"AngeKLiCKt"
Hornbogner: “Bücher sind noch lange nicht abgeschrieben!”
Sie engagiert sich seit 2014 beim renommierten Kärntner Wieser-Verlag und hat erst kürzlich von Vorzeige-Verleger Lojze Wieser die Verlagsleitung übernommen: Erika Hornbogner, Jahrgang 1971, aus Klagenfurt/Celovec. Harald Raffer sprach mit der unentwegten Vermittlerin gedruckter Fantasie über Bücher, die Lust am Lesen und Gute-Nacht-Geschichten.
Seit Jänner 2016 ist die langjährige Buchhändlerin auch Geschäftsführerin beim Drava-Verlag. Hornbogner — sie studierte in Wien – war u. a. Projektleiterin und Herausgeberin der Kärntner Literaturzeitschrift FIDIBUS (neue Literatur in Kärnten/Koroska).
KLiCK: Wer greift heute noch zum gedruckten Buch – und warum sollte man unbedingt lesen?
Hornbogner: Viele greifen zu! Das Leseverhalten hat sich sicher verändert, aber auf Buchmessen wird die Begeisterung für das gedruckte Werk sichtbar! Es gibt bookinfluencer, TikTok Kanäle für Leseratten, Bookstagram und, und, und! Das Lesen von Büchern fördert das Einfühlungsvermögen und das Verständnis für unsere Mitmenschen. Durch Geschichten lernen Selbstleser und Zuhörer, sich in andere hineinzuversetzen und Verständnis für andere Ansichten aufzubringen. Bücher ermöglichen verschiedene Einblicke in andere Lebensweisen, Ansichten und Gewohnheiten. Bücher bilden…
KLiCK: Ist es wichtig, dass Eltern ihren Kindern etwas vorlesen, etwa Gute-Nacht-Geschichten oder ihnen eine Geschichte erzählen?
Hornbogner: Die spannenden Geschichten und die bunten Bilder, die beim Lesen oder dem Vorlesen erzeugt werden, regen die Fantasie an und fördern die Vorstellungskraft. Im Gegensatz zu digitalen Medien mit vorgegebenen Bildern ist es beim Lesen der Leser bzw. der Zuhörer selbst, der die Bilder zum Vorlesetext erschafft. Vor allem bei Kindern, denen regelmäßig vorgelesen wird, wächst die Ideenvielfalt und das Vorstellungsvermögen verbessert sich. Ja – das Vorlesen ist wichtig!
KLiCK: Verdrängen neue Medien im weltweiten Netz das gute alte Buch mit seinen bedruckten Papier-Seiten?
Hornbogner: Hoffentlich nie! Im Vergleich zu Smartphone, Fernsehen und Co. fördert das Lesen von Büchern die bedeutende Fähigkeit, sich länger auf eine Sache konzentrieren zu können. Denn im Gegensatz zu den Posts und schnelllebigen Bildern in den sozialen Netzwerken, wo knappe Texte schnell und kurzlebig als News präsentiert werden und unsere Aufmerksamkeit ständig auf sich ziehen, beschäftigt man sich beim Buchlesen für längere Zeit mit einer Geschichte und möglichen Seitensträngen einer Handlung. Ganz automatisch wird dabei die Konzentration gefördert.
KLiCK: Welche Bücher bzw. Themen sind derzeit besonders gefragt?
Hornbogner: Als Riesentrends entpuppen sich derzeit die Young Adults, dicke Schwarten mit viel Glitzer, Romantik und viel Liebe! Bei uns in den Verlagen sind unsere schönen und spannenden Kinderbücher gefragt, aber auch Belletristik-Titel! Die Kulinarik-Titel von Lojze Wieser sind sowieso echte Longseller!
KLiCK: Gibt es eine Verlagerung von der Buch- hin zur Bildkultur? Anders ausgedrückt: Ist die Jugend heute zu bequem zum Lesen, zum Erfassen großartiger und sinniger Texte?
