Obdachlosen-Heim

Egger­heim in Kla­gen­furt fei­ert 40. Geburts­tag

Das „Eggerheim“ in Klagenfurt – die Tagesstätte für obdach- und wohnungslose Menschen der Caritas Kärnten – ist 40 Jahre alt.  Viel hat sich im Laufe der Zeit verändert, die nachhaltige Hilfe ist gleichgeblieben.

Egger­heim in Kla­gen­furt fei­ert 40. Geburts­tag Caritasdirektor Sandriesser und der ehemalige Caritasdirektor Omelko mit Sozialarbeiter Göhler und einem Eggerheim-Besucher

© Caritas/Johannes Leitner

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Das „Egger­heim“ ist für Men­schen wie Kurt G. letz­ter Halt am Ende eines schwe­ren Lei­dens­we­ges. Eine Kind­heit und Jugend in Armut mit sexu­el­lem Miss­brauch und Gewalt ver­ur­sach­ten bei ihm Trau­ma­ta, lie­ßen den Mann psy­chisch krank wer­den. Ein lan­ger Absturz folg­te: abge­bro­che­ne Aus­bil­dung, gele­gent­li­che Hilfs­ar­bei­ter­jobs, Dro­gen­sucht, von der Freun­din vor die Tür gesetzt; plötz­lich auf der Stra­ße. So oder ähn­lich wie Kurt G. geht es nicht weni­gen obdach­lo­sen Men­schen, die in die Woh­nungs­lo­sen­ta­ges­stät­te „Egger­heim“ der Cari­tas Kärn­ten kom­men. Hier erhal­ten sie ein­fühl­sam und pro­fes­sio­nell Unter­stüt­zung – mög­lichst schnell, unbü­ro­kra­tisch und das seit 40 Jah­ren.

Hil­fe im wirt­schaft­li­chen Abschwung

1983 wur­de auf Initia­ti­ve des dama­li­gen Cari­tas­di­rek­tors Vik­tor Omel­ko in der Kauf­mann­gas­se 6 das „Egger­heim“ eröff­net und zwar in jenem Gebäu­de, das dank Stif­te­rin Maria The­re­sia Egger bis 1974 eine Wohn­stät­te für ange­hen­de Leh­rer war. Omel­ko erin­nert sich an die Anfän­ge der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe: „Es war eine Zeit des wirt­schaft­li­chen Abschwungs mit hoher Arbeits­lo­sig­keit. Unse­re Sozi­al­be­ra­tung wur­de gestürmt – auch von vie­len unste­ten und obdach­lo­sen Men­schen. Da ent­stand der Gedan­ke der Tages­stät­te. Wir haben mit klei­nen Schrit­ten begon­nen, die Räu­me her­zu­rich­ten. Als­bald gab es eine Küche, in der die Leu­te kochen und sich somit selbst ver­pfle­gen konn­ten. Auf­ga­be der Mit­ar­bei­ter war es, den Kli­en­ten über den Tag zu hel­fen und für sie eine Woh­nung zu fin­den. Das hat funk­tio­niert.“

Im Wan­del der Zeit

Schon bald wur­de im „Egger­heim“ auch eine klei­ne Not­schlaf­stel­le – die „Gruft“ – ein­ge­rich­tet, in der in der Anfangs­zeit rund 60 Men­schen jähr­lich näch­tig­ten. Damals besuch­ten 370 Men­schen pro Jahr die Tages­stät­te und hol­ten sich in 1.280 Vor­spra­chen Hil­fe. Auf­grund des stei­gen­den Bedarfs wur­de die Tages­stät­te 1990 zum ers­ten- und 2016 zum zwei­ten Mal um- und aus­ge­baut. Vor sie­ben Jah­ren wur­de auch eine Lebens­mit­tel­aus­ga­be ein­ge­rich­tet und das Käl­te­te­le­fon ein­ge­führt. 2021 ent­stand im Ober­ge­schoß der Tages­stät­te die „Not­schlaf­stel­le neu“ im Auf­trag der Stadt Kla­gen­furt.

