Caritas Kärnten

“Pfle­ge­re­form kann nur ein Anfang gewe­sen sein!”

Gegen die Pflegekrise braucht es nachhaltige und bundeseinheitliche Lösungen. Die Ausbildungsoffensive für Pflege und Sozialbetreuung kommt an, muss aber fertiggedacht werden.

“Pfle­ge­re­form kann nur ein Anfang gewe­sen sein!” Caritas Präsident Michael Landau, Manuela Kröll, DGKP und aktuell Schülerin der Sozialbetreuungsberufe, Birgit Poier, Leiterin der Caritas-Schule für Sozialbetreuungsberufe und der Höheren Lehranstalt für Sozialbetreuung und Pflege Graz, und Kärntens Caritasdirektor Ernst Sandriesser

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Vor knapp einem Jahr wur­de die Pfle­ge­re­form prä­sen­tiert – mit dem rich­ti­gen Fokus auf Fach­kräf­te­man­gel und Aus­bil­dungs­of­fen­si­ve. Bei einer Pres­se­kon­fe­renz in der Cari­tas-Schu­le für Sozi­al­be­treu­ungs­be­ru­fe in der Wie­ner Anker­brot­fa­brik zieht die Cari­tas eine ers­te Zwi­schen­bi­lanz.

„Die Pfle­ge­re­form 2022 kann nur der Anfang sein! Der Weg hin­aus aus der Pfle­ge­kri­se ist bei wei­tem noch nicht zu Ende gegan­gen. Es braucht drin­gend wei­te­re, umfas­sen­de Schrit­te im Gesamt­sys­tem“, mahnt Cari­tas Prä­si­dent Land­au.

Zwar kom­men die Maß­nah­men der Aus­bil­dungs­of­fen­si­ve bei den Schüler*innen der Cari­tas-Schu­len für Sozi­al­be­treu­ung durch­aus an, eben­so groß sind aber die Sor­gen, wie es wei­ter­ge­hen wird – etwa nach den auf 2- oder 3‑Jahre befris­te­ten Aus­bil­dungs- und Gehalts­bo­ni.

Land­au: „Pfle­ge­re­form Teil 2 muss zual­ler­erst ver­läss­li­che und nach­hal­ti­ge Lösun­gen schaf­fen statt ledig­lich Zuckerln für weni­ge Jah­re. Gleich­zei­tig braucht es eine Har­mo­ni­sie­rung der Pfle­ge­land­schaft und eine glei­che Ver­füg­bar­keit von Pfle­ge und Betreu­ung für wirk­lich alle Bun­des­län­der – der aktu­el­le Fle­ckerl­tep­pich ist für die Betrof­fe­nen eben­so wie für die Mit­ar­bei­ten­den unzu­mut­bar.“

Aus­bil­dungs­of­fen­si­ve für ein Pfle­ge- und Betreu­ungs­sys­tem mit Zukunft

Bei einem Pfle­ge­not­stand mit hoch­ge­rech­net 75.000 bis 100.000 feh­len­den Pfle­ge- und Betreu­ungs­kräf­ten im Jahr 2030 muss das gemein­sa­me Ziel sein, mög­lichst vie­le Men­schen für die Pfle­ge und Betreu­ung zu gewin­nen – und zu hal­ten.

„Vie­le Men­schen in Öster­reich stre­ben einen Sozi­al­be­treu­ungs­be­ruf an – wir brau­chen sie alle und sie brau­chen ver­läss­li­che Rah­men­be­din­gun­gen in der Aus­bil­dung“, berich­tet Kärn­tens Cari­tas Direk­tor Ernst Sand­ries­ser.

Und wei­ter: „Hier sind eini­ge Maß­nah­men gesetzt wor­den, wie etwa die Über­nah­me der Aus­bil­dungs­kos­ten, der Aus­bil­dungs­bo­nus oder das Pfle­ge­sti­pen­di­um für Umsteiger*innen. Gleich­zei­tig ist vie­les offen – die Wei­ter­füh­rung über 2025 hin­aus, die län­ger­fris­ti­ge Finan­zie­rung oder auch die Schaf­fung ein­heit­li­cher Struk­tu­ren für die Pra­xis­an­lei­tung. Ein wich­ti­ges Augen­merk wird auch auf die Rekru­tie­rung von Lehr­per­so­nen im Bereich Pfle­ge und Sozi­al­be­treu­ung zu legen sein —  neben dem Quer­ein­stieg, wäre ein spe­zi­fi­sches Lehr­amt anzu­den­ken.  Auch eine Infra­struk­tur­för­de­rung für Schu­len für Pfle­ge und Sozi­al­be­treu­ung ist drin­gend nötig – für vie­le die­ser berufs­bil­den­den Schu­len ist eine För­de­rung der­zeit nicht mög­lich.“

