Erfahrungsbericht
Vierbergelauf: Ein Blick hinter die Kulissen
Am 11. Und 12. April werden sich wieder Tausende Teilnehmer auf Wanderschaft über vier Gipfel im Bezirk St. Veit begeben. Für viele ist der Marsch mehr als eine sportliche Herausforderung. Horst Maier (60) Katastrophenschutzreferent der Bezirkshauptmannschaft St. Veit und leidenschaftlicher Teilnehmer teilt mit „KLiCK“-Kärnten seine Erfahrungen.
© Horst Maier
Jedes Jahr am zweiten Freitag nach Ostern, dem „Dreinagelfreitag“, benannt nach den drei Nägeln, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, pilgern Tausende Kärntner über vier Berge: den Magdalensberg, den Ulrichsberg, den Veitsberg und den Lorenziberg. Diese Route erstreckt sich über 52 Kilometer mit 1500 Höhenmetern und erfordert eine Gehzeit von 16 Stunden.
Drei Andachten und fünf heilige Messen
Insgesamt gehören drei Andachten und fünf heilige Messen zum Vierbergelauf, die das spirituelle Erlebnis der Pilgerreise vertiefen und die religiöse Bedeutung des Weges unterstreichen. Zwar hat der Brauch des Vierbergelaufs lange Tradition. Er hat sich aber in den letzten Jahren auch zum Kärntner Kult entwickelt. Man kennt den Vierbergelauf aus den Medien, aus Erzählungen. Man weiß auch, dass er irgendetwas mit Ostern zu tun hat. Doch selbst ohne genaues Wissen darüber, was es damit eigentlich auf sich hat, gehört er in Kärnten wohl zu den Dingen, die man unbedingt gemacht haben muss.
Kopf freibekommen
Gehen wir in der Geschichte ein paar Schritte zurück. Der Vierbergelauf ist ein jahrhundertealter Brauch, der jenem Weitwanderweg zu Grunde liegt, der am sogenannten „Dreinagelfreitag“ stattfindet – dem zweiten Freitag nach Ostern. Der 60-Jährige nimmt regelmäßig an dieser anspruchsvollen Veranstaltung, auch heuer. Für ihn ist der Vierbergelauf nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern auch eine Möglichkeit, den Kopf freizubekommen. Religion spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Bereits ab Gasthof Fleisner erlebt er eine besondere Ruhe und Freude.
„Ungewaschene Socken sind ein Muss!”
Was packt er in seinen Wanderrucksack? Neben Ersatzsocken und leichten Turnschuhen gehören eine Stirnlampe, Haube, Handschuhe, Regenmantel und sogar Zuckerln für die Kinder zur Standardausrüstung. Dazu kommen Wasser, ein Jausenbrot, ein Apfel und Müsliriegel – alles, um die Energie aufrechtzuerhalten. Für Anfänger hat Maier ein paar Tipps parat: Starte mit dem Training ab Ostern, trage bereits eingelaufene Schuhe und habe Blasenpflaster parat. Ungewaschene Socken von der letzten Wanderung können ebenfalls hilfreich sein. Wichtig ist es, langsam zu gehen und jeden Kilometer zu genießen.

Gefühl des Aufbruchs in der Nacht
Warum tut man sich die extreme Anstrengung des Vierbergelaufs an? Für Maier ist es das Gefühl des Aufbruchs in der Nacht und das gemeinsame Ankommen bei den Adelbrechts am Lorenziberg, um auf das Erreichte anzustoßen und Freunde zu treffen – mit einem Blick voraus auf das nächste Jahr. Maier, neben seiner Leidenschaft für den Vierbergelauf, ist auch im Zivilschutz aktiv und liebt Fahrradfahren, Wandern und Schifahren. Mit 60 Jahren zeigt er, dass das Alter keine Grenze für sportliche Herausforderungen sein muss. “Der Vierbergelauf ist mehr als nur ein Lauf – er ist eine Reise, die Körper und Geist herausfordert und zugleich bereichert”.
Die besten Tipps für den „Vierbergler“
- Abgesehen von Kleidung, Proviant und ein wenig körperlicher Vorbereitung, sollte man sich auch mental darauf vorbereiten. Der Vierbergelauf zieht sich über 50 Kilometer, 1.500 Höhenmeter und mindestens 15 Stunden Wanderzeit – auf und ab.
- Es zahlt sich also aus, im Vorfeld mehrstündige Wanderungen als Training zu unternehmen.
- Und da der Lauf um Mitternacht beginnt: Wer kann, schläft vor!
- Auf schweres Essen und Alkohol vor dem Start sollte dringlichst verzichtet werden – am besten man wartet mit dem ersten Schluck Bier bis zum Ende der Wanderung.
- Zwar werden an mehreren Stationen Jause, Reindling und Kaffee angeboten, ganz ohne eigenen Proviant sollte man aber auf keinen Fall losgehen.

Die therapeutische Wirkung der Wandertour
Energieverbrauch und Regeneration: Während des Vierbergelaufs verbraucht der Körper mehr Energie, als ihm zugeführt werden kann. Dadurch greift er auf seine Reserven zurück und beginnt, verschiedene schädliche Stoffe wie vagabundierende Proteine, Schlackenstoffe und entartete Zellen abzubauen.
Die Lachgas-ähnliche Wirkung: Die außergewöhnliche körperliche Anstrengung während des Vierbergelaufs führt zu einer bemerkenswerten Wirkung, die mit der euphorisierenden Wirkung von Lachgas vergleichbar ist. Trotz der Mühen und Strapazen behalten die Teilnehmer am Ende ihre Fröhlichkeit und gute Laune bei.
Die Legende des Paradieses: Gemäß einer überlieferten Legende wird jedem, der den Vierbergelauf dreimal erfolgreich bewältigt hat, das Paradies versprochen. Diese mystische Vorstellung verleiht dem Ereignis eine zusätzliche spirituelle Dimension und motiviert die Teilnehmer, ihre Grenzen zu überwinden.
Fazit: Der Vierbergelauf ist weit mehr als nur eine Wanderung. Er vereint körperliche Herausforderung, Gemeinschaftsgefühl und therapeutische Effekte auf einzigartige Weise. Die nächste Gelegenheit, sich dieser faszinierenden Erfahrung anzuschließen, bietet sich am 11. Und 12. April.