Ausblick 2023

Klagenfurts Unternehmer blicken verhalten in die Zukunft

Auch wenn die Geschäftsaussichten getrübt sind: Die Unternehmer der Landeshauptstadt richten den Blick mit Zuversicht nach vorne. Das ergibt die erstmals durchgeführte Konjunkturumfrage der Wirtschaftskammer.

Klagenfurts Unternehmer blicken verhalten in die Zukunft Klagenfurter Wirtschafts- und Konjunkturkonferenz

© WKK/Studiohorst

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Konjunkturumfragen sind in der Wirtschaft an sich nichts Neues. Neu ist eine solche Bestandsaufnahme allerdings für die Klagenfurter Unternehmer, die erstmals von der Bezirksstelle Klagenfurt der Wirtschaftskammer Kärnten befragt wurden. Das Ergebnis sind Problemzonen aus allen Sparten, ein konjunkturelles Stimmungsbild und oftmals auch schon Lösungsvorschläge, die gestern, Donnerstag, anlässlich der ersten Klagenfurter Wirtschafts- und Konjunkturkonferenz der Stadtregierung präsentiert wurden.

Konjunkturkonferenz auch auf Bezirksebene

Auf Landesebene gibt es schon seit Jahren eine Kärntner Investitions- und Konjunkturkonferenz (KIKK), die als Plattform zum konstruktiven Austausch zwischen Politik und Wirtschaft dient. Künftig wird diese nun auch auf Bezirksebene zweimal im Jahr durchgeführt, damit sich die Innenstadtkaufleute und Spartenobleute auf Augenhöhe mit der Stadtpolitik über Wünsche, aber auch über notwendige Reformen austauschen und diese in weiterer Folge gemeinsam umsetzen können. Die Klagenfurter Stadtregierung soll dabei als Partner der Wirtschaft mit ins Boot geholt werden. Dafür forderte Franz Ahm, Obmann der Bezirksstelle Klagenfurt der Wirtschaftskammer Kärnten, von der Politik Transparenz und vor allem die Einbindung der Unternehmen als direkte Betroffene.

Verhaltener Ausblick für 2023

Der wirtschaftliche Ausblick der Unternehmer bildete die Grundlage der Konferenz – und der ist für Jahr 2023 sehr verhalten: Es wird heuer deutliche Risse in der Konjunktur geben. Auch wenn die Zeiten gerade nicht die einfachsten sind, „es gilt, den Blick nach vorne zu richten, die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten, den Standort zu stärken und die Klagenfurter Unternehmer bestens zu unterstützen“, sagte Ahm.

200 Betriebe nahmen an Umfrage teil

Im Erhebungszeitraum zwischen Mitte Dezember 2022 und Anfang Jänner 2023 nahmen insgesamt 200 Betriebe aus der Landeshauptstadt an der Konjunkturumfrage teil. Demnach erwarten in den kommenden zwölf Monaten 22 Prozent der Klagenfurter Unternehmen in Hinblick auf Gesamtumsatz, Investitionen und Auftragslage eine negative Geschäftsentwicklung. Die Gründe dafür sind vielfältig: Neben den hohen Energie- und Rohstoffpreisen sind es auch Lieferkettenprobleme, die große Sorgen bereiten. „Aber auch der Arbeits- und Fachkräftemangel sowie die Arbeitskosten im Allgemeinen werden für die nächsten zwölf Monate als große Herausforderung gesehen. Sie treffen die Betriebe sämtlicher Branchen und Größenklassen“, berichtete Ahm. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: So geben drei Viertel der befragten Unternehmen an, von der Energiekrise betroffen zu sein.

Minus 7 Prozent Gesamtumsatz bei Firmen in Klagenfurt

Bereits die vergangenen beiden Jahre waren geprägt von Höhen und Tiefen der Konjunktur. Der Sommer 2021 war auf einem sehr hohen Niveau, danach folgte wieder pandemiebedingt eine Eintrübung der Wirtschaft. Dazu kamen Anfang 2022 erste Anzeichen eines globalen Konjunkturabschwunges. Diese Abwärtsbewegung zeigte sich im Privatkonsum erst gegen Ende 2022. So ist der Gesamtumsatz bei den Unternehmen in Klagenfurt um 12 Prozent eingebrochen (kärntenweit: minus 7 Prozent), der Exportumsatz ist um 6 Prozent gestiegen, das Investitionsvolumen um 34 Prozent zurückgegangen.

Ergebnisse im Detail

Hinsichtlich des Gesamtumsatzes erwarten 40 Prozent der Unternehmer konstante Umsätze, 24 Prozent steigende Umsätze und 36 Prozent von ihnen glauben, dass die Umsätze rückläufig sein werden. Was die Exportumsätze betrifft: 32 Prozent rechnen mit steigenden Exportumsätzen, 39 Prozent erwarten konstante Umsätze und 29 Prozent glauben, dass diese einbrechen werden. 41 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Anzahl an Aufträgen, 19 Prozent meinen, dass sich die Auftragslage bessern wird. Dem gegenüber stehen 40 Prozent der Unternehmer, die mit einer Verschlechterung rechnen. Die Investitionsbereitschaft im Jahr 2023 ist verhalten: Etwas mehr als ein Drittel (38 Prozent) der Unternehmen gaben an, nicht investieren zu wollen, 37 Prozent werden in Ersatzbedarf investieren und 24 Prozent planen, Neuinvestitionen zu tätigen.

Bürgermeister Christian Scheider lobte das Format der erstmals in der Landeshauptstadt durchgeführten Konferenz und betonte, stärkere Vernetzung sei das Gebot der Stunde. Man sei gefordert, neue Ideen zu entwickeln, um nicht nur mehr Gäste anzuziehen, sondern auch das Wohnen in der Innenstadt attraktiver zu machen. Die Behörden seien dabei als moderner Partner der Wirtschaft gefordert.

Koralmbahn als Heruasforderung

Vizebürgermeister Finanzstadtrat Philipp Liesnig bezeichnete die in wenigen Jahren in Betrieb gehende Koralmbahn als Chance und Herausforderung. Er hob besonders die erfolgreiche Entwicklung des Lakeside Park mit nunmehr 75 Unternehmen und 1500 Mitarbeitern hervor und kündigte die Errichtung weiterer vier Baukörper an. Wirtschaftsstadtrat Max Habenicht resümierte, dass den Unternehmen mit Blick auf Klagenfurt teilweise die Vision fehle: „Die Stadt muss neu gedacht werden.“ Den Plänen der Universität, den Campus um 72 Millionen Euro zu erweitern, steht Habenicht kritisch gegenüber: „Unser Ziel muss es sein, die Universität in die Stadt zu bringen.“ Auch Sandra Wassermann, Stadträtin für kommunale Dienste, sieht in der Koralmbahn einen entscheidenden Impuls: „Wir wollen Menschen und Studierende von Graz nach Klagenfurt bringen – und nicht umgekehrt.“

20.01.2023 10:30
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