Franz Felsberger
„Abwehrkampf gegen Gas-Dampf-Kraftwerk ging an meine Substanz“
Nach 21 Jahren verließ Franz Felsberger mittlerweile den Bürgermeister-Sessel in der Marktgemeinde Ebenthal. Für uns blickte er nochmal zurück.
KLiCK Kärnten: Warum glauben Sie, dass Neo-Bürgermeister Christian Orasch bei der Gemeinderatswahl so erfolgreich abgeschnitten hat? Er kam auf 79,7 Prozent, die SPÖ Ebenthal auf 68,6 Prozent.
Franz Felsberger: Der Wahlsieg war weniger auf die neue Periode aufgebaut, auf die neue Partei, auf den neuen Bürgermeister. Es wirkt sicher auch mit hinein, dass in den letzten Jahren viel passiert ist. Alleine die Straße in Ebenthal, eine lange Baustelle, ist jetzt ein schönes Tor zu Klagenfurt. Der Radweg wurde in drei Meter Breite ausgeführt. Die Brücke nach St. Margareten wurde saniert … Alleine im letzten Jahr ist trotz Corona viel passiert. Die Bevölkerung hat das mitbekommen. Wir stehen auch nach wie vor finanziell recht gut da, obwohl Corona jeder Gemeinde Substanz kostet.
Aber Orasch war auch ein guter Kandidat, er war Feuerwehr-Kommandant, er war zwei Jahre bei meinem Vorgänger in der Politik, also auch immer politisch interessiert, sehr oft bei den Gemeinderatssitzungen… Er ist ein Mensch, der unter die Leute geht. Damit hat er sicher auch gepunktet. Und er hatte keine Gegner.
Die SPÖ hat aber auch ein gutes Team aufgestellt. Einige haben aufgehört – wie ich –, einige sind neu dabei, es gibt Junge, Frauen. Das ist eine gute Mannschaft, eine Mischung ist drinnen. Jetzt ist das Team gefordert!
Welchen Ratschlag haben Sie für Christian Orasch, Ihren Nachfolger?
Als Bürgermeister nicht so politisch agieren, sondern für die Bürger da sein! Wenn jemand beim Bürgermeister-Büro hinausgeht, soll er wissen, dass der Bürgermeister alles daran setzt, sein Problem zu lösen. So habe ich es immer gehalten. Ich habe in 21 Jahren drei Personen aus meinem Büro geworfen, weil sie nicht einsehen wollten, dass Allgemein- vor Eigeninteresse steht.
Werden Sie in beratender Forum weiterhin zur Verfügung stehen?
Natürlich, das ist kein Thema.
Ich habe in 21 Jahren drei Personen aus meinem Büro geworfen, weil sie nicht einsehen wollten, dass Allgemein- vor Eigeninteresse steht.
Franz Felsberger
ehemaliger BürgermeisterWie lief die Zusammenarbeit in der Gemeinde während Ihrer Amtszeit?
Schön. Wir haben ein tolles Team in jedem Bereich im Amt. Und auch politisch hat es bis auf ein paar Kleinigkeiten in 21 Jahren nichts Wesentliches gegeben. Mit der Routine achtet man darauf, alles auf einen Nenner zu bringen. Mein Grundprinzip war immer, alle in ein Boot zu holen und nicht aufgrund der Mehrheit drüberzufahren. Wir haben großteils gemeinsame Beschlüsse gefasst. Auch in der Landesregierung lief die Zusammenarbeit immer recht gut.
Die Zusammenarbeit der SPÖ im Bezirk lief nicht immer so glatt…
Da bin ich etwas verärgert. Das war eine Katastrophe. 2013 wurde ich beleidigt, dann habe ich quasi keine Funktionen mehr angenommen. Ich wurde in einer Kampfabstimmung abmontiert. Dann habe ich die Freundschaft mit dem Bezirk aufgekündigt. Ich war immer gerne Vorsitzender des Sozialhilfeverbandes mit den beiden Bezirksaltenwohnheimen. 2018 wurde ich wieder „geholt“. Das war auch nicht astrein. Mir wurde von Ingo Appé (Anm.: Bürgermeister von Ferlach) gesagt, wenn ich von der Landtagsliste absehe, bekomme ich sofort wieder den Vorsitz des Sozialhilfeverbandes. Ich bekam ihn erst ein Jahr später, also 2018, als Appé Bundesrat wurde. Das finde ich nicht fair. Ich hoffe, dass mein Nachfolger politisch im Bezirk ein Machtwort spricht.
Was sind die wichtigsten Projekte – mittelfristig – für die Zukunft der Gemeinde?
