Flughafen Klagenfurt

Lan­des­haupt­mann schal­tet sich in Flug­ha­fen-Zwist ein

Thema des Tages: Landeshauptmann Peter Kaiser präsentierte nach Gespräch mit Mehrheitseigentümer Franz Peter Orasch („Lilihill“) Lösungen, um den Flughafen samt Flugbetrieb nachhaltig abzusichern. Die Bedingungen und alle Reaktionen aus der Landespolitik im Überblick.

Lan­des­haupt­mann schal­tet sich in Flug­ha­fen-Zwist ein Flughafen-Mehrheitseigentümer „Lilihill“ hat unter anderem noch im Dezember eine vertraglich fixierte Anbindung an einen zweiten internationalen Hub neben Wien vorzulegen.

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In den Dau­er­streit zwi­schen Flug­ha­fen-Mehr­heits­ei­gen­tü­mer „Lilihill“ und der Kärnt­ner Betei­li­gungs­ver­wal­tung (KBV), die den Anteil des Lan­des Kärn­ten am Kla­genfurter Flug­ha­fen (20,08 Pro­zent) ver­wal­tet, schal­te­te sich nun Lan­des­haupt­mann Peter Kai­ser (SPÖ) ein. In den ver­gan­ge­nen Wochen wies er stets auf die Lan­des­ver­fas­sung hin, die ihm weder Ver­ant­wor­tung noch Ent­schei­dungs­be­fug­nis, was Betei­li­gun­gen des Lan­des und Ein­grif­fe in Res­sorts, die nicht sei­ner Zustän­dig­keit unter­lie­gen, betrifft, erlaubt.

Gemein­sam Lösungs­we­ge fin­den

„Als Lan­des­haupt­mann habe ich des­halb und weil von ande­rer, von eigent­lich ver­ant­wort­li­cher Sei­te lei­der kei­ne Gesprächs- und Ver­hand­lungs­be­reit­schaft besteht, das direk­te Gespräch mit dem Mehr­heits­ei­gen­tü­mer gesucht, um mög­li­che Lösungs­we­ge zu fin­den, die die Inter­es­sen des Lan­des und der Stadt bes­tens wah­ren und dem Flug­ha­fen eine Zukunft geben“, erklärt Kai­ser. Das Ergeb­nis die­ses Gesprächs: „Nach­dem Franz Peter Orasch eini­ge Bedin­gun­gen akzep­tiert hat, konn­ten wir uns auf eine ver­nunft­be­gab­te Lösung eini­gen. Damit kön­nen jah­re­lan­ge Gerichts­strei­tig­kei­ten, dro­hen­de hohe Scha­den­er­satz­zah­lun­gen für das Land und eine wei­te­re schwe­re Schä­di­gung des Flug­ha­fens mit noch viel gra­vie­ren­der Fol­gen sowohl für das Unter­neh­men als auch für das Land Kärn­ten ver­mie­den wer­den.“

Die Bedin­gun­gen

Die­se akzep­tier­ten Bedin­gun­gen, mit denen aus Sicht des Lan­des­haupt­manns alle Betei­lig­ten leben kön­nen müss­ten, basie­ren auf dem von allen Betei­li­gen (Land Kärn­ten, Stadt Kla­gen­furt und Mehr­heits­ei­gen­tü­mer „Lilihill“) unter­zeich­ne­ten 10-Punk­te-Plan.

  1. Mehr­heits­ei­gen­tü­mer „Lilihill“ legt noch im Dezem­ber, wie ver­ein­bart, eine ver­trag­lich fixier­te Anbin­dung an einen zwei­ten inter­na­tio­na­len Hub neben Wien vor, der im ers­ten Halb­jahr 2023 ange­flo­gen wer­den muss.
  2. Mehr­heits­ei­gen­tü­mer „Lilihill“ macht den abge­schlos­se­nen Pacht­ver­trag der nicht betriebs­not­wen­di­gen Flä­chen an eine eige­ne Gesell­schaft umge­hend rück­gän­gig. Gleich­zei­tig erle­digt sich damit die Kla­ge der KBV, wodurch ein lang­jäh­ri­ger Rechts­streit ver­mie­den wird.
  3. Die Call-Opti­on für den Rück­kauf wird für das ers­te Halb­jahr 2023 ruhend gestellt. Soll­te der Flug­ha­fen Kla­gen­furt wegen der pan­de­mie­be­ding­ten Ein­schrän­kun­gen im ers­ten Quar­tal die ange­peil­ten 100.000 Pas­sa­gie­re im Jahr 2022 nicht errei­chen und die zuge­sag­te Flug­an­bin­dung an einen inter­na­tio­na­len Hub wider Erwar­ten nicht umge­setzt wer­den, kann kann das Land die Call-Opti­on rück­wir­kend zie­hen. Erfolgt die Flug­an­bin­dung plan­ge­mäß, wird die Zie­hung der Call-Opti­on für 2022 aus­ge­setzt.

