Beauty Trend
Vitamin-Gummibären: Nascherei oder Medizin?
Die Vitamin-Gummibärchen liegen als Nahrungsergänzung derzeit voll im Trend. Wie gesund das Pseudo-Medikament tatsächlich ist, „KLiCK“-Kärnten hat bei Markus Peck-Radosavljevic, Abteilungsvorstand der Inneren Medizin und Gastroenterologie am Klinikum Klagenfurt nachgefragt.
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Um die Verständnisfrage vorab zu klären: Vitamin Gummibärchen sind im Grunde genommen nichts anderes als ein Nahrungsergänzungsmittel in Form von kleinen süßen Gummibärchen. In den letzten Jahren ist die Nascherei zum Beauty-Trend avanciert. Laut Herstellern enthalten die Bären so viel Mikronährstoffe, sodass der Tagesbedarf von Vier bis Siebenjährigen zu 100 Prozent gedeckt werden kann.
Als Medizin leider nicht sinnvoll
Ein paar Gummibärchen für die Gesundheit naschen. Klingt erstmal verlockend. „Nur ist die Einnahme als medizinische Maßnahme keineswegs sinnvoll“, holt uns Markus Peck-Radosavljevic, Abteilungsvorstand der Inneren Medizin und Gastroenterologie am Klinikum Klagenfurt auch schon gleich auf den Boden der Tatsachen zurück: Bei gemischter Kost kommen in Österreich Vitaminmangelzustände eigentlich nicht vor und zusätzlich zugeführte Vitamine führen nicht zu mehr Gesundheit.
Marketing-Gag ohne Wirkung
Mittlerweile gibt es die so titulierten Vitamin-Gummibärchen für die unterschiedlichen Bedürfnisse im Handel zu kaufen, etwa mit Vitamin C‑, Vitamin D‑Zusatz, mit Apfel-Essig, bei Prämenstruellen Symptomen (PMS), oder sogar um Haare wieder sprießen zu lassen. Alles in allem bleiben die süßen Bären aber eine Süßigkeit. Im besten Fall sind sie nicht schädlich. „Wenn sie viel Zucker enthalten, sind sie auch nicht besser als die konventionellen Gummibären“, sagt Peck-Radosavljevic.
“Obst und Gemüse”!
Stellt sich die Frage, ob die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel Sinn machen. Wenig bis keinen lautet die ernüchternde Erkenntnis. „Bei gemischter Kost kommen in Österreich Vitaminmangelzustände eigentlich nicht vor und zusätzlich zugeführte Vitamine führen nicht zu mehr Gesundheit“. Vitamine würden das Immunsystem generell nicht beeinflussen. Deshalb ist der Ansatz, Vitamine zur Stärkung des Immunsystems einzusetzen, grundsätzlich nicht medizinisch fundiert. Vitamine sollten in Form der natürlich vorkommenden Quellen, also vor allem durch Obst und Gemüse, zugeführt werden. „Damit werden nicht nur raffinierte Vitamine, sondern auch eine Reihe anderer Inhaltsstoffe mit positivem Effekt auf das Verdauungssystem und den Organismus miteingenommen“.
Werbespots sind keine Wissenschaft
Viele Angaben in Werbespots und ‑anzeigen sind wissenschaftlich nicht belegt. Die Health-Claims-Verordnung (HCVO) ist ein wichtiger EU-Beschluss, der Verbraucher vor irreführenden oder falschen Aussagen zu vermeintlich gesunden Lebensmitteln schützen soll. Einen Tipp hat Peck-Radosavljevic aber doch: „Das Immunsystem trainiert man am besten durch Exposition gegenüber potentiellen Erregern; im Falle von gut definierten Krankheitserregern, beispielsweise durch Impfungen“. Die Einnahme von Gummibären haben leider nur einen Effekt: Übergewicht und kariöse Zähne.