Klagenfurt

Schlägt unge­lieb­ten „Stadtshe­riffs“ die letz­te Stun­de?

Sie tragen schmucke Uniformen mit breiter Aufschrift, dunkle Kappen oder schneidige Barette, breite Gürtel mit Abwehrgeräten, einen als Pistole getarnten Pfefferspray und treten meist selbstbewusst auf: Über ein Dutzend Mitarbeiter des Klagenfurter Ordnungsamtes.

Schlägt unge­lieb­ten „Stadtshe­riffs“ die letz­te Stun­de? Hier strahlte Bürgermeister Christian Scheider noch bei der Angelobung der neuen Mitarbeiter des Ordnungsamtes Klagenfurt.

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Denn Ord­nung muss sein! Und ein ver­stärk­tes „sub­jek­ti­ves Sicher­heits­ge­fühl“. Das kos­tet den Kla­gen­fur­tern sat­te 1,1 Mil­lio­nen Euro im Jahr. Die Lan­des­haupt­stadt muss aber eisern spa­ren. Bleibt die Fra­ge, ob die nicht immer gelieb­ten „Stadtshe­riffs“ im nächs­ten Jahr noch ihre Run­den zie­hen oder dem Rot­stift zum Opfer fal­len.

Immer wie­der setzt es hef­ti­ge Kri­tik an den angeb­lich so gut aus­ge­bil­de­ten Ord­nungs­amt-Mit­ar­bei­tern der Lan­des­haupt­stadt. Zuletzt beschwer­ten sich Markt-Stand­ler, die sich von die­ser Magis­trats­ein­heit schi­ka­niert fühl­ten und sich über Anzei­gen wegen „lächer­li­chen Über­schrei­tun­gen“ bit­ter­lich beschwert haben. Dem einen oder ande­ren Ord­nungs­hü­ter dürf­te wohl die weit sicht­ba­re fesche Uni­form zu Kopf gestie­gen sein – und damit ein Hauch von Macht und Wich­tig­keit einer Amts­per­son. Dabei wur­de das Ord­nungs­amt vor zehn Jah­ren als geziel­te Hil­fe für die Bevöl­ke­rung ins Leben geru­fen und als Orga­ni­sa­ti­on, die die Poli­zei in man­chen Belan­gen ent­las­ten soll­te. Rund 500.000 Euro nimmt die wacke­re Trup­pe in zwölf Mona­ten ein – durch diver­se Stra­fen, vor allem beim ruhen­den Ver­kehr. Über eine hal­be Mil­li­on Euro bleibt aber „unge­deckt“ und muss von der Stadt zuge­schos­sen wer­den.  Nach diver­sen Vor­fäl­len und hef­ti­gen Beschwer­den wird das Ord­nungs­amt eva­lu­iert. Auch der Umgangs­ton man­cher Barett-Trä­ger ist alles ande­re als höf­lich, um das noch vor­nehm zu for­mu­lie­ren. Das weicht von einer freund­li­chen und hilfs­be­rei­ten Bür­ger­ser­vice-Stel­le ekla­tant ab. Auch der Lei­ter des Ord­nungs­am­tes muss­te des­halb bereits eine Bür­ger­meis­ter-Schel­te hin­neh­men. Es gibt auch Posi­ti­ves zu berich­ten – die Uni­for­mier­ten schrei­ten gegen aggres­si­ves Bet­teln und offen­sicht­li­che Anstands­ver­let­zun­gen ein und über­wa­chen Park­an­la­gen. Sie über­prü­fen zudem die Lei­nen- und Beiß­korb­pflicht. Und sie beschäf­ti­gen sich mit dem „ruhen­den Ver­kehr“, manch­mal zu inten­siv. Aber das scheint ein unlös­ba­res Pro­blem zu sein – wird näm­lich weni­ger abge­straft, neh­men zwar die Beschwer­den ab, aber auch die dadurch erziel­ten Ein­nah­men. Zückt die Magis­trats-Strei­fe zu oft den Straf­zet­tel­block oder stellt ver­stärkt Anzei­gen aus, häu­fen sich wüten­de Anru­fe im Rat­haus. Ein wah­res Dilem­ma für die Pfef­fer­spray-Akro­ba­ten.

 

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Die Fra­ge ist, ob man künf­tig mit einem per­so­nell abge­speck­ten Ord­nungs­amt aus­kom­men will. Wie aus dem Rat­haus zu ver­neh­men ist, soll in die­sem Fall kein Ord­nungs­hü­ter den Job ver­lie­ren. Man über­legt mög­li­che Ver­set­zun­gen. Wie von „höchs­ter Stel­le“ im Magis­trat fest­ge­stellt, sei es nicht pri­mä­re Auf­ga­be die­ses Amtes, nur saf­ti­ge Stra­fen aus­zu­stel­len. Und es wird das oft zitier­te „Fin­ger­spit­zen­ge­fühl“ ein­ge­for­dert. Doch wie sieht das kon­kret aus? Soll­ten künf­tig Straf­zet­tel mit einem freund­li­chen Lächeln ver­teilt oder Anzei­gen mit einem net­ten Gruß ver­se­hen wer­den? Eine Neu­be­wer­tung der oft unge­lieb­ten Ein­heit nimmt für das Ord­nungs­amt sicher kein gutes Ende. Der ehe­ma­li­ger Stadt­rat Germ, der man­gels Wahl­er­fol­ges zum „Ober­schlauch-Zusam­men­le­ger“ und FP-Gemein­de­rat mutiert ist, will das Ord­nungs­amt auf Bie­gen und Bre­chen behal­ten. Es stei­ge­re schließ­lich das Sicher­heits­emp­fin­den. Die uni­for­mier­te Son­der­ein­heit dür­fe frei­lich nicht zur „rei­nen Abstraf­trup­pe“ ver­kom­men. Inter­es­sant. Wie soll das nur gehen? Poli­zei­li­che Befug­nis­se haben die „Stadtshe­riffs“ ohne­hin kei­ne – zum Glück! Aber wer legt auch künf­tig über eine Mil­li­on Euro auf den Tisch, damit Frau und Herr Kla­gen­fur­ter Ord­nungs­amt-Mit­ar­bei­ter auf öffent­li­chen Plät­zen grü­ßen dür­fen? Der Stadt­se­nat will einen neu­en Weg fin­den. Man darf gespannt sein.

 

18.12.2023 19:00
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Schlägt unge­lieb­ten „Stadtshe­riffs“ die letz­te Stun­de? Hier strahlte Bürgermeister Christian Scheider noch bei der Angelobung der neuen Mitarbeiter des Ordnungsamtes Klagenfurt.

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