WIFO-Studie

Ener­gie­prei­se brem­sen Kärnt­ner Indus­trie

Sorge um Wirtschaftsstandort: Stromkosten, Bürokratie und Demografie belasten die Wettbewerbsfähigkeit, klagt die Wirtschaftskammer. Wirtschaftskammer-Präsident Mandl und Wirtschaftskammer-Industriespartenobmann Velmeden rufen eindringlich nach Energieversorgungssicherheit zu wettbewerbsfähigen Preisen. Sonst droht der Kollaps.

Ener­gie­prei­se brem­sen Kärnt­ner Indus­trie Wirtschaftskammer Kärnten Präsident Jürgen Mandl (links) und Industrie-Spartenobmann Michael Velmeden (rechts) sorgen sich um den Wirtschaftsstandort: Stromkosten, Bürokratie und Demografie belasten die Wettbewerbsfähigkeit.

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Seit Wochen weist die Wirt­schaft auf die dra­ma­ti­schen Fol­gen der nach wie vor hohen Ener­gie­prei­se hin. Nun hat es auch die Kärnt­ner Wirt­schafts­kam­mer in einer WIFO-Stu­die schwarz auf weiß: Blei­ben die Ener­gie­prei­se auf dem aktu­el­len Niveau, bedeu­tet das für die hei­mi­sche Sach­gü­ter­in­dus­trie einen Rück­gang um zwei bis drei, bei wei­te­ren Schocks – etwa im Zusam­men­hang mit dem Krieg Russ­lands gegen die Ukrai­ne – sogar bis zu fünf Pro­zent. Wirt­schafts­kam­mer­prä­si­dent Jür­gen Man­dl: „Wir ver­ges­sen offen­bar, dass wir uns im Wett­be­werb mit der Welt befin­den. Die­se Situa­ti­on ist extrem schäd­lich für den Wirt­schafts­stand­ort Kärn­ten.“

Büro­kra­ti­sche Ver­stei­ne­rung

Die Ener­gie­preis­explo­si­on, die aus der mitt­ler­wei­le jah­re­lan­gen Unfä­hig­keit der euro­päi­schen Poli­tik ent­stan­den sei, die Preis­bin­dung von Strom und Gas zu ent­kop­peln (Merit-Order), sei aber nicht die ein­zi­ge Bedro­hung für den Stand­ort Euro­pa und damit auch Öster­reich. Min­des­tens eben­so pro­ble­ma­tisch sei die büro­kra­ti­sche Ver­stei­ne­rung, die mit immer mehr Vor­schrif­ten immer mehr Ver­wal­tungs­per­so­nal und damit immer höhe­re Büro­kra­tie­kos­ten bei gleich­zei­tig lang­sa­me­ren Abläu­fen bedeu­te. „Mit die­sem Ver­ständ­nis von Selbst­ver­wal­tung wer­den wir im Wett­be­werb mit den USA oder mit Asi­en nie­mals bestehen kön­nen“, sagt Man­dl.

Die Fol­ge: Inves­ti­tio­nen fin­den nicht in Kärn­ten oder in Euro­pa, son­dern anders­wo statt; eben in den USA oder Asi­en, wo die Strom­prei­se ein Fünf­tel jener in Euro­pa betra­gen und zusätz­lich die Lohn­kos­ten erheb­lich nied­ri­ger sind. Man­dl erin­ner­te an den jüngs­ten IMD-Report zur Wett­be­werbs­fä­hig­keit, in dem Öster­reich, 2007 noch an elf­ter Stel­le, nur mehr auf Platz 24 ran­gie­re: „Das sind nicht nur tro­cke­ne Zah­len irgend­ei­ner für die meis­ten Men­schen unin­ter­es­san­ten Sta­tis­tik: Das sind lau­te Alarm­si­gna­le für jeden Ein­zel­nen von uns, den die­ser Absturz beruf­li­che Ent­wick­lungs­chan­cen, Ein­kom­men, lang­fris­tig sozia­le Sicher­heit und Lebens­qua­li­tät kos­tet.“

Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Indus­trie in Gefahr

Indus­trie-Spar­ten­ob­mann Micha­el Vel­me­den warnt vor einer Schwä­chung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Indus­trie und sieht den Wirt­schafts­stand­ort Kärn­ten in Gefahr. „Wir ste­hen vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen, der Indus­trie­stand­ort Kärn­ten könn­te bei anhal­tend hohen Ener­gie­prei­sen an Attrak­ti­vi­tät ver­lie­ren“, sagt Vel­me­den. Die hohen Ener­gie­kos­ten wir­ken sich auch auf den Export aus und kos­ten Kärn­ten mas­siv Markt­an­tei­le im inter­na­tio­na­len Waren­ver­kehr. Eine Wei­ter­ga­be an die Kun­den ist nur ein­ge­schränkt mög­lich. Die Beein­träch­ti­gung der inter­na­tio­na­len Wett­be­werbs­fä­hig­keit durch die Ener­gie­kos­ten betrifft nahe­zu alle Bran­chen. Vel­me­den: „Es sind längst nicht mehr nur die ener­gie­in­ten­si­ven Indus­trie­be­trie­be betrof­fen. Neben den Ener­gie­kos­ten sind auch die Agrar- und Erzeu­ger­prei­se in die Höhe geschnellt.“

Ener­gie­ver­sor­gung zu fai­ren Prei­sen

Der Spar­ten­ob­mann drängt auf eine siche­re Ener­gie­ver­sor­gung zu wett­be­werbs-fähi­gen Prei­sen. Eines skiz­zier­te Vel­me­den deut­lich: „Die Arbeits­plät­ze in der Indus­trie sind in gro­ßer Gefahr. Wenn die Ener­gie­prei­se wei­ter in schwin­del­erre­gen­de Höhen klet­tern, kön­nen vie­le Betrie­be die exor­bi­tan­ten Lohn­ab­schlüs­se nicht mehr ver­kraf­ten.“ Geplan­te Inves­ti­tio­nen wur­den von vie­len bereits auf Eis gelegt. Auch Stand­ort­ver­la­ge­run­gen, wie etwa in der Che­mie­bran­che oder bei Auto­zu­lie­fe­rern, ste­hen im Raum oder sind bereits auf den Weg gebracht. Natür­lich kön­ne man die Unter­neh­men mit Sub­ven­tio­nen über­häu­fen, die sie selbst zah­len, aber geziel­te För­de­run­gen im Kapi­tal- oder Pro­zess­be­reich wür­den vie­le ent­las­ten. „Wir müs­sen über Alter­na­ti­ven nach­den­ken, um unse­re Unab­hän­gig­keit zu lösen.“

Kon­kre­te Maß­nah­men gefor­dert

Um auf Ener­gie­preis­schocks zu reagie­ren, for­dert Vel­me­den kurz­fris­ti­ge Maß­nah­men wie den Ener­gie­kos­ten­zu­schuss, die Ein­füh­rung eines Indus­trie­strom­prei­ses auf euro­päi­scher Ebe­ne sowie die Schaf­fung eines güns­ti­gen regu­la­to­ri­schen Umfelds für lang­fris­tig not­wen­di­ge Inves­ti­tio­nen: „Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren müs­sen drin­gend beschleu­nigt wer­den.“ Sau­er stößt Vel­me­den auch auf, dass die Lan­des­haupt­stadt Kla­gen­furt jedem Haus­halt und damit auch jedem Indus­trie­be­trieb zusätz­lich zum dras­tisch erhöh­ten Strom­preis noch eine „Benüt­zungs­ab­ga­be“ von 6 Pro­zent ver­rech­net. Bei ener­gie­in­ten­si­ven Betrie­ben sind das fünf­stel­li­ge Beträ­ge pro Monat. Vel­me­den: „Das ist abso­lut sach­fremd und belas­tet jeden Unter­neh­mer.“

 

04.08.2023 12:00
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Ener­gie­prei­se brem­sen Kärnt­ner Indus­trie Wirtschaftskammer Kärnten Präsident Jürgen Mandl (links) und Industrie-Spartenobmann Michael Velmeden (rechts) sorgen sich um den Wirtschaftsstandort: Stromkosten, Bürokratie und Demografie belasten die Wettbewerbsfähigkeit.

© WKK/Studio Horst