Klagenfurt
Schlägt ungeliebten „Stadtsheriffs“ die letzte Stunde?
Sie tragen schmucke Uniformen mit breiter Aufschrift, dunkle Kappen oder schneidige Barette, breite Gürtel mit Abwehrgeräten, einen als Pistole getarnten Pfefferspray und treten meist selbstbewusst auf: Über ein Dutzend Mitarbeiter des Klagenfurter Ordnungsamtes.
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Denn Ordnung muss sein! Und ein verstärktes „subjektives Sicherheitsgefühl“. Das kostet den Klagenfurtern satte 1,1 Millionen Euro im Jahr. Die Landeshauptstadt muss aber eisern sparen. Bleibt die Frage, ob die nicht immer geliebten „Stadtsheriffs“ im nächsten Jahr noch ihre Runden ziehen oder dem Rotstift zum Opfer fallen.
Immer wieder setzt es heftige Kritik an den angeblich so gut ausgebildeten Ordnungsamt-Mitarbeitern der Landeshauptstadt. Zuletzt beschwerten sich Markt-Standler, die sich von dieser Magistratseinheit schikaniert fühlten und sich über Anzeigen wegen „lächerlichen Überschreitungen“ bitterlich beschwert haben. Dem einen oder anderen Ordnungshüter dürfte wohl die weit sichtbare fesche Uniform zu Kopf gestiegen sein – und damit ein Hauch von Macht und Wichtigkeit einer Amtsperson. Dabei wurde das Ordnungsamt vor zehn Jahren als gezielte Hilfe für die Bevölkerung ins Leben gerufen und als Organisation, die die Polizei in manchen Belangen entlasten sollte. Rund 500.000 Euro nimmt die wackere Truppe in zwölf Monaten ein – durch diverse Strafen, vor allem beim ruhenden Verkehr. Über eine halbe Million Euro bleibt aber „ungedeckt“ und muss von der Stadt zugeschossen werden. Nach diversen Vorfällen und heftigen Beschwerden wird das Ordnungsamt evaluiert. Auch der Umgangston mancher Barett-Träger ist alles andere als höflich, um das noch vornehm zu formulieren. Das weicht von einer freundlichen und hilfsbereiten Bürgerservice-Stelle eklatant ab. Auch der Leiter des Ordnungsamtes musste deshalb bereits eine Bürgermeister-Schelte hinnehmen. Es gibt auch Positives zu berichten – die Uniformierten schreiten gegen aggressives Betteln und offensichtliche Anstandsverletzungen ein und überwachen Parkanlagen. Sie überprüfen zudem die Leinen- und Beißkorbpflicht. Und sie beschäftigen sich mit dem „ruhenden Verkehr“, manchmal zu intensiv. Aber das scheint ein unlösbares Problem zu sein – wird nämlich weniger abgestraft, nehmen zwar die Beschwerden ab, aber auch die dadurch erzielten Einnahmen. Zückt die Magistrats-Streife zu oft den Strafzettelblock oder stellt verstärkt Anzeigen aus, häufen sich wütende Anrufe im Rathaus. Ein wahres Dilemma für die Pfefferspray-Akrobaten.

Die Frage ist, ob man künftig mit einem personell abgespeckten Ordnungsamt auskommen will. Wie aus dem Rathaus zu vernehmen ist, soll in diesem Fall kein Ordnungshüter den Job verlieren. Man überlegt mögliche Versetzungen. Wie von „höchster Stelle“ im Magistrat festgestellt, sei es nicht primäre Aufgabe dieses Amtes, nur saftige Strafen auszustellen. Und es wird das oft zitierte „Fingerspitzengefühl“ eingefordert. Doch wie sieht das konkret aus? Sollten künftig Strafzettel mit einem freundlichen Lächeln verteilt oder Anzeigen mit einem netten Gruß versehen werden? Eine Neubewertung der oft ungeliebten Einheit nimmt für das Ordnungsamt sicher kein gutes Ende. Der ehemaliger Stadtrat Germ, der mangels Wahlerfolges zum „Oberschlauch-Zusammenleger“ und FP-Gemeinderat mutiert ist, will das Ordnungsamt auf Biegen und Brechen behalten. Es steigere schließlich das Sicherheitsempfinden. Die uniformierte Sondereinheit dürfe freilich nicht zur „reinen Abstraftruppe“ verkommen. Interessant. Wie soll das nur gehen? Polizeiliche Befugnisse haben die „Stadtsheriffs“ ohnehin keine – zum Glück! Aber wer legt auch künftig über eine Million Euro auf den Tisch, damit Frau und Herr Klagenfurter Ordnungsamt-Mitarbeiter auf öffentlichen Plätzen grüßen dürfen? Der Stadtsenat will einen neuen Weg finden. Man darf gespannt sein.
