Weltsuizid-Präventionstag

Tele­fon-Seel­sor­ge gefrag­ter denn je

Am heutigen Welttag der Suizidprävention (10. September) ruft die Caritas Kärnten ihre Telefon-Seelsorge, die im Oktober ihr 45-Jahr-Jubiläum feiert, in Erinnerung.

Tele­fon-Seel­sor­ge gefrag­ter denn je Barbara Ogris, Leiterin der Telefon-Seelsorge der Caritas Kärnten

© Daniel Gollner

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„Ich habe dunk­le Gedan­ken, ich mag nicht mehr!“ Mit die­sen und ähn­li­chen Aus­sa­gen ist  Bar­ba­ra Ogris als Lei­te­rin der Tele­fon-Seel­sor­ge der Cari­tas Kärn­ten stän­dig kon­fron­tiert. Wo Ver­zweif­lung und Ein­sam­keit groß sind, erscheint die Ein­rich­tung manch­mal als ein­zi­ges Fens­ter zur Welt. Die Ein­rich­tung, die im Okto­ber ihr 45-Jahr-Jubi­lä­um fei­ert, appel­liert an Men­schen mit see­li­schen Pro­ble­men, sich unter der kos­ten­lo­sen Not­ruf­num­mer 142 Hil­fe zu holen. Die Zah­len sind alar­mie­rend: Mehr als drei Mal so vie­le Men­schen star­ben im Jahr 2020 in Öster­reich durch Sui­zid als im Stra­ßen­ver­kehr.

Kos­ten­los und anony­me Bera­tung

„Wenn sich Men­schen in Kri­sen befin­den oder mit sui­zi­da­len Gedan­ken tra­gen, ist es das Wich­tigs­te, mit ihnen in Bezie­hung zu tre­ten, um eine neue Per­spek­ti­ve im Leben zu schaf­fen“, betont Ogris. Es gilt, eine Alter­na­ti­ve zum Sui­zid zu fin­den. „Eine Per­spek­ti­ve kann auch sein, noch ein­mal anzu­ru­fen“, sagt Ogris. Jedes Gespräch und jede Online-Bera­tung fin­den anonym und ver­schwie­gen statt – kos­ten­los und ohne Vor­anmel­dung.

Mehr Bedarf durch Kri­sen

Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne bevor­zu­gen die digi­ta­le Bera­tung: Hier hat­ten in Kärn­ten bis Anfang August 2022 knapp 24 Pro­zent der Hil­fe­su­chen­den Sui­zid und aku­te Kri­sen zum The­ma. Ein trau­ri­ger Trend, der seit Pan­de­mie, Ukrai­ne-Krieg und Kli­ma-Kri­se ver­stärkt wur­de.

Hil­fe in allen Lebens­la­gen

Das Team der Tele­fon-Seel­sor­ge hat für Men­schen, denen der Druck zu groß wird, ein offe­nes Ohr. Die Grün­de, war­um sich Betrof­fe­ne an die Ein­rich­tung wen­den, sind viel­schich­tig: Sie rei­chen von Kri­sen im Zusam­men­hang mit (psy­chi­scher) Krank­heit, Ein­sam­keit und Bezie­hungs­pro­ble­men bis hin zu Job­ver­lust und finan­zi­el­len Not­si­tua­tio­nen.

Digi­ta­li­sie­rung und Kom­ple­xi­tät

Die Digi­ta­li­sie­rung und die Kom­ple­xi­tät der Zeit ver­än­der­ten das Ver­hal­ten der Gesell­schaft in den ver­gan­ge­nen 45 Jah­ren. „Unge­bro­chen ist aber der Bedarf an Kon­takt und Aus­tausch mit einem ande­ren Men­schen“, schil­dert Ogris. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren und Mona­ten mach­ten vor allem Coro­na und die damit ver­bun­de­nen Unsi­cher­hei­ten und Sor­gen, Ängs­te vor dem Ukrai­ne-Krieg und die erhöh­ten Lebens­kos­ten den Men­schen zu schaf­fen. Aktu­ell sind rund 90 vor­wie­gend frei­wil­li­ge und gut aus­ge­bil­de­te Mit­ar­bei­ter sowie psy­cho­lo­gisch und psy­cho­so­zi­al aus­ge­bil­de­te haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter in der Tele­fon-Seel­sor­ge rund um die Uhr unter der Not­ruf­num­mer 142 für die Hil­fe­su­chen­den da. Ein stun­den­wei­ses Ange­bot, wie es in den Anfangs­jah­ren der Fall war, wäre heu­te undenk­bar.

Online-Tipps

Wis­sens­wert

Am 24. Okto­ber 1977 läu­te­te das Tele­fon der Tele­fon-Seel­sor­ge zum ers­ten Mal. Mitt­ler­wei­le blickt die Tele­fon-Seel­sor­ge auf 332.093 Gesprä­che (Stand: 1. Sep­tem­ber 2022) und 2.985 Online-Bera­tun­gen (2.302 Mail-Bera­tun­gen, 190 buch­ba­re Chats und 493 Sofort-Chats) von 2012 bis Anfang August 2022 zurück: Ten­denz stei­gend. Der ste­ti­ge Anstieg der Anfra­gen unter­mau­ert den Bedarf und zeigt ganz deut­lich, wie wich­tig und wert­voll die Arbeit der „Tele­fon-Seel­sor­ge Kärn­ten“ ist und auch in Zukunft sein wird.

10.09.2022 16:50
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Tele­fon-Seel­sor­ge gefrag­ter denn je Barbara Ogris, Leiterin der Telefon-Seelsorge der Caritas Kärnten

© Daniel Gollner