Viertagewoche

Effi­zi­en­ter arbei­ten, glück­li­cher leben

Eine kürzere Arbeitswoche soll für zufriedenere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen – geht der Plan auf? Immer mehr Kärntner Betriebe schwören darauf.

Effi­zi­en­ter arbei­ten, glück­li­cher leben „Mehr und mehr hackeln? Oder lieber mehr leben?“ Für Helmuth (Mitte) und Martin Riedl (ganz rechts) vom „Fahrzeughaus Kropfitsch“ war die Antwort klar – seit zwei Jahren heißt es hier „Montag geschlossen“.

© Peter Just

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Ganz unten in der E‑Mail-Signa­tur der Kla­gen­fur­ter Film­pro­duk­ti­ons­fir­ma „Mon­te Nero“ ist zu lesen: „Wir haben neue Arbeits­zei­ten: Mon­tag bis Don­ners­tag. Mehr Frei­zeit bewegt die Sin­ne, stei­gert die Krea­ti­vi­tät und das gibt uns Inspi­ra­ti­on für neue Pro­jek­te!“ Vier Tage arbei­ten, drei Tage frei. Damit wol­len immer mehr hei­mi­sche Unter­neh­men ihre Attrak­ti­vi­tät als Arbeit­ge­ber für Fach­kräf­te stei­gern.

„Wer zufrie­den ist, bleibt“

„Wir wol­len unse­ren Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern ein Umfeld bie­ten, in dem sie ger­ne blei­ben“, sagt Kat­rin Schwarz­kog­ler, Geschäfts­füh­re­rin von „Mon­te Nero“. Hier arbei­ten krea­ti­ve Frei­geis­ter, die viel Zeit mit Kopf­hö­rern am Com­pu­ter ver­brin­gen. Ein neu­er Mit­ar­bei­ter, der „nur“ 32 Wochen­stun­den arbei­ten woll­te und daher frei­tags nie im Büro war, brach­te die Unter­neh­me­rin auf die Idee, das Arbeits­zeit­mo­dell für alle zu ändern. Bei gleich­blei­ben­dem Gehalt wur­de der Work­flow, eben­so wie die zahl­rei­chen Kaf­fee­pau­sen, straf­fer orga­ni­siert.

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„Wir haben mehr Freu­de, weni­ger Stress und einen bes­se­ren Work­flow“, schwärmt Kat­rin Schwarz­kog­ler (Mit­te) von der Vier­ta­ge­wo­che bei „Mon­te Nero Pro­duc­tions“.
© Mon­te Nero Pro­duc­tions

Attrak­ti­ve­re Work-Life-Balan­ce

Nun geht sich alles von Mon­tag bis Don­ners­tag aus, frei­tags bleibt das Büro meis­tens leer. „Obwohl man­che Mit­ar­bei­ter da erst recht ins Büro kom­men, weil sie eine neue Soft­ware oder ein tech­ni­sches Gerät aus­pro­bie­ren möch­ten und die Ruhe genie­ßen. Wir arbei­ten ein­fach ger­ne und der Über­gang zwi­schen Arbeit und Frei­zeit­ver­gnü­gen ist bei uns flie­ßend“, sagt Schwarz­kog­ler. Die Zufrie­den­heit unter den Mit­ar­bei­tern stieg seit Ein­füh­rung der Vier­ta­ge­wo­che, sagt sie: „Nach drei frei­en Tagen kom­men wir mon­tags alle ent­spannt und inspi­riert zur Arbeit. Wir kön­nen neue Pro­jek­te nicht nur fokus­sier­ter, son­dern auch schnel­ler bear­bei­ten.“

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Die „Lend­ar­chi­tek­ten“ Sebas­ti­an Hor­vath (rechts) und Mar­kus Klau­ra (links) ermög­li­chen ihrem Team län­ge­re Erho­lungs­pha­sen am Wochen­en­de und effi­zi­en­te­re „Fokus­zei­ten“ im Büro.
© Lend­ar­chi­tek­tur

„Fokus­zei­ten“ stei­gern die Effi­zi­enz

Auch im Büro der „Lend­ar­chi­tek­tur“ in Kla­gen­furt stell­te man bei gleich­blei­ben­dem Gehalt und Arbeits­pen­sum auf eine Vier­ta­ge­wo­che und effi­zi­en­te­re Arbeits­wei­se um. Ein Unter­neh­mens­coach beglei­te­te die Umstel­lung und führ­te im Zuge des­sen „Fokus­zei­ten“ ein, in denen mit vol­ler Kon­zen­tra­ti­on Pro­jek­te bear­bei­tet wer­den und Anru­fe und E‑Mails vor­über­ge­hend unbe­ant­wor­tet blei­ben.

