Testbetrieb
Erster Wasserstoff-Bus in Kärnten auf dem Prüfstand
In Kärnten wird derzeit ein mit Wasserstoff betriebener Bus im Linienbetrieb getestet. Ab 2023 ist ein Dauereinsatz geplant. Infineon produziert ab 2022 grünen Wasserstoff, wenn alles nach Plan läuft. Dieser soll dann gleich zweifach genutzt werden.
© Büro LR Schuschnig
Grüner Wasserstoff ist eine der Zukunftstechnologien, auf die Kärnten setzt. Daher gibt es eine Wasserstoff-Strategie: Mit Partnern aus der Wirtschaft – konkret Infineon, Postbus, OMV, Linde Gas und weiteren Partnern – soll grüner Wasserstoff in Kärnten produziert werden. Das Projekt nennt sich “H2Carinthia”. Nach einer industriellen Nutzung soll der Wasserstoff noch ein zweites Mal genutzt werden können – für die Mobilität als Treibstoff. Es wird an einem in Europa neuen Aufreinigungsverfahren gearbeitet.
Vorteile im Busverkehr
“Nachhaltig produzierter Wasserstoff bietet uns die Chance, Mobilität und Industrie zu ökologisieren und auch wirtschaftlich als Region zu profitieren. Wir machen Kärnten schrittweise zu einer Modellregion, denn Klimaschutz funktioniert am besten durch Innovation. Besonders im Busverkehr hat Wasserstoff durchaus Vorteile”, ist Landesrat Sebastian Schuschnig überzeugt.
Wasserstoff-Bus in der Region Villach
Derzeit wird ein Wasserstoff-Bus im Linienverkehr getestet – noch bis Ende Mai in der Region Villach. Bis 28. Mai fährt der zwölf Meter lange “Solaris urbino 12 hydrogen”. Betankt wird er – derzeit noch – mittels mobiler Wasserstoff-Tankstelle, die extra nach Kärnten geliefert wurde. Erste Test-Ergebnisse sind vielversprechend: Der Bus wird täglich mit 37 Kilo Wasserstoff befüllt, was zehn Minuten dauert. Damit fährt er bis zu 350 Kilometer. Schuschnig: “Wir arbeiten mit den Partnern intensiv daran, dass schon 2023 die ersten Busse im Dauerbetrieb eingesetzt werden. Bereits zuvor soll die erste Wasserstoff-Tankstelle in Kärnten errichtet werden.”
Emissionsfrei
Das gesamte Projekt “H2Carinthia” wird von der HyCentA Research GmbH wissenschaftlich begleitet. Geschäftsführer Alexander Trattner über Zukunftsmusik, die gar nicht so weit entfernt ist: “Wasserstoff-Brennstoffzellenbusse haben eine hohe technische Reife erlangt und ermöglichen im öffentlichen Verkehr eine Flexibilität und Reichweite wie Dieselbusse bei doppelter Effizienz und vollständiger lokaler Emissionsfreiheit. Wasserstoff ist ein sicherer und effizienter Kraftstoff, der aus verschiedenen erneuerbaren Quellen herstellbar ist. Die Besonderheit des H2Carinthia-Projektes ist die Aufbereitung und Wiederverwertung des Wasserstoffs aus dem Industrieprozess für den Einsatz in der Mobilität.” Dafür will Schuschnig auch das Klima-Ministerium gewinnen – es geht um Bundesmittel und EU-Gelder für Kärnten.
Stimmen der Partner
Beim heutigen Pressegespräch waren auch die Partner anwesend. Ihre Statements zum Projekt:
Thomas Reisinger, Vorstand für Operations bei Infineon Technologies Austria AG: “Die Vorbereitungen für die Produktion von grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen am Infineon-Standort Villach laufen nach Plan. Wir werden die Wasserstoff-Anlage aus heutiger Sicht Anfang 2022 in Betrieb nehmen. Wir begrüßen im Sinne einer intelligenten Kreislaufwirtschaft sehr, dass sich die Pläne, den grünen Wasserstoff nach dem Einsatz in der Chip-Produktion im öffentlichen Busverkehr zu nutzen, nun konkretisieren. Bei einer Menge von rund 300 Kilogramm auf gereinigtem grünen Wasserstoff täglich können rund 1,5 Millionen Buskilometer jährlich klimaneutral betrieben werden, das entspricht in etwa den Buskilometern, die in der Stadt Villach in zwei Jahren zurückgelegt werden.”
Silvia Kaupa-Götzl, Vorständin der Österreichische Postbus AG: “Postbus ist es als größtes Busunternehmen Österreichs ein zentrales Anliegen, alternative Antriebstechnologien wie Wasserstoffbusse und E‑Busse zu erproben. Und Postbus ist jedenfalls bereit für den Einsatz von vielen emissionsfreien Bussen auf Österreichs Straßen.”
Villachs Bürgermeister Günther Albel: “Wir haben zuletzt mehr als eine Million Euro in den Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur gesteckt, einen elektrisch betriebenen E‑Citybus installiert, 25.000 Villacherinnen und Villacher mit Taktbuslinien versorgt, mit den ÖBB um mehr als eine Million Euro eine Stadtbahnstation in Landskron gebaut und Sharing-Modelle gefördert. Noch nie war in der Villacher Verkehrsfrage so viel Bewegung. Wasserstoff-Busse sind ein höchst willkommener weiterer Schritt.”
Anna Mejer, General Managerin bei Solaris: “Somit können die Busbetreiber die Busse mit den konventionellen Antrieben eins zu eins gegen die wasserstoffbetriebenen Buse ersetzen, d. h. es müssen keine zusätzlichen Fahrzeuge beschaffen werden und die bestehenden Fahrpläne können erhalten werden.”
Sorin Ivanovici, Projektverantwortlicher bei OMV: “Grüner Wasserstoff hat das Potenzial, den Schwerlast- und den öffentlichen Verkehrssektor zu dekarbonisieren und bietet unseren Kundinnen und Kunden Zugang zu einer vollständig emissionsfreien Technologie mit vergleichbaren Tankzeiten, Reichweiten und potenziellen Gesamtbetriebskosten zu den heute eingesetzten Fahrzeugen.”
Andreas X. Müller, Geschäftsführer Linde Gas GmbH: “Wasserstoff ist seit mehr als 100 Jahren Teil der Linde-DNA – wir sind führend in der Entwicklung der Wasserstofftechnologie und decken als einziges Unternehmen weltweit die komplette Wertschöpfungskette von der Produktion und Aufbereitung über die Distribution und Speicherung bis hin zu täglichen Anwendungen für Industrie und Verbraucher ab.”