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Dom­pfar­rer Peter All­mai­er: „Die Kir­che ist eine Sinn­pro­duk­ti­ons-Anstalt!“

Weihnachten steht vor der Tür, die Menschen sehnen sich nach Frieden, Geborgenheit und etwas Glück. Harald Raffer sprach darüber mit dem Klagenfurter Dompfarrer Dr. Peter Allmaier, der auch als Pfarrer von Klagenfurt/St. Martin wirkt. Im „KLICK“-Interview spricht der Dompfarrer und Direktor des Bischöflichen Schulamtes über den Zölibat, Frauen als Priester, Kirchenaustritte, den Priestermangel und wie er Weihnachten feiert.

Dom­pfar­rer Peter All­mai­er: „Die Kir­che ist eine Sinn­pro­duk­ti­ons-Anstalt!“ Peter Allmaier, Dompfarrer in Klagenfurt und Bischofsvikar im Interview mit "KLiCK"-Kärnten und Kolumnist Harald Raffer.

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Das Fest um Chris­ti Geburt ist mitt­ler­wei­le zu einem kom­mer­zi­el­len Spek­ta­kel ver­kom­men, Ein­kaufs­märk­te mel­den Rekord­zah­len, an Sonn­ta­gen wird geshop­pt. Die römisch-katho­li­sche Kir­che ver­sucht die­sem Kauf­rausch ent­ge­gen­zu­steu­ern und Weih­nach­ten wie­der einen tie­fe­ren Sinn zu geben

KLiCK: Wir freu­en uns auf Weih­nach­ten – auf das Fest der Lie­be, der Stil­le, der Freu­de und von Chris­ti Geburt. Doch die Advent­ta­ge wer­den von Kauf­rausch, Mega­stress und einer regel­rech­ten Jagd nach teu­ren und oft über­flüs­si­gen Geschen­ken beherrscht. Ist der Sinn für Weih­nach­ten ver­lo­ren­ge­gan­gen?

All­mai­er: Der Sinn von Weih­nach­ten ist das Geschenk. Zunächst geht es um das Geschenk, das Gott in Jesus Chris­tus der Mensch­heit gibt. Wenn Men­schen ein­an­der Geschen­ke machen, dann erin­nern sie an die­se ursprüng­li­che Über­ra­schung, die von Gott her kommt. Je mehr die­se Erin­ne­rung ver­lo­ren geht, des­to mehr ver­lie­ren die Weih­nachts­ge­schen­ke den Ver­weis­cha­rak­ter und damit den Sinn. Man­che Men­schen ver­su­chen dann die Anzahl der Geschen­ke zu erhö­hen, aber der Sinn wird damit nicht erreicht. So wie Eltern ihre Kin­der nicht mit Geld­ge­schen­ken über die vor­ent­hal­te­ne Lie­be hin­weg­trös­ten kön­nen, so kann auch kein noch so teu­res Weih­nachts­ge­schenk den ver­lo­ren­ge­gan­ge­nen Glau­ben erset­zen. Genau die­se Leer­stel­le wird unse­rer Gesell­schaft mehr und mehr bewusst und wird bestimmt zu einem Umden­ken und zu einer neu­en Hin­wen­dung zum eigent­li­chen Gehalt des Weih­nachts­fes­tes füh­ren.

KLiCK: Wie fei­ern Sie heu­er das Weih­nachts­fest? Und freu­en Sie sich über Geschen­ke?

All­mai­er: Ich feie­re Weih­nach­ten mit den Men­schen in mei­nen Pfar­ren. Heu­er ist der 24. Dezem­ber ein Sonn­tag, der also mit den Sonn­tags­got­te­diens­ten beginnt, dann mit zwei Kin­der­krip­pen­fei­ern am Nach­mit­tag fort­ge­setzt wird und mit drei Christ­met­ten endet. Dazwi­schen genie­ße ich eine Stun­de in mei­ner Woh­nung, in der ich dann bei weih­nacht­li­cher Musik die Zeit genie­ße und auch mei­ne Geschen­ke aus­pa­cke. Ich freue mich über alle Zei­chen der Ver­bun­den­heit (nicht nur zu Weih­nach­ten) und so freue ich mich über klei­ne, per­sön­li­che Geschen­ke ganz beson­ders.

KLiCK: Weih­nachts­mann oder Christ­kind?

All­mai­er: Zu mir kommt das Christ­kind.