Das wäre, die Sportstätte Ebenthal dementsprechend zu adaptieren. Und dazu steht natürlich auch das neue SPÖ-Team. Die Generalsanierung der Volksschule Ebenthal im nächsten Jahr ist auf Schiene. Es wird heuer nicht realisiert, weil es nur 500.000 Euro vom Schulbaufonds gegeben hätte. Wir hätten eine Million Euro vorfinanzieren müssen, da gingen wir nicht darauf ein. So gibt es nächstes Jahr zwei Millionen Euro und der Bau wird so kurz wie nur möglich dauern, um die Belastung der Kinder gering zu halten.
Dann geht es um die Masterpläne aufgrund des neuen Raumordnungsgesetzes. Im Laufen ist ein Masterplan im Jamnigweg, dort muss ein städtebauliches Konzept erstellt werden. Dort sollten in den nächsten Jahren rund 1.400 Einwohner angesiedelt werden, weiters kleine Geschäfte, Rechtsanwälte, Notare… Dort geht es um verdichtete Bauweise, alles mehrgeschoßig. Und auch die Buslinie sollte dann durch diesen neuen Bereich fahren. Ab nächstem Jahr sollten dort die Widmungen in Rechtskraft übergehen. Genossenschaften und Makler stehen schon Gewehr bei Fuß.
Was war Ihr größter Fehler?
Dass ich innerhalb der Bezirkspartei nicht alles verschriftlicht habe. Das war für mich schon ein Dämpfer, als Bürgermeister der größten Gemeinde im Bezirk. Diese Geschichte mit der Bezirkspartei (Anm.: als Vorsitzender des Sozialhilfeverbandes, siehe oben) war für mich die größte Enttäuschung, also die Politik im Bezirk.
Welche Funktionen bleiben Ihnen?
Jetzt gar keine. Ich will einmal ein Jahr nichts machen, abschalten, dann kommen vielleicht ehrenamtliche Funktionen hinzu. Ich hatte dazu jetzt schon Anfragen.

Worauf freuen Sie sich jetzt am meisten?
Auf meine Enkerl. Die Ältere freut sich, dass ich mehr Zeit habe. Ich bin auch gerne in der Natur, im Wald, arbeite gerne im Garten – beim Heckenschneiden kann ich abschalten. Zu Bürgermeister-Zeiten bin ich vor Stress-Situationen immer schon gerne in die Natur gegangen, oft stundenlang bei Schneefall auf den Radsberg. Da arbeitet man das Problem auf. Ich freue mich auf gemeinsame Radtouren, aufs Skifahren, Tennisspielen mit der Frau. Ich freue mich, ein bisschen Abstand zu bekommen.
Wo wird man Sie nach wie vor treffen?
Daheim, im Café Angie oder im Gasthaus Felsberger – oder auf dem Tennisplatz.
Wären Sie 20 Jahre jünger, würden Sie wieder kandidieren?
(wie aus der Pistole geschossen): Sofort! Ich will keinen Tag missen.
Ist Bürgermeister noch ein erstrebenswertes Amt?
Man wird sich etwas einfallen lassen müssen. Anonyme Anzeigen werden immer mehr. Mir hat es auch schlaflose Nächte bereitet, vor der Staatsanwaltschaft auszusagen, obwohl ich jedes Mal ein paar Tage später freigesprochen wurde. Aber es überwiegt sicher das Positive, die vielen Kontakte mit der Bevölkerung. Stolz bin ich auch darauf: In 21 Jahren bin ich zu jedem hohen runden Geburtstag persönlich gegangen. Das waren immer schöne Gespräche.

Meilensteine von Bürgermeister Franz Felsberger
Volksschulen in Gurnitz und Ebenthal:
- Es wurden Turnsäle gebaut, vorher gab es nur Gymnastikräume. „Das war mir, nachdem ich aus dem Sportbereich gekommen bin, ein großes Anliegen“, sagt Felsberger. „Ich bekam das damals ziemlich schnell bewilligt, weil relativ wenig Bauten beim Schulbaufonds eingereicht wurden.“
- Schulzusammenlegung: Unter Felsberger wurden die Schulstandort Radsberg und Mieger aufgelassen. „Da hatte ich einige schlaflose Nächte. Es war aber einfach erforderlich – aufgrund der Förderungen, die vom Land in Aussicht gestellt wurden. Wir hätten sonst die Erweiterung und Sanierung der Volksschule Gurnitz einschränken müssen. Im Nachhinein war das sicher der richtige Schritt, man hört nichts Negatives mehr.“
Kindergärten:
Es wurde viel in diesem Bereich investiert. Es gibt mittlerweile sieben Kindergarten-Gruppen mit jeweils 25 Kindern. Alle sind ausgebucht. Es gibt mittlerweile wieder eine lange Warteliste. Es bestehen weiters fünf Kleinkind-Gruppen (KITA-Gruppen).