Offe­ne Türen statt Aus­gren­zung

Cari­tas­di­rek­tor Ernst Sand­ries­ser macht auf die Ursa­chen von Obdach­lo­sig­keit auf­merk­sam: „Dar­un­ter ver­ste­hen Men­schen für gewöhn­lich, dass jemand kei­ne Woh­nung hat, kein Dach über dem Kopf. Doch dahin­ter ver­birgt sich mehr als ein mate­ri­el­ler Ver­lust. Bevor jemand obdach­los wird, haben Men­schen schon einen Lei­dens­weg hin­ter sich. Arbeits­lo­sig­keit, psy­chi­sche Erkran­kun­gen, Ein­sam­keit oder Sucht­pro­ble­ma­tik füh­ren letzt­end­lich Men­schen auf die Stra­ße. Sie haben nie­man­den mehr und ste­hen am Ran­de der Gesell­schaft. Sie sind oft voll­stän­dig aus­ge­grenzt. Die­se Men­schen unter­stüt­zen und betreu­en wir aktiv. Erfreu­lich oft schaf­fen Betrof­fe­ne den Weg zurück in eine men­schen­wür­di­ge­re Exis­tenz.“ – Wie Kurt G. Mit­hil­fe der Cari­tas-Mit­ar­bei­ter gelang es ihm, eine klei­ne Woh­nung zu mie­ten. Obwohl er extern wohnt, hat Kurt G. in der Tages­stät­te eine „(Ersatz-)Familie“ gefun­den. Hier trifft er sich wei­ter­hin mit Sei­nes­glei­chen zu Kaf­fee und Plausch. Hier­her kommt er oft zum Mit­tag­essen.

Adres­se, aber amt­lich obdach­los

Die Türen des „Egger­hei­mes“ – es ist neben ehe­ma­li­gen Obdach­lo­sen auch für Men­schen mit psy­cho­so­zia­ler Insta­bi­li­tät zu einem „gro­ßen Wohn­zim­mer“ in Kla­gen­furt gewor­den – ste­hen obdach- und woh­nungs­lo­sen Men­schen 365 Tage im Jahr und nahe­zu rund um die Uhr weit offen. Die Tages­stät­te bie­tet neben den Mög­lich­kei­ten zu duschen, Wäsche zu waschen, sich ein­fach nur auf­zu­hal­ten und eine war­me Mahl­zeit zu bekom­men, auch eine Mel­de­adres­se an. Drei haupt­be­ruf­li­che Mitarbeiter*innen und drei Zivil­die­ner küm­mern sich unter und mit Fach­be­reichs­lei­te­rin Schwes­ter Mar­ga­re­te Trauß­nig und einem Team von Frei­wil­li­gen um Wohl und Betreu­ung der Besu­cher. Sie unter­stüt­zen sie bei der mate­ri­el­len Grund­ver­sor­gung und mit Sozial‑, psy­cho­lo­gi­scher und psy­cho­so­zia­ler Bera­tung; beglei­ten sie bei Behör­den­we­gen; hel­fen ihnen bei der Mit­tel­ver­wal­tung und Schul­den­re­gu­lie­rung; ver­mit­teln medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und The­ra­pien; hel­fen bei der Suche nach einer Woh­nung und danach, damit sie „gehal­ten“ wer­den kann.

Gestie­ge­ne Zah­len

Im Lau­fe der Jah­re mach­te sich das Phä­no­men einer neu­en Obdach- bezie­hungs­wei­se Woh­nungs­lo­sig­keit bemerk­bar. Denn besuch­ten vor 20 Jah­ren noch 550 Betrof­fe­ne im Jahr das „Egger­heim“, so sind es mitt­ler­wei­le rund 800 Men­schen jähr­lich. Die täg­li­chen Vor­spra­chen betru­gen im Jahr 2003 11.066 und der heu­ti­ge Stand beläuft sich auf 23.011, was einer Ver­dop­pe­lung gleich­kommt. Schwes­ter Mar­ga­re­te Trauß­nig und Cari­tas-Sozi­al­ar­bei­ter Mar­tin Göh­ler begrün­den das unter ande­rem mit der ver­än­der­ten Gesell­schaft: „Zum einen sind Leben und Über­le­ben auf der Stra­ße man­gels Akzep­tanz här­ter gewor­den, zum ande­ren ste­hen mehr als 50 Pro­zent der Men­schen, die auf­grund von Tren­nun­gen in die Obdach­lo­sig­keit rut­schen, zumin­dest kurz­fris­tig ohne Woh­nung da. Sie wen­den sich an uns um Hil­fe. Wir ste­hen ihnen ger­ne und jeder­zeit zur Sei­te!“