KLiCK: Welt­weit gibt es der­zeit über 100 Kon­flik­te, dar­un­ter „ver­ges­se­ne“ Krie­ge wie in Jemen und bru­ta­le Aus­ein­an­der­set­zun­gen in Afri­ka. Kampf­hand­lun­gen in der Ukrai­ne und in Gaza sor­gen für nega­ti­ve Schlag­zei­len. Wie soll man sich da auf Weih­nach­ten freu­en kön­nen? Und war­um lässt Gott wei­ter­hin blu­ti­ge Schlach­ten zu?

All­mai­er: Zu Weih­nach­ten wird der Frie­den ver­kün­det. Die Men­schen schaf­fen die­sen Frie­den nicht von sich aus, obwohl sie ihn so drin­gend her­bei­seh­nen. Das Kind von Bet­le­hem lädt ein, sich von ihm ver­wan­deln zu las­sen. Die­se Men­schen kön­nen dann ver­zei­hen und Frie­den stif­ten. Die Welt braucht mehr Men­schen, die sich von der Gewalt­lo­sig­keit und Fried­fer­tig­keit des gött­li­chen Kin­des ver­zau­bern las­sen, dann haben Krie­ge kei­ne Chan­ce mehr.

 

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Dom­pfar­rer Dr. Peter All­mai­er: „Den ver­pflich­ten­den Zöli­bat in eine frei­wil­lig gewähl­te Lebens­form ändern….“
© KHFessl

KLiCK: Sie gel­ten als enga­gier­ter Pries­ter und laden stets zu ver­schie­de­nen Ver­an­stal­tun­gen für jun­ge und älte­re Per­so­nen ein. Der Dom ist meist vol­ler Besu­cher. Wie schaf­fen Sie das?

All­mai­er: Ich allein schaf­fe gar nichts. Ich habe das Glück, mit einem sehr enga­gier­ten Team von haupt­amt­li­chen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern zu arbei­ten, denen die Arbeit in der Kir­che ein gro­ßes Anlie­gen ist und die dafür bren­nen. Wei­ters haben wir hier rund 100 ehren­amt­li­che Mitarbeiter*innen, die bei all den unter­schied­lichs­ten Ver­an­stal­tun­gen sehr viel Zeit, Enga­ge­ment und vie­le Ideen ein­brin­gen – ohne sie alle wäre das nicht mög­lich. Das Arbei­ten mit die­sen Men­schen ist für mich etwas sehr Wert­vol­les, weil es der Glau­be und Freund­schaft ist, die uns ver­bin­den.

KLiCK: Wann stand für Sie fest, dass Sie Pfar­rer wer­den wol­len? Haben Sie das schon ein­mal bereut? Und wäre für Sie auch ein Pries­ter­amt in einer abge­le­ge­nen Pfar­re eines Berg­dor­fes eine erfül­len­de Auf­ga­be?

All­mai­er: Mein Ent­schluss ist in der Ober­stu­fe in Tan­zen­berg immer kla­rer gewor­den und ich habe mich dann für den Ein­tritt in das Pries­ter­se­mi­nar zuerst in Salz­burg und dann in Rom ent­schie­den. Ich habe die­se Ent­schei­dung noch nie bereut, da ich den schöns­ten Beruf bzw. die schöns­te Beru­fung gewählt habe. Ich wäre mit einer rein admi­nis­tra­ti­ven Arbeit nicht glück­lich. In einem abge­le­ge­nen Berg­dorf gibt es vie­le Men­schen, denen ich begeg­nen, von und mit denen ich ler­nen und Glau­be leben kann. Also ja: ger­ne auch Pfar­rer in einem Berg­dorf, auch wenn ich mitt­ler­wei­le eher ein Stadt­mensch gewor­den bin.

KLiCK: Der Zöli­bat – ein The­ma, das immer wie­der heiß dis­ku­tiert wird. Vie­le Gläu­bi­ge for­dern die Auf­he­bung die­ser Ehe­lo­sig­keit, die in der Bibel nicht zu fin­den ist. Und immer wie­der outen sich Geist­li­che, die sich ver­liebt und eine Her­zens­da­me gefun­den haben. Wie gehen Sie damit um? Soll­te man den Zöli­bat abschaf­fen?

All­mai­er: Die ehe­lo­se Lebens­form fin­det sich in der Bibel immer wie­der, nicht zuletzt bei Jesus selbst, oder spä­ter bei Pau­lus. Der ver­pflich­ten­de Zöli­bat ist von der Kir­che ein­ge­führt wor­den und könn­te sehr rasch wie­der in eine frei­wil­lig gewähl­te Lebens­form geän­dert wer­den. Ich hiel­te das für eine gute und zeit­ge­rech­te Ent­schei­dung.