Feuerwehren:
Alle vier Feuerwehren seien „gut aufgestellt und abgesichert“.
Gewerbepark:
Kurz vor Felsbergers Pensionierung wurden wieder 2.000 Quadratmeter vergeben. Von 2,3 Hektar sind aktuell zwei Hektar vergeben. Im Mai sollten die Verträge mit neuen Firmen unter Dach und Fach gebracht werden.
Wohnbau:
- Neue Wohnbauten in Niederdorf, in der Milesstraße, Koschatstraße…
- Eine Anekdote: „Die ersten Wohnbauten meiner Ära waren im Schlosspark – ein strittiges Projekt, bei dem noch mein Vorgänger involviert war. Bei der Ausschreibung ging einiges daneben, Ausschreibungen mussten storniert und es musste neu ausgeschrieben werden. Das war gleich in meinen Anfängen als Bürgermeister schwierig.“
- Noch immer verfügt Ebenthal über zu wenig Wohnungen. Es gibt laufend Anfragen.
Sportanlagen:
Die Sportanlagen wurden adaptiert – jene in Gurnitz ist auf dem modernsten Stand. Felsberger: „Schade ist, dass ich es in Ebenthal nicht mehr umsetzen konnte. Das hat mir auch viel Kritik eingebracht. Das lag aber am Vorstand des SC Ebenthal. 2014 wurde dort ein Naturdenkmal geschlägert und es folgte eine Anzeige bei der Naturschutzbehörde. Diese und das Widmungsverfahren liefen parallel. Erst vor ein paar Monaten wurde dieser Fall rechtlich abgeschlossen. Nun kann man am Sportplatz in Ebenthal investieren. Jetzt liegt es am Verein, ein Projekt einzureichen. Ich hoffe, dass dieses Projekt bald umgesetzt wird.“
Gas-Dampf-Kraftwerk in Klagenfurt an der Grenze zu Ebenthal:
Felsberger erzählt: „Das hat mich viele Nerven gekostet. Das waren 6,5 Jahre Abwehrkampf! Und es hat der Gemeinde rund 450.000 Euro an Rechtsanwalts- und Gutachter-Kosten gebracht. Im Nachhinein kann ich nur dem ehemaligen Amtsleiter Adolf Windisch und sämtlichen Bürgerinitiativen danken – einfach allen, die da mitgewirkt haben! Wir haben beim Bundesumweltsenat gegen einen Riesen gewonnen. Eigentlich müssten wir von der Stadt Klagenfurt eine Prämie bekommen, dass so ein Projekt verhindert wurde. Denn in Mellach haben sie es abgedreht. Es wäre eine enorme Beeinträchtigung der Lebensqualität gewesen, eine Wertminderung der Grundstücke… Das ging an meine Substanz – ich hatte 84 Ordner zum Thema.“
Ärzteversorgung:
„In diesem Bereich sind wir richtig gut aufgestellt – mit Kinderarzt, Zahnarzt, Hautarzt, praktischen Ärzten, die Apotheke ist ein Highlight weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Es gibt das Ärztehaus, wo auch die Polizei eingezogen ist. Es gibt noch einen Wunsch der Bevölkerung, das wäre ein Augenarzt.“
Weitere Meilensteine:
- Umbau des Amtshauses
- Bau des Mehrzweckhauses Gurnitz
- Bau des Ortszentrums Ebenthal
- Gehweg-Lückenschluss von Gurnitz bis zur Klagenfurter Stadtgrenze
- Wasserversorgung durch den Bau von zwei Tiefbrunnen und eines Hochbehälters für die nächsten Jahrzehnte gesichert
Steckbrief
Geburtstag: 11. Dezember 1956
Geboren in: Steuerberg
Familie: verheiratet, ein erwachsener Sohn, zwei Enkerl (vier Jahre und ein Jahr, Mädchen und Bub)
Ausbildung/Beruf:
- Hotelfachschule in Bad Hofgastein
- vier Jahre im Hotel Haas in Bad Gastein (Salzburg)
- seit 1981 selbständig
- 1987 Eröffnung des Tanzcafé F & C in Gurnitz (2003 Betrieb an Sohn übergeben)
Engagement in verschiedenen Sportvereinen:
- 13 Jahre Obmann des Askö Gurnitz
- Gründungsmitglied des TTC-Askö Gurnitz, des Askö Gurnitz Tennisclubs und der Eisschützenrunde Askö Gurnitz
- Präsident des Askö Beachvolleyballclubs Gurnitz
- begeisterter Fußball-Nachwuchstrainer
Politischer Werdegang:
- seit 1997 im Gemeinderat und Gemeindevorstand
- seit 2000 Bürgermeister, ab 1. Jänner 2003 hauptberuflich
Hobbys: Tennis, Radfahren, Wandern, Skifahren, raus in die Natur