Pra­xi­scheck: Aus­bil­dungs­för­de­rung kommt an

Den Pra­xi­scheck macht Bir­git Poier, Lei­te­rin der Cari­tas-Schu­le für Sozi­al­be­treu­ungs­be­ru­fe und der Höhe­ren Lehr­an­stalt für Sozi­al­be­treu­ung und Pfle­ge Graz tag­täg­lich: „Aus Sicht der Schu­le für Sozi­al­be­treu­ungs­be­ru­fe ist beson­ders wich­tig, dass die Aus­bil­dungs­för­de­rung für die vol­le Dau­er der Aus­bil­dun­gen gewährt wird. Davor hat­ten wir viel­fach die Situa­ti­on, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler nur bis zum Teil­ab­schluss in der Pfle­ge geför­dert wur­den – mit der Kon­se­quenz, dass eini­ge Schüler*innen ihre Aus­bil­dung aus finan­zi­el­len Grün­den abbre­chen oder zumin­dest unter­bre­chen muss­ten. Dazu gibt es nun kei­nen Grund mehr.“

Hand­lungs­be­darf sieht Poier aber bei den Höhe­ren Lehr­an­stal­ten: „Wün­schens­wert wäre, sich die För­der­si­tua­ti­on zur HLSP noch­mals anzu­se­hen. Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler die­ser Schul­form bekom­men das För­der­geld ers­tens nur wäh­rend der Prak­ti­kums­zeit und zwei­tens nur für den Teil der Pfle­ge­aus­bil­dung.“

Pfle­ge und Sozi­al­be­treu­ung Hand in Hand

Die Bun­des­re­gie­rung hat mit der Auf­nah­me der Sozi­al­be­treu­ung in vie­le Maß­nah­men der Pfle­ge­re­form einen wich­ti­gen Schritt gemacht. Denn Pfle­ge und Sozi­al­be­treu­ung gehen Hand in Hand. Gemein­sam machen Pfle­ge und Sozi­al­be­treu­ung den Unter­schied für betrof­fe­ne Men­schen – egal, ob kurz­fris­tig nach einem Unfall oder lang­fris­tig in der Demenz-Beglei­tung oder Fami­li­en­ar­beit.

Manue­la Kröll ist selbst pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge, diplo­mier­te Pfle­ge­rin und macht aktu­ell die Aus­bil­dung zur Sozi­al­be­treue­rin. „Ich, als Berufs­an­ge­hö­ri­ge der Pfle­ge und als pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge eines Soh­nes mit erwor­be­ner Behin­de­rung, wün­sche mir, dass durch die Pfle­ge­re­form dau­er­haft eine bedürf­nis­ori­en­tier­te Ver­sor­gung von hil­fe­be­dürf­ti­gen Men­schen sicher­ge­stellt wird. Ein wich­ti­ger Bau­stein dafür ist die Zusam­men­füh­rung von Pfle­ge und Sozi­al­be­treu­ung. Men­schen mit gro­ßem Hil­fe­be­darf sol­len gleich­zei­tig pfle­ge­risch ver­sorgt und päd­ago­gisch betreut wer­den“, sagt Kröll.

Aktu­el­le Bewer­bungs­frist an Cari­tas-Schu­len

Als Cari­tas bil­den wir aktu­ell in sechs Bun­des­län­dern und an 13 Stand­or­ten Sozi­al­be­treue­rin­nen und Sozi­al­be­treu­er für ein Ver­sor­gungs­sys­tem­sys­tem mit Zukunft aus. Aktu­ell läuft die Bewer­bungs­frist. Inter­es­sier­te fin­den alle Infor­ma­tio­nen unter Caritas-Schulen.at

20.04.2023 14:00
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“Pfle­ge­re­form kann nur ein Anfang gewe­sen sein!” Caritas Präsident Michael Landau, Manuela Kröll, DGKP und aktuell Schülerin der Sozialbetreuungsberufe, Birgit Poier, Leiterin der Caritas-Schule für Sozialbetreuungsberufe und der Höheren Lehranstalt für Sozialbetreuung und Pflege Graz, und Kärntens Caritasdirektor Ernst Sandriesser

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