Hornbogner: Nein, gerade bei der Jugend ist Lesen wieder cool, man sieht das an den ewig langen Schlangen bei den Signierstunden der beliebten Autor:innen! Die Jugend greift erfreulicherweise gerne zu Büchern.
KLiCK: Ein Buch ist eine Wellnessoase für die Seele, meinte ein Literaturkritiker. Kann man das unterstreichen?
Hornbogner: Unbedingt! Doppelt und dreifach möchte ich das unterstreichen! Lesen bildet und unterhält zugleich.
KLiCK: Kann man Lyrik überhaupt verkaufen?
Hornbogner: Lyrik ist tatsächlich schwierig zu verkaufen, das wird jeder Buchhändler bestätigen! Es gibt Verlage, die rein auf Lyrik spezialisiert sind, das bewundere ich.
Lyrik braucht engagierte Autor:innen, Verlage und Buchhändler, dann werden auch diese Bücher gekauft. Wir machen Lyrik, allerdings meist nur 2 bis 3 Titel in einem Jahr!
KLiCK: Wie geht es österreichischen Verlagen bei steigenden Papierpreisen und wie sieht es mit der Verlagsförderung aus?
Hornbogner: Die Kosten sind ein weltweiter Faktor, da geht es allen gleich. Die meisten Verlage passen natürlich die Preise an oder verzichten auf eine hochwertige Ausstattung der Bücher.
Die Förderungen der öffentlichen Hand passen sich leider nicht den steigenden Papier- und Energiekosten an, da ist die Politik gefragt, da wäre noch Luft nach oben.
KLiCK:Sie besuchen Buchmessen und stellen dort Werke aus dem Wieser- und Drava-Verlag aus. Sind Buchmessen noch zeitgemäß?
Hornbogner: Auf jeden Fall! Leipzig und Frankfurt sind wichtige Termine im Jahr! Viele Kontakte werden dort geknüpft, wir treffen Autor:innen, Lektor:innen, Übersetzer:innen, Leser:innen! Viele Bücher würde es ohne den Austausch in unserem Progrann gar nicht geben! Für mich ist dieses Branchentreffen einfach unersetzlich.
KLiCK: Wie wählen Sie Ihre Autorinnen bzw. Autoren aus?
Hornbogner: Bei Übersetzungen oft auf Empfehlung der Übersetzer:innen, wir haben unsere Stammautor:innen, Neuentdeckungen oft auch auf Empfehlung von Lektor:innen und Autor:innen. Wir bekommen bis zu 5 Manuskripte täglich, die alle sorgfältig zu lesen ist quasi unmöglich! Wir bemühen uns aber.
KLiCK: Was sagen Sie zu Überlegungen, etwa Winnetou nicht mehr zu drucken, weil es sich um eine „kulturelle Aneignung“ handeln könnte – oder um Rassismus? Sollte man in Büchern gendern?
Hornbogner: Das ist ein schwieriges Thema. Ich finde es wichtig darüber zu informieren und würde wohl eher die betreffenden Ausgaben mit einem Vorwort versehen, um auf die angesprochene Problematik hinzuweisen und darüber zu diskutieren. Zensur, also Bücher zu verbieten, ist nicht die Lösung! Bücher bzw. Literatur bedeuten freie Meinung und eine Plattform für eine öffentliche Diskussion!
KLiCK: Gibt es so etwas wie eine Mode bei den Büchern? Etwa bei den Romanen?
Hornbogner: Auf jeden Fall! Gerade in der Belletristik gibt es immer wieder Trends! Oft bestimmen es die Leser selbst, oft auch die Spiegel-Bestseller-Listen.
KLiCK: Seit Gutenberg ist viel Zeit verronnen. Was lesen Sie eigentlich gerne? Und welchen Autor/welche Autorin?
Hornbogner: Ich lese sehr gerne! Natürlich unsere Bücher, aber auch gerne Krimis, leichte Kost und freue mich immer auf Bücher meiner Lieblingsautoren wie John Irving, TC Boyle usw. Um mit Jean Paul zu sprechen: „Bücher lesen heißt wandern gehen in die ferne Welt, aus den Stuben über die Sterne!“
