Wolfgang Knaller
„Alles andere als der Aufstieg wäre eine Enttäuschung!“
Der ehemalige Tormann Wolfgang Knaller (59), der aus Feldkirchen stammt, absolvierte vier Länderspiele für Österreich. Im „KLiCK Kärnten“-Interview spricht er über die schönsten Erlebnisse als Torhüter, seinen Sohn Marco und die Chancen Österreichs bei der Fußball-Europameisterschaft.
© Gerhard Breitschopf
Wolfgang Knaller entstammt einer Fußballer-Familie aus Feldkirchen. Die Knaller-Brüder Walter, Wolfgang, Werner, Bernhard, Erich und Hermann prägten lange Zeit den Kärntner-Liga-Verein SV Feldkirchen. Mit Walter sollte Wolfgang später viele Jahre bei der Admira in der Bundesliga zusammenspielen.
KLiCK Kärnten: Sie gehörten viele Jahre dem Kader der österreichischen Nationalmannschaft an. Welches war das schönste Spiel?
Wolfgang Knaller: Das schönste Erlebnis war die Weltmeisterschaft in Frankreich 1998, wo ich leider nur auf der Ersatzbank gesessen bin. Es war trotzdem sehr schön, als Spieler das ganze Drumherum zu erleben. Noch schöner waren die Europacup-Spiele mit Admira Wacker gegen Juventus Turin, Antwerpen oder Anderlecht – das war schon etwas Besonderes.
Waren Sie in Ihrer Hochblüte beim „falschen“ Verein?
Für das Nationalteam ganz sicher, sonst hätte ich mehr Teameinsätze gehabt. Wir hatten damals eine hohe Dichte an Torhütern, die es heute nicht mehr gibt. Der Teamchef konnte aus fünf Spitzentorhütern auf internationalem Niveau wählen. Wir haben derzeit sicher gute Bundesliga-Torhüter, aber sicher keinen auf internationalem Niveau.
Wir haben derzeit sicher gute Bundesliga-Torhüter, aber sicher keinen auf internationalem Niveau.
Wolfgang Knaller
Ex-TorhüterIst Daniel Bachmann der richtige Torhüter für Österreich?
Er hat lange nicht gespielt. Nun hat er beim FC Watford die Chance bekommen und genutzt. In den vergangenen Jahren hat allerdings kein einziger Torhüter „performed“. Daniel Bachmann hat mit seiner körperlichen Statur Vorteile. Bei den Rückpässen hatte er zuletzt einige Wackler drinnen. Es wird sich weisen, ob er der Richtige ist.
Wie stehen die Chancen des Nationalteams bei der Europameisterschaft?
Wir haben ein gutes Team mit vielen guten Spielern in Europas Top-Ligen. Mit David Alaba haben wir einen Weltklassespieler. Wenn wir irgendetwas erreichen wollen, sollten wir zumindest am Sonntag Nordmazedonien schlagen. Wir haben aber auch die Qualität, alle schlagen zu können. Alles andere als ein Aufstieg aus der Gruppenphase wäre für mich eine Enttäuschung. Holland ist eine sehr gute Mannschaft, aber auch die können wir an einem guten Tag schlagen.
Wer wird Europameister?
Die Franzosen sind stark, die Holländer sind stark, mit den Spaniern müssen wir immer rechnen. Außenseiter sind für mich die Belgier und auch Dänemark. Aber Frankreich wird schwer zu biegen sein. Nicht zu vergessen die Turniermannschaft Deutschland.
Ihr Sohn Marco spielt bei Wacker Innsbruck in der 2. Liga und verletzte sich im Spiel gegen die Rapid Amateure schwer. Wie geht es ihm?
Marco ist ein Stehmännchen wie ich, er ist auf dem Weg der Besserung. Er hatte einen doppelten Kieferbruch, auf der Seite zusätzlich einen Bruch und der Kaumuskel war gerissen. Er hat jetzt vier Platten und einige Schrauben drinnen. Die Ärzte sagen, die Operationen sind gut verlaufen, schön langsam bekommt er wieder den Mund auf. Jetzt trainiert er wieder und wird sich zurück kämpfen.
Seinen Verein hat seine Verletzung schwer getroffen.
Das kann man sagen, ohne Marco hat Wacker Innsbruck auch den Aufstieg in die Bundesliga verspielt. Das sagt alles!
Welchen Verein trainieren Sie aktuell?
Bei Amstetten habe ich als Tormanntrainer aufgehört. Voriges Jahr im September habe ich bei der Admira als „Head of Goalkeeper“ angefangen. Da bin ich für die komplette Tormann-Ausbildung zuständig.