Experten-Tipps
Dating-Apps: Der neue Weg zur großen Liebe
Dating-Apps haben unser Liebesleben in vielfacher Weise bereichert. Stellt sich die Frage, ob wir überhaupt noch auf normalem Weg einen Partner finden können. „KLiCK“-Kärnten hat bei Psychotherapeutin Melanie Mercedes Scherzer nachgefragt.
Die Möglichkeiten, mit dem Gegenüber in Kontakt zu treten, haben sich die letzten Jahre zunehmend digitalisiert. Aktuell wird uns vermittelt, dass Dating-Apps der normale Weg sind Menschen kennenzulernen. Doch meist ist es genau das Gegenteil und alles andere als eine Erleichterung. „Profile, die mit einem Wisch wieder vergessen sind, vermitteln unzählige Möglichkeiten“, erklärt Psychotherapeutin Melanie Mercedes Scherzer.
Wunsch nach Optimierung
Den Wunsch nach Optimierung — im Sinne der Suche nach dem idealen Partner, Seitensprüngen, unverbindlichen Begegnungen genauso wie verbindlichen fixen Partnerschaften und alles was noch gesucht wird — hat es schon vor dem digitalen Zeitalter gegeben. „Die Dating-Apps machen es nur sichtbarer und die vermeintlich wahrgenommene Distanz über den Bildschirm senkt die Hemmschwelle bei der Suche genauso wie beim „ghosten“ (wortloser Kontaktabbruch) des Gegenübers“, meint Scherzer.
Liebe als „Wegwerf“-Produkt
Wir sind dafür verantwortlich, dass Liebe zum Wegwerf-„Produkt“ degradiert wird. Nämlich, wenn wir Dating-Apps unter dem Vorspielen falscher Tatsachen verwenden. Nicht umsonst stellen die Apps unter der Kategorie was suchst du (Tinder: Feste & ernsthafte Beziehung, feste Beziehung mal sehen, nix Ernstes offen für Festes, nichts Ernstes, neue Freunde finden oder weiß ich noch nicht) genügend treffende ehrliche Auswahlmöglichkeiten dar. Enttäuschte Hoffnungen verbittern besonders.
Blick hinter die Maskerade
Auf den Plattformen, stellt jeder das Beste von sich selbst zur Show. Wie schafft man es, die wahre Person hinter der Maskerade herauszufiltern, das ist die große Frage. Durch das Durchklicken von Fotos wird es sicher nicht gelingen. Egal wie viele Fotos eine Person online stellt, die inneren Werte einer Person findet man nicht digital. „Dafür braucht es die richtigen, manchmal auch unangenehmen Fragen im richtigen Leben, im direkten Kontakt. Wie fühle ich mich in Gegenwart dieses Menschen und wie lebt mein Gegenüber Beziehung.

Perfektion gibt es nicht
Auf der Suche nach dem perfekten Match, swipen wir uns durch die App. Perfektion ist eine Begrenzung, sie schränkt mich ein und gibt mir ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle. Wir sind alle auf der Suche nach Beziehung. „Die Suche nach dem perfekten Match ist oft die Frage, wer mir meine Bedürfnisse abdecken kann. Womöglich ist niemand gut genug. Die unendliche Suche kann auch ein Zeichen meiner eigenen Unzufriedenheit, genauso wie ein Hinweis auf Angst vor Bindung. Die Auseinandersetzung mit mir selbst, wäre ein guter Weg, das passende Match zu finden.“
Realer Kontakt ist unverzichtbar
Eine Beziehung auf Lügen aufzubauen spricht gegen den langfristigen Erhalt dieser. Natürlich kann es in der Oberflächlichkeit der Dating-Apps helfen ein fake Match zu generieren, wie lange die Haltbarkeit in der realen Welt ist und ob es dann ein zweites Date gibt bleibt allerdings fragwürdig. „Aus therapeutischer Sicht würde ich immer an der Selbstakzeptanz und einem positiven Selbstbild arbeiten um die Notwendigkeit der falschen Selbstdarstellung obsolet zu machen. Im echten Leben sind authentische Personen mit einem positiven Selbstwert immer anziehender und interessanter als fake Inszenierungen“.