Vor­ran­gig will Geschäfts­füh­rer Sebas­ti­an Hor­vath dem Team eine län­ge­re Erho­lungs­pha­se am Wochen­en­de bie­ten. Aber auch ande­re Fak­to­ren spie­len eine Rol­le: „Bei uns sind immer vie­le Über­stun­den ange­fal­len. Die Hemm­schwel­le, sie am Frei­tag auf­zu­brau­chen, war groß, weil vie­le ein schlech­tes Gewis­sen ihren arbei­ten­den Kol­le­gen gegen­über hat­ten.“

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Vier Tage Voll­gas geben: Das Team der „Lend­ar­chi­tek­tur“ beglei­tet Bau­pro­jek­te von der Ent­wick­lung bis zur Innen­raum­ge­stal­tung.
© Lend­ar­chi­tek­tur

Fle­xi­ble Zeit­ein­tei­lung

Seit Ein­füh­rung der Vier­ta­ge­wo­che ist jeder Frei­tag frei. Es sei denn, auf­wän­di­ge Pro­jek­te ste­hen an – dann wer­den Aus­nah­men davon gemacht. Die drei­zehn Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der „Lend­ar­chi­tek­tur“ schät­zen das neue Arbeits­zeit­mo­dell. „Wobei jene, die Kin­der haben und auf­grund der Kin­der­be­treu­ungs­zei­ten nicht län­ger als bis 17 Uhr arbei­ten kön­nen, teil­wei­se auch am Frei­tag ins Büro kom­men. Im Grun­de bleibt es allen selbst über­las­sen, sich die Arbeits­zeit ein­zu­tei­len“, sagt Hor­vath, der „fel­sen­fest davon über­zeugt ist, dass dies der rich­ti­ge Weg ist. Denn der Bene­fit ist bereits spür­bar: Moti­va­ti­on und Stim­mung im Team sind groß­ar­tig“.

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„Mehr und mehr hackeln? Oder lie­ber mehr leben?“ Für Hel­muth (Mit­te) und Mar­tin Riedl (ganz rechts) vom „Fahr­zeug­haus Krop­fitsch“ war die Ant­wort klar – seit zwei Jah­ren heißt es hier „Mon­tag geschlos­sen“.
© Peter Just

Wer­ben um Fach­kräf­te

Einer der Kärnt­ner Vor­rei­ter bezüg­lich der Vier­ta­ge­wo­che ist das „Fahr­zeug­haus Krop­fitsch“ in Kla­gen­furt. Seit Herbst 2019 hat die Werk­statt an nur vier Tagen pro Woche geöff­net. Aus­schlag­ge­bend dafür war ein aku­ter Mit­ar­bei­ter­man­gel, erzählt Geschäfts­füh­rer Hel­muth Riedl: „Zwei Ver­käu­fer haben uns ver­las­sen. Dar­auf­hin haben mein Bru­der und ich sehr viel gear­bei­tet und auch sehr viel ver­kauft. Bis wir uns gefragt haben, ob es wirk­lich das ist, was wir wol­len: mehr und mehr hackeln? Oder lie­ber mehr leben?“ Also wur­den alter­na­ti­ve Mög­lich­kei­ten gesucht und gefun­den.

Die Leu­te im Team sind glück­lich damit: 38,5 Arbeits­stun­den von Diens­tag bis Frei­tag. „An den vier Tagen sind unse­re Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in der Werk­statt zu 110 Pro­zent gefor­dert. Dafür haben sie jedes Wochen­en­de Pfings­ten“, meint Riedl moti­vie­rend. Viel zu hackeln gibt es nach wie vor – neue Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter wer­den auf­ge­nom­men.

20.11.2022 05:00 - Update am: 20.11.2022 11:34
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Effi­zi­en­ter arbei­ten, glück­li­cher leben „Mehr und mehr hackeln? Oder lieber mehr leben?“ Für Helmuth (Mitte) und Martin Riedl (ganz rechts) vom „Fahrzeughaus Kropfitsch“ war die Antwort klar – seit zwei Jahren heißt es hier „Montag geschlossen“.

© Peter Just