Reak­ti­on Mar­tin Gru­ber (ÖVP)

Die Ver­pflich­tungs­er­klä­rung von Orasch war heu­te auch in der Sit­zung der Kärnt­ner Lan­des­re­gie­rung (SPÖ-ÖVP-Koali­ti­on) The­ma. Lan­des­rat Mar­tin Gru­ber (ÖVP) sagt dazu: „Ich war­ne davor, sich erneut von den Ver­spre­chun­gen von Orasch blen­den zu las­sen! Denn sie haben sich oft genug als lee­re Ankün­di­gun­gen ent­puppt, denen in vier Jah­ren kei­ne Taten gefolgt sind. Und ich sehe kei­nen Grund, war­um es dies­mal anders lau­fen soll­te. Offen­bar ist das, was uns heu­te im Regie­rungs­kol­le­gi­um prä­sen­tiert wur­de, eine pri­va­te Abma­chung zwi­schen Orasch und Kai­ser, bei der weni­ger am Tisch liegt als im Som­mer. Ich ver­ste­he nicht, war­um man ihm für das, wozu er ver­trag­lich ver­pflich­tet ist, über­haupt irgend­wel­che zusätz­li­chen Deals anbie­ten soll­te. Sol­che Abspra­chen scha­den daher mehr als sie nut­zen.“ Sein Fazit: „Wer sich heu­te nur auf das Ver­spre­chen einer Hub-Anbin­dung ver­lässt, könn­te mor­gen ohne Grund­stü­cke auf­wa­chen.“

Reak­ti­on Erwin Ange­rer (FPÖ)

„Wenn SPÖ und ÖVP so wei­ter­ma­chen, gibt es kein Abhe­ben des Flug­ha­fens, son­dern es kommt zu einer Bruch­lan­dung“, kom­men­tiert Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ter und FPÖ-Obmann Erwin Ange­rer die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen. Sei­ne Begrün­dung: „Nach der heu­ti­gen Aus­sa­ge des zustän­di­gen ÖVP-Lan­des­rats Gru­ber, dass es sich bei Ver­ein­ba­rung des Herrn Lan­des­haupt­manns mit dem Inves­tor um eine pri­va­te Abma­chung han­delt, muss man davon aus­ge­hen, dass offen­sicht­lich weder Gru­ber als zustän­di­ger poli­ti­scher Ver­tre­ter noch die zustän­di­ge Lan­des­ge­sell­schaft KBV die Ver­hand­lungs­er­geb­nis­se mit­tra­gen und nicht bereit sind, mit dem Haupt­ei­gen­tü­mer des Flug­ha­fens eine gemein­sa­me Lösung zu suchen. Es ist beschä­mend, dass SPÖ und ÖVP auf offe­ner Büh­ne strei­ten, statt gemein­sam an einer Lösung zu arbei­ten!“

Reak­ti­on Ger­hard Köfer (Team Kärn­ten)

Als zutiefst hin­ter­fra­gens­wert und irri­tie­rend bezeich­net Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter und „Team Kärnten“-Chef Ger­hard Köfer die von Lan­des­haupt­mann Kai­ser ver­öf­fent­lich­te Ver­pflich­tungs­er­klä­rung: „Was ist eine ein­sei­tig abge­ge­be­ne Ver­pflich­tungs­er­klä­rung des Inves­tors recht­lich wert, die noch dazu in den Betei­li­gungs­ver­trag ein­greift? Dar­über hin­aus waren weder der zustän­di­ge Refe­rent noch der Vor­stand der Kärnt­ner Betei­li­gungs­ver­wal­tung in die­se Gesprä­che zwi­schen Kai­ser und Orasch ein­ge­bun­den. Was soll mit die­sem nicht bin­den­den Pri­va­tis­si­mum bezweckt wer­den?“ Die in der Ver­pflich­tung ent­hal­te­nen Punk­te Hub-Anbin­dung und Rück­gän­gig­ma­chung der höchst umstrit­te­nen Pacht­ver­trä­ge waren bereits im August ver­spro­chen und ver­ein­bart wor­den, sind bis jetzt aber noch nicht umge­setzt, betont Köfer: „Ist die­se Erklä­rung die nächs­te Beru­hi­gungs­pil­le oder das nächs­te Ablen­kungs­ma­nö­ver?“

Reak­ti­on Olga Vog­lau­er (Die Grü­nen)

Auch Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Olga Vog­lau­er, Lan­des­spre­che­rin der nicht im Kärnt­ner Land­tag ver­tre­te­nen „Grü­nen“, ist von den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen über­rascht: „Kai­ser zeigt nun end­lich Initia­ti­ve. Die Art und Wei­se ist aller­dings äußerst befremd­lich. Er schafft es nicht, alle Betei­lig­ten ins Boot zu holen und umgeht wis­sent­lich Struk­tu­ren und Zustän­dig­kei­ten. Die prä­sen­tier­ten Ver­ein­ba­run­gen sind ohne jeg­li­chen rechts­ver­bind­li­chen Cha­rak­ter und damit blo­ße Lip­pen­be­kennt­nis­se.“

22.11.2022 18:08
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Lan­des­haupt­mann schal­tet sich in Flug­ha­fen-Zwist ein Flughafen-Mehrheitseigentümer „Lilihill“ hat unter anderem noch im Dezember eine vertraglich fixierte Anbindung an einen zweiten internationalen Hub neben Wien vorzulegen.

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