Kärnten

Han­del für schwie­ri­ges Jahr gerüs­tet

Die Sparte Handel der Wirtschaftskammer Kärnten präsentierte den Konjunkturbericht für das Jahr 2023 und einen Ausblick auf 2024. Nach der Talsohle sind die Aussichten für die kommenden Monate positiv.

Han­del für schwie­ri­ges Jahr gerüs­tet Die Sparte Handel der Wirtschaftskammer Kärnten präsentierte den Konjunkturbericht für das Jahr 2023 und einen Ausblick auf 2024. V.l.: Nikolaus Gstättner, WK-Geschäftsführer der Sparte Handel, Raimund Haberl, WK-Spartenobmann Handel und Peter Voithofer, Handelsforscher vom Institut für Österreichische Wirtschaft (iföw)

© WKK/Helge Bauer

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Die Zah­len der letz­ten zwölf Mona­te spre­chen eine kla­re Spra­che. Das Jahr 2023 war für den Han­del ein schwar­zes. Beson­ders hart es Kärn­ten getrof­fen. Wäh­rend der gesam­te öster­rei­chi­sche Han­del im Jahr 2023 ein nomi­nel­les Umsatz­mi­nus von ‑0,4 % gegen­über 2022 ver­zeich­ne­te, betrug dies in Kärn­ten ‑1,9 %, der rea­le Rück­gang lag bei ‑4,9 % (öster­reich­weit:
‑3,4 %).

Die Kärnt­ner Han­dels­un­ter­neh­men mit ihren 32.634 unselb­stän­dig Beschäf­tig­ten (Ein­zel­han­del, Groß­han­del, Kfz-Han­del) sind über­zeugt, dass die Tal­soh­le durch­schrit­ten ist. „Wir spü­ren ers­te Anzei­chen, dass sich das Kon­sum­kli­ma ver­bes­sert und der Han­del das Kon­junk­tur­tief end­lich hin­ter sich gelas­sen hat. Das Vor­jahr war ein schwar­zes Jahr für den hei­mi­schen Han­del“, sag­te Rai­mund Haberl, Obmann der Spar­te Han­del in der Wirt­schafts­kam­mer Kärn­ten bei der Prä­sen­ta­ti­on der Jah­res­bi­lanz im Rah­men eines Pres­se­ge­sprächs. Die Erho­lung, so Haberl, wer­de sich im Schne­cken­tem­po voll­zie­hen, vor allem weil vie­le Haus­hal­te gene­rell den Gür­tel enger schnal­len und geplan­te Kon­sum­aus­ga­ben auf­schie­ben müs­sen.

 

Star­ker Rück­gang – auch im Groß­han­del

Han­dels­for­scher Peter Voi­tho­fer vom Insti­tut für Öster­rei­chi­sche Wirt­schaft (iföw) prä­sen­tier­te eine auf Daten der Sta­tis­tik Aus­tria basie­ren­de Stu­die und wies dar­auf hin, dass sich die Kon­junk­tur in den ein­zel­nen Han­dels­bran­chen sowohl bei der Umsatz- als auch bei der Preis­ent­wick­lung sehr unter­schied­lich ent­wi­ckelt hat. Kon­kret ergab sei­ne Ana­ly­se, dass der Kärnt­ner Ein­zel­han­del zwar ein nomi­nel­les Umsatz­wachs­tum von +2,1 % (Öster­reich: +3,0 %) auf ins­ge­samt rund 14,3 Mil­li­ar­den Euro net­to (Öster­reich: 86,2 Mrd. Euro) erzie­len konn­te, preis­be­rei­nigt bedeu­tet dies jedoch ein rea­les Kon­junk­tur­mi­nus von ‑4,3 % (Öster­reich: ‑3,4 %). „Das ist der stärks­te Rück­gang der letz­ten zehn Jah­re“, so Voi­tho­fer. Im Groß­han­del fiel der rea­le Umsatz­rück­gang mit — 9 % (Öster­reich: — 5,3 %) auf einen Net­to­um­satz von rund 187,8 Mil­li­ar­den Euro noch stär­ker aus — und das bei einem sin­ken­dem Groß­han­dels­preis­in­dex.