KLiCK: Der Pries­ter­man­gel wird auf län­ge­re Sicht kaum zu behe­ben sein, vie­le Pfar­ren sind ver­waist – da nüt­zen auch „impor­tier­te“ Pries­ter wenig. Soll­te man Frau­en zu Pries­te­rin­nen wei­hen?

All­mai­er: Die bei­den gro­ßen Kir­chen (die römisch-katho­li­sche im Wes­ten und die ortho­do­xe Kir­che im Osten) haben das bis­her abge­lehnt. Dies wird heu­te von vie­len als Dis­kri­mi­nie­rung emp­fun­den, vor allem da über­zeu­gen­de Argu­men­te gegen die Wei­he von Frau­en feh­len. Ich bin daher dafür, das Ziel der Wei­he von Frau­en wei­ter zu ver­fol­gen – nicht um den Man­gel an Pries­tern zu behe­ben, son­dern um Jesu gerecht zu wer­den, der Men­schen und nicht das Geschlecht beruft.

KLiCK: Die Katho­li­sche Kir­che hat bestimm­te Grund­sät­ze, von denen sie nicht abwei­chen kann. Nun wird die Seg­nung von homo­se­xu­el­len sowie wie­der­ver­hei­ra­te­ten Paa­ren erlaubt. Aber vie­le Men­schen tre­ten den­noch aus die­ser reli­giö­sen Gemein­schaft aus, weil ihnen der Sinn für den Glau­ben abhan­den gekom­men ist. Müss­te sich nicht auch die Kir­che der neu­en Zeit anpas­sen, Mes­sen moder­ni­sie­ren, Emp­fäng­nis­ver­hü­tung erlau­ben und sogar ein Kon­zil ein­be­ru­fen? Müss­te die auf einer stren­gen Hier­ar­chie auf­ge­bau­te Kir­che nicht längst das Image des Alt­mo­di­schen abstrei­fen und auf die­se Wei­se lee­re Bän­ke in den Got­tes­häu­sern wie­der fül­len?

All­mai­er: Die Kir­che soll sich noch stär­ker am Evan­ge­li­um ori­en­tie­ren. Denn wer nur mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Gera­de die Bot­schaft Jesu, die den Men­schen eine Per­spek­ti­ve über den Tod hin­aus gibt und den eis­kal­ten Kos­mos in war­me Hän­de legt, die Frie­den schafft und das Leben gelin­gen lässt, ist gera­de das, was die Men­schen so sehr suchen. Die Ver­kün­di­gung braucht aber gewiss neue Wege, damit die Men­schen die Sinn­fül­le des Glau­bens erle­ben kön­nen.

KLiCK: Die Zahl der Kir­chen­aus­trit­te steigt wei­ter. Ist der Kir­chen­bei­trag ein Grund dafür oder das Auf­tre­ten von diver­sen Sek­ten und ande­ren „Alter­na­ti­ven“?

All­mai­er: Die Kir­chen­aus­trit­te sind tat­säch­lich ein gro­ßer Grund zur Sor­ge. Denn jeder Aus­tritt schwächt nicht nur die Kir­che, son­dern auch die christ­li­che Kul­tur mit ihren Wer­ten von Demo­kra­tie und Gleich­be­rech­ti­gung, von Sor­ge für­ein­an­der und der glei­chen Wür­de aller Men­schen. Ein Groß­teil der Kärnt­ne­rin­nen und Kärnt­ner sind aber über­zeug­te Mit­glie­der die­ser Kir­che und leis­ten gern jenen Soli­dar­bei­trag, mit dem die Kir­che ihre vie­len Ange­bo­te wei­ter­hin erstel­len und für die Men­schen da sein kann, wenn sie gebraucht wird.

KLiCK: Die Kir­che mit ihren Besitz­tü­mern ist auch Arbeit­ge­ber, han­delt mit Akti­en und besitzt Immo­bi­li­en. Kann man die Kir­che mit einem inter­na­tio­na­len Unter­neh­men ver­glei­chen?

All­mai­er: Die Kir­che ist der ältes­te bestehen­de inter­na­tio­na­le Kon­zern und den­noch unver­gleich­lich. Denn sie ist kei­ne Gewinn- son­dern eine Sinn­pro­duk­ti­ons­an­stalt. Der Unter­schied zu ande­ren inter­na­tio­na­len Unter­neh­men liegt auch dar­in, dass die Gewinn­aus­schüt­tung nicht an Per­so­nen, son­dern für sozia­le, kul­tu­rel­le und reli­giö­se Pro­jek­te erfolgt.

