Dialogwoche

80.000 Kärnt­ner trin­ken zu viel Alko­hol

80.000 Kärntner haben ein problematisches Trinkverhalten, 28.000 sind süchtig. Die Dialogwoche Alkohol soll das Bewusstsein für verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol schärfen.

80.000 Kärnt­ner trin­ken zu viel Alko­hol Schleichender Alkoholkonsum kann gefährlich werden.

© pexels.com/ Chris F.

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Öster­reich zählt im inter­na­tio­na­len Ver­gleich zu den Län­dern mit den höchs­ten Alko­hol­kon­sum­ra­ten. „Rund 14 Pro­zent der Bevöl­ke­rung, also eine Mil­li­on Men­schen, wei­sen ein pro­ble­ma­ti­sches Trink­ver­hal­ten auf. Für Kärn­ten bedeu­tet das: Mehr als 80.000 Per­so­nen zäh­len zur Alko­hol-Risi­ko­grup­pe, rund fünf Pro­zent davon, 28.000 Kärnt­ne­rin­nen und Kärnt­ner, sind süch­tig“, infor­mier­te heu­te Gesund­heits­re­fe­ren­tin Bea­te Prett­ner bei einer Pres­se­kon­fe­renz, die im Vor­feld der „Dia­log­wo­che Alko­hol“ abge­hal­ten wur­de.

Alko­hol oft ver­harm­lost

Die „Dia­log­wo­che Alko­hol“ fin­det heu­er zum 4. Mal öster­reich­weit statt – und zwar vom 8. Mai bis 14. Mai. „In die­ser Woche wol­len wir für das Tabu­the­ma Alko­hol sen­si­bi­li­sie­ren. Nach wie vor ist der Umgang mit Alko­hol von viel Unwis­sen­heit geprägt, was dazu führt, dass die Aus­wir­kun­gen der ‚Dro­ge‘ Alko­hol ver­harm­lost und unter­schätzt wer­den“, warn­te Prett­ner. „Alko­hol ist neben Niko­tin welt­weit die Sub­stanz mit der größ­ten Krank­heits­last.“

Immer mehr Frau­en betrof­fen

Laut Gesund­heits­re­fe­ren­tin sei­en ins­be­son­de­re Män­ner zwi­schen 40 und 60 Jah­ren, meis­tens gut situ­iert, gefähr­det. „Aller­dings nimmt auch die Zahl der Frau­en zu: Vor 20 Jah­ren ist auf zehn Män­ner eine Frau gekom­men; heu­te kom­men auf zehn Män­ner rund vier Frau­en“, erklär­te LR.in Prett­ner. Die Haupt­ur­sa­chen, in die Alko­hol­fal­le zu rut­schen, sei­en Stress, Leis­tungs­druck, Ein­sam­keit und Exis­tenz­sor­gen. „Und mit genau die­sen Fak­to­ren sind aktu­ell mehr und mehr Men­schen kon­fron­tiert“, so Prett­ner.

Dia­log­wo­che schafft Bewusst­sein

„Wir sagen dem Alko­hol nicht nur wäh­rend der Dia­log­wo­che den Kampf an (sie­he dazu www.dialogwoche-alkohol.at), son­dern tag­täg­lich“, beton­te Eva Maria Adl­mann von der Sucht­prä­ven­ti­ons­stel­le im Land Kärn­ten. Wir wol­len jeden Tag im Jahr Bewusst­sein schaf­fen und vor­beu­gend wir­ken. Dafür ste­hen wir mit Schu­len, mit Ärz­ten, mit der offe­nen Jugend­ar­beit, mit Eltern, mit Bera­tungs­stel­len, mit inter­es­sier­ten Betrie­ben und Fir­men im lau­fen­den Aus­tausch“, so Adl­mann.

„Es geht nicht dar­um, Alko­hol zu ver­teu­feln, son­dern dar­um, für einen ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit Alko­hol zu sen­si­bi­li­sie­ren.“ Adl­mann lud zur Selbst­re­fle­xi­on ein: „Wel­che Rol­le spielt Alko­hol in Ihrem Leben? Wann und in wel­chen Situa­tio­nen trin­ken Sie Alko­hol?“ In jenen Fäl­len, da der Alko­hol­kon­sum ein ande­res Pro­blem über­de­cken soll­te, wer­de es pro­ble­ma­tisch.

Kör­per­li­che Schä­den dro­hen

Das bestä­tig­te auch die ärzt­li­che Lei­te­rin der Kli­nik de La Tour, Pri­ma­ria Michae­la Leo­pold. „Der Weg vom ‚nor­ma­len“ zum ‚ris­kan­ten“ Alko­hol­kon­sum ist schlei­chend und gefähr­lich. Meis­tens ste­hen ganz ande­re The­men dahin­ter – und genau die­se gilt es in The­ra­pien her­aus­zu­fin­den und zu lösen.“ Wie Leo­pold erklär­te, sei den meis­ten Men­schen nicht bewusst, wel­che unter­schied­li­chen gesund­heits­schäd­li­chen Fol­gen Alko­hol­kon­sum haben kön­ne. „Bekannt sind die Aus­wir­kun­gen auf Leber und Magen. Tat­säch­lich aber kön­nen alle Orga­ne betrof­fen sein – sehr oft das Herz und natür­lich das Gehirn.“ In der Sucht­kli­nik de la Tour – Kärn­ten ver­fügt damit über eine von nur drei Alko­hol-Sucht­kli­ni­ken in Öster­reich – wer­den laut Pri­ma­ria Leo­pold pro Jahr rund 350 Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten betreut. „Uns ste­hen 56 Bet­ten zur Ver­fü­gung.“

The­ra­pie­an­ge­bo­te

Von die­sem sta­tio­nä­ren Ange­bot abge­se­hen, habe Kärn­ten ein dich­tes Hilfs- und The­ra­pie­netz „Wir haben in allen Bezir­ken ambu­lan­te The­ra­pie­an­ge­bo­te eta­bliert“, sag­te die Gesund­heits­re­fe­ren­tin. Die Ange­bo­te sind im Sucht­hil­fe­kom­pass des Lan­des ange­führt (https://suchtvorbeugung.ktn.gv.at).

Ein gro­ßes Bier ok

Auf die Fra­ge, wel­che Men­ge an Alko­hol „unbe­denk­lich“ sei, zitier­ten Prett­ner und Adl­mann eine Reprä­sen­ta­tiv­erhe­bung von der Gesund­heit Öster­reich: Dem­nach sei bei Män­nern ein gro­ßes Bier oder ein Vier­tel Wein und bei Frau­en ein klei­nes Bier oder ein Ach­tel Wein pro Tag okay – bei zwei alko­hol­frei­en Tagen pro Woche.

05.05.2023 08:59 - Update am: 05.05.2023 10:02
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80.000 Kärnt­ner trin­ken zu viel Alko­hol Schleichender Alkoholkonsum kann gefährlich werden.

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