Die Kunstspenderin
Kunst aus dem Kaugummiautomaten
Spielerischen Zugang zur Kunst will Ronja Fábián ermöglichen. Die Wiener Künstlerin mit Kärntner Wurzeln stellt alte Kaugummiautomaten auf, die sie mit Inspirationen in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen befüllt.
© Ronja Fábián
Münze rein, Hebel gedreht, „Krrr, krrr, krk“ – schwupp, springt eine kleine Plastikkugel heraus, die mit Kunst gefüllt ist. 10, 20 oder 50 Cent reichen aus, um seinen Appetit auf künstlerische Inspiration zu stillen. „Kunstspenderinnen“ nennt Ronja Fábián ihre Kaugummiautomaten. „Sie waren als coronakonformes Ausstellungskonzept gedacht. Damit wollte ich Kunst in den öffentlichen Raum bringen, an Orte, die normalerweise keine typischen Anlaufstellen für Kunst sind“, sagt die 27-jährige Künstlerin.
Spielerischer Zugang zur Kunst
Ihre Zielgruppe sind Menschen, die mit Kunst nicht viel am Hut haben und die kaum in Kunsteinrichtungen gehen würden. Menschen, die aber neugierig sind und sich von den nostalgischen Geräten gerne dazu verleiten lassen, nachzusehen, welche Art von Kunst sich hier verbirgt. An einigen Standorten in Kärnten sind die Kunstautomaten bereits zu finden: etwa in Villach in der Italiener Straße 15 (Kaffeeteria) und in der Willhelm-Eich-Straße 3 (Eishalle), in Krumpendorf in der Hauptstraße 173 (Reformhaus) und in Hermagor in der Gössingerlände 6 (Stadtbibliothek). Am heutigen Samstag (10. Dezember 2022) wird um 16 Uhr ein neuer Automat eröffnet: In der Geyergasse 4 in Klagenfurt werden ab sofort neue Inspirationen im Handumdrehen zu erwerben sein.

Weltthemen im Kaugummiautomaten
Ronja Fábián will nicht zu viel über den Inhalt preisgeben, aber so viel sei verraten: „Es geht um Weltthemen, um neue Zugänge, um Dinge, über die bisher nicht nachgedacht wurde.“ Fábián ist Künstlerin, Fotografin und Tätowiererin. Sie beschäftigt sich intensiv mit gesellschaftskritischen Themen. In ihren Kunstwerken und Installationen rückt sie etwa alltägliche Gegenstände und Handlungen in ungewohnte Perspektiven. Sie will den Blick öffnen für Hintergründiges und unterschiedliche Ebenen eines Themas bewusst machen.
„Nach dem Verwenden ist es ranzig“
Die letzte Ausstellung in Kärnten fand im Vorjahr im Kulturhof Villach statt und zeigte künstlerische Fotografien unter dem Titel „Delicious Objects“. Zu sehen waren Still-Leben von Alltagsgegenständen aus dem europäischen/westlichen Lebensraum, die zuerst positiv wahrgenommen werden, aber durch einmalige Verwendung zu Ekelgegenständen werden. Etwa ein Pflaster. Ein Auszug aus dem beschreibenden Bildtext: „Ich würde es in die gleiche Kategorie wie abgeschnittene Fingernägel, Haut und Haarschuppen geben. Es ist ein Gebrauchsgegenstand wie ein Taschentuch, es ist neu und sauber und nach dem Verwenden ist es ranzig.”
Kunstautomaten an vielen Standorten
Zurück zu den Kunstautomaten, die, zwecks Ressourcenschonung und Kindheitserinnerungen, von der Künstlerin als Second-Hand-Gegenstände erworben wurden. Bei den Kunstspenderinnen handelt es sich um ein vom Land Kärnten gefördertes Kunstprojekt und um eine Kooperation mit der „Straßengalerie Klagenfurt“ – einer Initiative von Leon Bernhofer, der leerstehende Schaukästen und Vitrinen in der Landeshauptstadt mit Kunst befüllt. Junge und lokale Künstler sollen auf diese Weise frei und jederzeit für jedeN zugänglich ihre Werke zeigen können. Die nächsten Kunstautomaten sind bereits in Planung. Ronja Fábián möchte möglichst vielen Menschen einen derart unkomplizierten und spielerischen Zugang zur Kunst ermöglichen.
Instagram-Links
- Dieser Kaugummiautomat in Krumpendorf ist eine „Kunstspenderin“: Für 50 Cent erhält man neue Inspiration im Handumdrehen.
- Zuhause zwischen den beiden Welten Kärnten und Wien – das liefert viel guten Stoff für gesellschaftskritische Arbeiten.
- Fotografin, Künstlerin, Tätowiererin – Ronja Fábián beschäftigt sich mit den kulturellen Aspekten von Hautbildern.