 

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Fei­er­ten 40 Jah­re Woh­nungs­lo­sen­hil­fe: Cari­tas­di­rek­tor Ernst Sand­ries­ser (Zwei­ter von rechts), sein Vor-Vor­gän­ger Vik­tor Omel­ko (rechts), Fach­be­reichs­lei­te­rin Sr. Gre­te Trauß­nig (Vier­te von rechts), Lan­des­rä­tin Bea­te Prett­ner (Drit­te von rechts), Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Schei­der (Drit­ter von links), und die Sozi­al­ar­bei­ter Mar­tin Göh­ler und Simo­ne Wulz
© Caritas/Johannes Leit­ner

Nach­hal­ti­ge Hil­fe

Heu­te gibt es neben der Tages­stät­te, der Not­schlaf­stel­le und der Lebens­mit­tel­aus­ga­be auch das St. Not­bur­ga Wohn­haus, das leist­ba­res Woh­nen bie­tet. Zusätz­lich sind die Pro­jek­te der Woh­nungs­si­che­rung (WOSIK) Delo­gie­rungs­prä­ven­ti­on und „housing first- zuhau­se ankom­men“ zu wich­ti­gen Berei­chen der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe im Rah­men der pro­fes­sio­nel­len Betreu­ung, Beglei­tung und nach­hal­ti­gen Hil­fe gewor­den.

„Gäbe es das Egger­heim nicht, man müss­te es erfin­den“

Das „Egger­heim“ fei­er­te am 12. Okto­ber 2023 mit einem Tag der offe­nen Tür für gela­de­ne Gäs­te sein Jubi­lä­um. Mit­ge­fei­ert haben auch Kla­gen­furts Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Schei­der und Lan­des­rä­tin Bea­te Prett­ner als Vertreter*innen von Stadt und Land, die in der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe mit der Cari­tas zusam­men­ar­bei­ten. „Hier wird unglaub­lich wich­ti­ge Arbeit für die Gesell­schaft geleis­tet. Gemein­sam konn­ten wir schon vie­len Men­schen hel­fen“, freu­te sich Schei­der. Und Prett­ner hob die Ein­zig­ar­tig­keit die­ser Ein­rich­tung in Kärn­ten her­vor, lob­te die unbü­ro­kra­ti­sche, nie­der­schwel­li­ge Hil­fe und fand: „Gäbe es das Egger­heim nicht, man müss­te es erfin­den!“

Dan­ke an Spen­der und Mit­ar­bei­ter

Die Stadt finan­ziert die Not­schlaf­stel­le. Stadt und Land kom­men zur Hälf­te für die Kos­ten des „Egger­hei­mes“ auf, den Rest finan­zie­ren die Spen­der der Cari­tas. Deren Direk­tor Sand­ries­ser dank­te allen Unter­stüt­zer für Geld‑, Zeit- und Sach­spen­den und allen Mit­ar­bei­ter für Ein­satz und Enga­ge­ment. Ein­ge­la­den und zum Tag der offe­nen Tür gekom­men sind auch Spen­der, um sich ein Bild davon zu machen, wie ihre Spen­den wirk­sam wer­den. Die lang­jäh­ri­ge Spen­de­rin Anna S. mein­te: „Ich unter­stüt­ze ger­ne die Woh­nungs­lo­sen­hil­fe, denn jede und jeder von uns kann in so eine Not­la­ge kom­men. Ich ver­traue der Cari­tas und konn­te mich heu­te über­zeu­gen, wie wert­voll jeder Euro ist, den ich spen­de.“

So kann gehol­fen wer­den 

„Wer unse­re Arbeit unter­stüt­zen möch­te, kann uns über den Wir hel­fen Shop einen vir­tu­el­len Geschenk­korb zukom­men las­sen. Wir kau­fen damit drin­gend benö­tig­te Din­ge, die wir nicht als Sach­spen­den vor­rä­tig haben und die gera­de drin­gend gebraucht wer­den. Dan­ke!“, sag­te Sr. Gre­te.

https://wirhelfen.shop/eggerheim/

 

 

 

13.10.2023 11:00
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Egger­heim in Kla­gen­furt fei­ert 40. Geburts­tag Caritasdirektor Sandriesser und der ehemalige Caritasdirektor Omelko mit Sozialarbeiter Göhler und einem Eggerheim-Besucher

© Caritas/Johannes Leitner