibt ernst. Dar­an ist zu erken­nen, dass ihm wirk­lich viel dar­an liegt – an sei­nem Hand­werk und an sei­nen Boo­ten, und über­haupt am Leben mit Wind und Was­ser.

Liebs­tes Tem­po? Wind­ge­schwin­dig­keit!

Schon in jun­gen Jah­ren hat er Holz­boo­te restau­riert und Eis­seg­ler gebaut. Kurt Stei­ner war knapp dar­an, selbst öster­rei­chi­scher Meis­ter im Eis­se­geln zu wer­den, als ihm ein Unfall und dann ein ver­füh­re­risch guter Job und sei­ne bei­den Kin­der „dazwi­schen­ka­men“. „Eis­se­geln ist ein sehr zeit­auf­wän­di­ger Sport – ich war viel unter­wegs, um zu einem gefro­re­nen See zu kom­men, wo dann auch die Wind­stär­ke pas­sen muss­te.“ Bald hat sich Kurt Stei­ner in sei­ner Frei­zeit auf den Boots­bau kon­zen­triert. Eines sei­ner High­lights ist die „Stir Ven 22“, mit der er regel­mä­ßig am Wör­ther­see segelt.

„Ab-Hof-Ver­kauf“

Vor zwei Jah­ren folg­te dann end­gül­tig der Ent­schluss, sich selbst­stän­dig zu machen: „Auf­bau­end auf mei­ne jahr­zehn­te­lan­ge Erfah­rung woll­te ich nur mehr das tun, was mir Spaß macht – näm­lich Holz­boo­te bau­en.“ Er fährt auch lei­den­schaft­lich ger­ne damit: „Ich steh‘ auf Küs­ten­land­schaf­ten mit Strän­den und Kanä­len.“ Sein Ide­al­sze­na­rio für einen Tag mit dem Wan­der­boot: „In der Lagu­ne von Gra­do bei leich­ter Bora hin­un­ter­se­geln, dann wie­der auf­kreu­zen, mit guter Kühl­box an Bord“, schwärmt Kurt Stei­ner. Die Sache hat nur einen Haken: Er selbst besitzt kei­ne „Dory“. Sei­ne exklu­si­ven Holz­boo­te sind mitt­ler­wei­le so begehrt und bekannt, dass sie ihm sprich­wört­lich aus den Hän­den geris­sen wer­den, wäh­rend er in sei­ner Werk­statt in Arn­dorf noch die letz­ten Tei­le anpasst und mon­tiert.

 

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04.09.2022 07:30
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Vom Top-Mana­ger zum Boots­bau­er Hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Kurt Steiner baut in seiner Werkstatt bei Maria Saal Holzboote.

© privat (6) & Margit Dietrich (1)