 

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Nomi­nel­les Plus im Kfz-Han­del

Weit­aus bes­ser lief es im drit­ten Han­dels­seg­ment, der Kfz-Wirt­schaft: Nach Rück­gän­gen im Jahr 2022 konn­te die Kfz-Wirt­schaft ein nomi­nel­les Umsatz­plus von + 13,5 % (+12,5 %) erzie­len, wenn­gleich die Pkw-Neu­zu­las­sun­gen das Vor­kri­sen­ni­veau noch nicht erreicht haben. Betrach­tet man die Zah­len der ein­zel­nen Bran­chen, so ergibt sich fol­gen­des Bild: Alle Berei­che des Ein­zel­han­dels mit Aus­nah­me des Elek­tro- und Möbel­han­dels (- 4,7 %) ver­zeich­ne­ten ein nomi­na­les Umsatz­plus von 2,1 %. Nur zwei Ein­zel­han­dels­bran­chen kön­nen auch ein rea­les Umsatz­wachs­tum erzie­len: der Online-Han­del (+3,9 %) und der Ein­zel­han­del mit Blu­men
(+0,4 %). Niko­laus Gstätt­ner, Geschäfts­füh­rer der Spar­te Han­del: „Die übri­gen Ein­zel­han­dels­bran­chen ver­zeich­nen rea­le Umsatz­rück­gän­ge zwi­schen ‑0,8 % (Bücher und Zeit­schrif­ten) und ‑12 % (Elek­tro und Möbel).“

 

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Mehr Insol­ven­zen

Ins­ge­samt wur­den im Vor­jahr in Kärn­ten 288 Han­dels­un­ter­neh­men insol­vent – das sind um
+20,9 % mehr als 2022, öster­reich­weit gab es einen Anstieg von + 13 %. Die Wirt­schafts­be­rei­che Han­del (16,3 %), Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen (15,3 %), Bau (12,5 %) und Grund­stücks- und Woh­nungs­we­sen (12,5 %) sind für mehr als die Hälf­te (56 %) der Insol­ven­zen ver­ant­wort­lich. „Die weit über die EU lie­gen­de Infla­ti­on wird auf dem Rücken der Unter­neh­men aus­ge­tra­gen. Neben den Ener­gie­kos­ten sind es vor allem die Lohn­ne­ben­kos­ten, die für vie­le Klein­be­trie­be kaum mehr zu stem­men sind. Haberl: „Wir brau­chen Ener­gie­si­cher­heit zu wett­be­werbs­fä­hi­gen Prei­sen und eine Sen­kung der Lohn­ne­ben­kos­ten — auch, um die dor­ti­gen Stei­ge­run­gen eini­ger­ma­ßen aus­zu­glei­chen. Für eine Arbeits­stun­de muss mehr net­to von brut­to übrig­blei­ben, hier ist der Staat gefor­dert.“ Dass der Han­del infol­ge der hohen Lohn­ab­schlüs­se die Prei­se anhe­ben muss­te, sei kaum zu ver­mei­den gewe­sen.

Auch die Ent­wick­lung der Mit­ar­bei­ter­zah­len ist nicht zuletzt eine Fol­ge der hohen Lohn­kos­ten­stei­ge­run­gen. 32.634 Men­schen waren 2023 im Kärnt­ner Han­del beschäf­tigt, dies ent­spricht einem Rück­gang von ‑1,6 % bzw. 527 Arbeits­plät­zen. Mit Aus­nah­me des Inter­net­han­dels (+10,2%) ver­zeich­nen alle Han­dels­bran­chen ein Beschäf­ti­gungs­mi­nus, stärks­ter Rück­gang war in der Bran­che elek­tri­sche Gerä­te und Möbel (-7,8 %)

Kon­sum­kli­ma: Wen­de­punkt erreicht

„Auch wenn es für 2023 wenig Posi­ti­ves zu berich­ten gibt, haben wir ers­te Anzei­chen, die uns vor­sich­tig opti­mis­tisch auf 2024 bli­cken las­sen“, resü­miert Haberl. „Wir hof­fen aber, dass sich das Kon­su­men­ten­ver­trau­en wei­ter ver­bes­sert und wir bis zum Som­mer end­lich wie­der ein nor­ma­les Han­dels­jahr erle­ben. Wir dür­fen dabei auch nicht ver­ges­sen, dass die Rezes­si­on in der Indus­trie und in der Bau­wirt­schaft auch auf den Han­del durch­schlägt“, so Haberl abschlie­ßend. Die Vor­zei­chen jeden­falls sind posi­tiv. „Im Jän­ner und Feber haben wir bereits ein Abfla­chen der Infla­ti­on gespürt, der Groß­han­dels­preis­in­dex ist in den ers­ten bei­den Mona­ten gesun­ken und auch die Ener­gie­prei­se erho­len sich lang­sam.“

27.03.2024 17:00
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Han­del für schwie­ri­ges Jahr gerüs­tet Die Sparte Handel der Wirtschaftskammer Kärnten präsentierte den Konjunkturbericht für das Jahr 2023 und einen Ausblick auf 2024. V.l.: Nikolaus Gstättner, WK-Geschäftsführer der Sparte Handel, Raimund Haberl, WK-Spartenobmann Handel und Peter Voithofer, Handelsforscher vom Institut für Österreichische Wirtschaft (iföw)

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