Bankomaten-Schwund
Wenn kein Geld mehr „gespuckt“ wird
Da ist guter Rat teuer: In zwölf Kärntner Gemeinden gibt es weder ein Kreditinstitut noch einen Bankomaten. Kärntner Gemeindevertreter schlagen deshalb Alarm und befürchten eine weitere Aushöhlung des ländlichen Raumes.
In zwölf Kärntner Gemeinden gibt es weder ein Kreditinstitut noch einen Bankomaten. © pixabay/Peggy Marco
Betroffene Bürgermeister resignieren, weil der reibungslose Tag-und-Nacht-Betrieb einer „Geldmaschine“ bis zu 25.000 Euro jährlich kosten soll – und sich die finanziell angeschlagenen Kommunen schwerlich entsprechende Zuschüsse für das Aufstellen der Banknoten „spuckenden“ Automaten leisten können.
Die SPÖ fordert Geldausgabeautomaten in jeder Gemeinde – auf Kosten der Banken. Bisher haben schon Gemeinden finanziell dazu beigetragen, dass so ein Automat erhalten bleibt. So fordert Günther Vallant, Bürgermeister von Frantschach-St. Gertraud: „Der ländliche Raum darf nicht weiter ausbluten!“ Die FP wirft den Roten allerdings Heuchelei vor, weil sie das Bargeld nicht in der Verfassung sehen wollen. Nun, eine Abwanderung vom ländlichen Raum hin zum Speckgürtel der Städte ist in unserem Bundesland wissenschaftlich belegt. Trotz aller Sonntagsreden verschiedener Politiker aller Parteien die Landflucht zu stoppen, geschieht kaum etwas. Die Zahl der Bergbauern nimmt ab, die Jugend sucht in Ballungsräumen „gute“ Jobs. Kaufhäuser, Postämter, Fleischer, Bankfilialen, Tankstellen, Polizeistationen, Gasthäuser, Schulen und sogar Filial-Kirchen schließen und werden nach wirtschaftlichen Verlusten zugedreht. Omnibus-Haltestellen und kleine Bahnhöfe verschwinden. Auch die öffentliche Hand will schließlich sparen. So manches Dorf präsentiert sich als „Geister-Ort“ mit unbewohnten Häusern. Auch die Idee von vermögenden Menschen, einen Vorzeige-Bauernhof zu erwerben um damit etwas „Heile Welt“ zu demonstrieren, kann den Trend nicht stoppen. Der ländliche Raum wird ausgehungert. Und die VP? Sie scheint die Landflucht zu verschlafen, dabei wäre dieses Thema gerade ihre Kernkompetenz. Mit seichten Schuhplattler-Truppen und hübschen Landjugend-Veranstaltungen wird man kein Rezept gegen mangelnde Infrastruktur finden.
Bürger, die wegen eines fehlenden Bankomaten auf ein sofort verfügbares Bargeld verzichten müssen, wären mittlerweile im täglichen „Finanz-Tango“ benachteiligt, meinen Kritiker. Zudem würden jene, die aus einem Automaten von ihrem Konto die gewünschte Summe abheben, die Mittel vor Ort ausgeben – also in anderen Gemeinden. Zyniker stellen bereits die bösartige Frage, warum man sich über fehlende Apparate aufregt, wenn man das abgehobene Geld ohnehin wegen mangelnder Möglichkeiten nicht sofort ausgeben könne. Nicht einmal in einem Wirtshaus. Folgende Kärntner Gemeinden besitzen derzeit keinen Bankomaten: St. Margarethen i. R., Micheldorf, Zell, Mölbling, Baldramsdorf, Mörtschach, Feistritz/Gail, Hohenthurn, Fresach, Stockenboi, Neuhaus und Diex. Die Bewohner müssen auf Kreditkarten zurückgreifen oder das Abheben in einer entfernter Bank-Filiale nützen. Bestellungen am Computer sind hingegen kein Problem. Patrick Skubel, Bürgermeister von Neuhaus, kämpft um einen „Geld-Spucker“. Er will seinen Bürgern nicht zumuten, dass sie kilometerweit zu einem Automaten pilgern müssen. Als leider nicht reiche Gemeinde könne man sich aber eine finanzielle Beteiligung kaum vorstellen, so das Gemeindeoberhaupt in einem Interview. Tja, wenn Geld Geld kostet….

Derzeit wird in der EU laut über weitere Zahlungsmöglichkeiten nachgedacht: Über den digitalisierten Euro, der mit der Kypto-Währung nichts zu tun hat. Experten rechnen mit einer Einführung frühestens im Jahre 2028. Das Bargeld bleibt, wenn es die Verbraucher nutzen, so die zuständige Europäische Zentralbank (EZB). Wer entscheidet allerdings darüber, ob es genutzt wird? Mit dem digitalen Euro sollen künftig Kunden von Einzelhändlern sogar Bargeld ausgehändigt bekommen können, ohne dass sie etwas kaufen. Wo es aber keine Händler mehr gibt, geht das ja nicht. Während bei Kreditkarten Gebühren anfallen, soll der digitale Euro als elektronische Geldbörse gebührenfrei, anonym und voller Datenschutz bleiben. Ob das eine Abwanderung lindern kann? Schwer zu sagen. Laut einer Studie der Fachhochschule wird die Einwohnerzahl in Kärnten in den nächsten 30 Jahren um 22.460 Menschen sinken, nur der Zentralraum wächst. Besonders betroffen sei Oberkärnten, auch Bezirksstädte zählen zu den Verlierern. Gewinner, zumindest was den Bevölkerungszuwachs betrifft, bleiben der Raum von Klagenfurt und Villach. Auch der Anteil junger Menschen sinkt. Die Politik müsse handeln, fordern Experten immer wieder. Die größten Personen-Zuwächse verzeichnete Magdalensberg, gefolgt von Köttmannsdorf und Maria Rain, die größten Verluste Ossiach, Steuerberg und Hüttenberg. Eisenkappel und Stall zählen zu den drastischen Landflucht-Gemeinden, völlig gleich bleibt Afritz. Zurück zur „Kohle“, zur „Marie“, zum „Flieder“– ohne Geld ka Musi. Und Maßnahmen gegen die katastrophale Abwanderung kosten Millionen – für gezielte Maßnahmen und eine passende Infrastruktur. Man könnte bei Bankomaten beginnen. Frei nach dem Motto von Aristoteles Onassis: „Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muss ihm entgegengehen“. Der Mann hatte leicht lachen – er war Milliardär.