Stadtgeschichte
Wieso hat Klagenfurt einen Hafen?
Die Lend hat eine spannende Vergangenheit, die aber heutzutage kaum noch jemand kennt. Eine Ausstellung in der Hafenstadt widmet sich nun der spannenden Geschichte des Lendkanals und des Hafens unweit der Klagenfurter Innenstadt.
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Täglich gehen zahlreiche Klagenfurter am Lendkanal entlang oder setzen sich in eines der Lokale am Lendhafen. Die wenigsten davon sind sich bewusst, wieso die Landeshauptstadt einen Kanal vom Wörthersee in die Innenstadt hat und was sich hier im Laufe der Jahrhunderte abgespielt hat. Die Ausstellung “Lendg’schichten” in der Hafenstadt widmet sich deshalb der Geschichte des Kanals und des Hafens. “KLiCK Kärnten” hat eine der begleitenden Führungen mitgemacht und dabei viel Spannendes über die Geschichte Klagenfurts erfahren.
Bewegte Geschichte
“Die Geschichte des Lendkanals reicht bis ins Jahr 1527 zurück”, erzählt Susanne Schlager. Die staatlich geprüfte Fremdenführerin begleitet die aktuelle Ausstellung in der Hafenstadt mit Rundgängen beim Lendhafen. “Die Bauzeit betrug sieben Jahre, es müssen Hunderte Menschen daran mitgearbeitet haben.”

Aber wieso der riesige Aufwand? Damals gab es natürlich noch keine modernen Baumaschinen, das Ganze war also Schwerstarbeit. Auf diese Frage gibt es zwei Antworten.
Vom Stadtgraben zum Villacher Ring
Im Jahre 1518 hat Kaiser Maximilian die Stadt Klagenfurt den Kärntner Landständen geschenkt – mit der Auflage, die Stadt nach einem verheerenden Feuer wieder aufzubauen und zu befestigen. Denn: Zu dieser Zeit waren die Osmanen eine ernsthafte Bedrohung, von den “Türkenbelagerungen” hat wohl jeder Österreicher in der Schule gehört. “Zur Befestigung gehörte neben der Stadtmauer auch der Stadtgraben”, erzählt Schlager.

Der Graben wurde 40 Meter breit und sieben Meter tief gebaut, man benötigte also viel Wasser für die Befüllung. Der Wörthersee wurde daher als Quelle für die Einspeisung benötigt. “Der Graben wurde von zwei Armen der Glan und vom Lendkanal gespeist. Meist war das Wasser darin zwei Meter tief”, so Schlager. Aber was blieb vom einstigen Stadtgraben übrig? “Der Graben wurde im 19. Jahrhundert eingedeckt und ist noch heute Teil der Kanalisation”. Darüber verläuft übrigens der Villacher Ring.
Transportweg für den Handel
Neben seiner Funktion als Quelle für die Befüllung des Stadtgrabens hatte der Kanal noch einen wichtigen Zweck, denn die Lend war ein wichtiger Verkehrsweg für den Handel. “Das Land in und rund um Klagenfurt war schon immer feucht und sumpfig und es gab noch keine Straßen wie heute. Man brauchte aber Transportwege”, so die Fremdenführerin.

Der Holzhandel war eine wichtige Einkommensquelle für die Kärntner Landstände, die lange Zeit ein Monopol dafür hatten. Entlang der Lend brachten Schiffe daher das Holz und andere Baumaterialien in die Stadt. Kein Wunder also, dass der Lendkanal lange Zeit als “Holzkanal” bezeichnet wurde. Der Lendhafen war also tatsächlich ein wichtiger Hafen für die Landeshauptstadt.
Belebtes Arbeiterviertel
Wo der Handel floriert, da spielt sich natürlich auch das Leben ab. Zu manchen Zeiten gab es 15 Gasthäuser im Lendviertel, das lange Zeit ein reines Arbeiterviertel war. “Neben Hafenarbeitern lebten dort Fiaker und Kutscher, die das Holz und später die feineren Herrschaften in die Stadt brachten”, erzählt Schlager. Mit dem Aufkommen der Automobile wurden sogar kurzzeitig Autos entlang des Lendkanals gebaut.

Außerdem gab es beim Lendhafen bis zu einem Brand im Jahr 1728 das “Schiffshaus”, in dem tatsächlich Schiffe gebaut wurden. Ab 1853 verkehrten zudem Dampfschiffe zwischen Velden und dem Lendhafen. Und ein “Klagenfurter Original” bleibt bis heute in Erinnerung: Die Ratsch-Thresl, die nahe des Lendhafens gewohnt hat.
Die “Ratsch-Thresl” von Klagenfurt
“Die Ratsch-Thresl bekam ihren Namen durch ihre lautstarke und freche Art als Marktfahrerin auf dem Neuen Platz”, sagt die Fremdenführerin. Ihr Stand war damals eine Art Nachrichtenzentrale der Stadt sowie ein Zentrum für Arbeitsvermittlung und soziale Hilfsleistungen.

Als die Frau im Alter erkrankte, wurden Sammel- und Spendenaufrufe für sie in den Zeitungen geschaltet. Die Ratsch-Thresl, eine begeisterte Anhängerin der damaligen Monarchie, verstarb 1912.
Ausstellung bis 23. November
In den Räumen der Hafenstadt sind bis zum 23. November noch Bilder, Zeitungsartikel und Modelle zu sehen, welche die Geschichte des Lendhafens aufarbeiten und veranschaulichen. Der Eintritt ist frei. Wie die Geschichte des Lendhafens weiter geht kann niemand so genau sagen, der kein Hellseher ist. Aber eines steht bereits fest: In der Adventszeit wird es dort einen Wochenendmarkt geben, der auf Regionalität setzt und auf Fertigprodukte aus dem Großmarkt verzichten wird.