KLiCK: Papst Fran­zis­kus for­dert im Advent mehr Stil­le – auch in den Sozia­len Medi­en. Und er ver­weist auf den Kli­ma­schutz, die Ver­letz­lich­keit unse­rer Erde und betet für den Frie­den. Ist der Hei­li­ge Vater unfehl­bar?

All­mai­er: In die­sen Aus­sa­gen ist der Hei­li­ge Vater nicht unfehl­bar, aber er hat ganz ein­fach recht.

KLiCK: Soll­ten Gläu­bi­ge bei der Bestel­lung von Pries­tern und Bischö­fen ein­ge­bun­den wer­den? Oder bei deren Abbe­ru­fung?

All­mai­er: Die Bestel­lung von Pries­tern und Bischö­fen soll­te mög­lichst syn­odal erfol­gen. Da bedeu­tet die Ein­bin­dung aller, die davon betrof­fen sind. Aber am Ende muss jemand doch die Ent­schei­dung tref­fen, der das Gan­ze im Blick hat.

KLiCK: Glau­be und Wis­sen­schaft – ist das ver­ein­bar?

All­mai­er: Durch die Kraft der mensch­li­chen Ver­nunft kann der Mensch viel Wis­sen erlan­gen. Doch ist der Über­schuss des noch Uner­forsch­ten und grund­sätz­lich Uner­forsch­li­chen grö­ßer als das Erfass­te. Der Glau­be spricht über das, was mit dem wis­sen­schaft­li­chen Instru­men­ta­ri­um nicht gemes­sen und erschlos­sen wer­den kann. Aber der Gott, der im Glau­ben bekannt wird, ist der­sel­be, der auch die mensch­li­che Ver­nunft geschaf­fen hat – also gibt es das kei­nen Wider­spruch. Glau­be und Wis­sen­schaft beackern unter­schied­li­che Fel­der und arbei­ten unter­schied­li­chen Metho­den. Klug ist, wer bei­des mit­ein­an­der ver­bin­den kann.

KLiCK: Ihr Wunsch an das Neue Jahr?

All­mai­er:  Neue Wege, neue Licht­bli­cke, neue Chan­cen, neue Her­aus­for­de­run­gen, neue Gele­gen­hei­ten, neue Gedan­ken, ein neu­er Anfang – aber alles unter dem Schutz Got­tes.

Herz­li­chen DANK für das Gespräch.

Wis­sens­wert

Peter All­mai­er wur­de 1964 in in Jenig im Gail­tal gebo­ren und matu­rier­te 1983 am Bun­des­gym­na­si­um in Tan­zen­berg. Anschlie­ßend stu­dier­te er von 1983 bis 1991 Theo­lo­gie in Salz­burg und Rom, wo er 1989 zum Pries­ter geweiht wur­de. Sei­ne Kaplans­jah­re ver­brach­te All­mai­er von 1991 bis 1997 in Tref­fen und in der Kla­gen­fur­ter Dom­pfar­re. Von 1997 bis 1998 wirk­te er als Dom­vi­kar in Kla­gen­furt und als Pro­vi­sor in Ossi­ach. 1998 pro­mo­vier­te er im Fach Kir­chen­ge­schich­te an der Uni­ver­si­tät Wien. Von 1998 bis 2010 war All­mai­er Diö­ze­san­ju­gend­seel­sor­ger. Außer­dem war er von 1999 bis 2010 Her­aus­ge­ber der Kärnt­ner Kir­chen­zei­tung „Der Sonn­tag“. Seit 1999 lehrt er als Pro­fes­sor für Reli­gi­ons­päd­ago­gik an der Kirch­lich-Päd­ago­gi­schen Hoch­schul­ein­rich­tung der Diö­ze­se Gurk sowie an der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le Kärn­ten. Seit 2010 ist All­mai­er Dom­pfar­rer in Kla­gen­furt und zustän­dig für die Stadt­seel­sor­ge. 2010 schloss er das Stu­di­um für Sozi­al­ma­nage­ment mit dem Mas­ter of busi­ness admi­nis­tra­ti­on (MBA) an der Wirt­schafts­uni­ver­si­tät Wien ab. 2012 wur­de er außer­dem zum Dechant des Deka­na­tes Kla­gen­furt-Stadt ernannt und seit 2020 ist er Direk­tor des Bischöf­li­chen Schul­am­tes.

 

 

20.12.2023 08:45
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Dom­pfar­rer Peter All­mai­er: „Die Kir­che ist eine Sinn­pro­duk­ti­ons-Anstalt!“ Peter Allmaier, Dompfarrer in Klagenfurt und Bischofsvikar im Interview mit "KLiCK"-Kärnten und Kolumnist Harald Raffer.

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