Interview
„Das Theater ist eine Schule fürs Leben!“
Er ist leidenschaftlicher Bassist, kennt den „Bienenkorb-Betrieb“ eines Kultur-Tempels und arbeitet als Referent des Klagenfurter Stadttheater-Intendanten: Josef Pepper.
An seinem Schreibtisch im Stadttheater: Josef Pepper. Der gebürtige Friesacher freut sich über eine „pulsierende“ freie Kulturszene. © H. Raffer
Schon die Eltern des 1982 in Friesach geborenen Sängers traten jahrelang im Kirchenchor auf. Harald Raffer sprach mit Pepper über Musik, Politik und das pulsierende Kärntner Kulturgeschehen.
“KLiCK”-Kärnten: Sie waren SP-Vizebürgermeister und Kultur-Stadtrat in der Burgenstadt Friesach, sind dann nach Klagenfurt gezogen. Streben Sie in der Landeshauptstadt auch eine politische Karriere an? Etwa im Rathaus oder im Land?
Pepper: Ich bin ein sehr politischer Mensch und war auch ÖH-Vorsitzender an der Kunstuni Graz. Wir hatten eine eigene Liste – die Liste Delphin und Drache, was für Weisheit und Stärke steht. Dann habe ich mich in meiner Heimatstadt für gewisse Themen eingesetzt. Demokratie ist ja keine Einbahnstraße. Zur politischen Karriere – wenn es auf mich zukäme, würde ich nicht nein sagen. Bei mir hat sich im Leben bisher alles ergeben….
“KLiCK”-Kärnten: Sie haben Kultur-Initiativen gegründet bzw. unterstützt. Wollen Sie im Bereich der „hohen Künste“ etwas bewegen?
Pepper: Kunst und Kultur sind doch zentrale Elemente in unserem Leben. Wir reden über Hochkulturen und nicht über Hochwirtschaften, etwa über Pyramiden, kulturelle Leistungen, die bleiben. Wir reden also über Dinge, die uns als Zivilisation geformt haben. Ich habe in der Burgenstadt 2012 das Kulturforum Friesach gegründet. Mein Ziel war es, möglichst viele Menschen für Musik zu interessieren, für Konzerte. Heuer setzen wir auf Wunsch von Bürgermeister Josef Kronlechner die Carmina Burana um. Da sind von den fast 230 Beteiligten rund 80 Personen aus der Region dabei.
“KLiCK”-Kärnten: Sie sind Referent des Intendanten des Klagenfurter Stadttheaters. Was macht so ein Referent?
Pepper (schmunzelt): Alles, was sonst keiner machen will. Aber ernsthaft – so ein Theater mit 270 Mitarbeitern umfasst viele verschiedene Aspekte. Vom Spielplan, den Produktionen bis hin zu diversen Projekten. Daneben gilt es etwa den „Freundeskreis des Theaters“ zu betreuen, die Terminverwaltung des Intendanten, Schwerpunkte zu setzen usw. Wir stellen uns der Frage, wie ein Theater geführt werden soll. Als kultureller Elfenbeinturm oder als zentraler Bestandteil der Kärntner Kulturszene, wie wir das verstehen.
“KLiCK”-Kärnten: Sie gelten nach Ihrer speziellen Ausbildung als Konzertsänger für weltliche und geistige Werke…
Pepper: Ich bin gelernter Opernsänger und singe sehr gerne auch Konzerte. Meine Schwerpunkte waren immer darstellerischer Art. Es kommt mir auf die Rolle und deren Charakter an. Im Konzertbereich habe ich zuletzt drei Mal die Matthäus-Passion gesungen. Zur Oper komme ich im Moment sehr wenig. Ich singe auch bei den Rosentalern – beim Männergesang aus Kärnten. Das ist sehr abwechslungsreich. Ob ich ein Vorbild besitze? Ich habe den deutschen Opernsänger Hans Hotter sehr verehrt.
“KLiCK”-Kärnten: Pop‑, Schlager- und Jazzmusik zählen nicht unbedingt zu Ihren Lieblingen?
Pepper: Meine erste CD, die ich mir mit zwölf Jahren gekauft habe, waren Schubert-Messen. Ich war als Kind ein großer Fan von Kirchenmusik, wollte schon damals eine Orgel besitzen und war beleidigt, weil ich keine geschenkt bekommen habe.
“KLiCK”-Kärnten: Sie gehören zum Haus-Chor des Stadttheaters?
Pepper: Nein – ich war Mitglied des Haus-Chores. Von 2017 bis 2022. In meiner jetzigen Funktion gehe ich noch manchmal im Extrachor des Hauses auf die Bühne.
“KLiCK”-Kärnten: Lassen sich Mädchen und Buben fürs Theater begeistern?
Pepper: Ich mache Führungen mit Kindern und Jugendlichen im Haus. Es ist für junge und alte Besucher ein Erlebnis, wenn sie unser Haus einmal Backstage sehen. Da verliert das Theater den staubigen Geruch, da erleben sie einen jungen, dynamischen Betrieb. Wir arbeiten in keinem Museum, sondern sind alle mit Herzblut dabei. Da gehen den Kindern die Augen auf – aber auch den Erwachsenen. Wichtig sind die Jugend-Theaterclubs – im Sinne der Theaterpädagogik, die weiter ausgebaut wird. Wir kooperieren mit der Singakademie, die großartige Leistungen vollbringt. Wichtig ist, dass Schüler uns besuchen. Noch wichtiger ist es, wenn Eltern mit ihrem Nachwuchs das Theater beehren.
“KLiCK”-Kärnten: Wie definieren Sie das Wort „Theater“?
Pepper: Man muss sich in verschiedene Lebensbereiche hineinversetzen können – das Publikum und die Theaterleute. Da lernt man viel. Ich würde das Theater als Lebensschule bezeichnen.
“KLiCK”-Kärnten: Wäre der Intendanten-Job einmal eine Aufgabe für Sie?
Pepper (lacht): Mein Lebensweg hat mich gelehrt, dass man nie etwas ausschließen sollte. Ich sehe mich jetzt nicht in der Position für so ein Amt. Aber warum nicht?

“KLiCK”-Kärnten: Wollen Sie vielleicht einmal ein Musikstück schreiben oder den Dirigentenstock schwingen?
Pepper: Nun – grundsätzlich habe ich ja viele Interessen. Als Bub wollte ich Physiker werden. Das ist ein Bereich, der mich immer noch interessiert. Aber ich habe tatsächlich ein paar Kärntner Lieder geschrieben. Die liegen noch in einer Schublade. Vielleicht singen wir diese Stücke einmal mit den Rosentalern? Ich war auch Obmann und Chorleiter vom MGV Friesach.
“KLiCK”-Kärnten: Wie sehen Sie die freie Kulturszene in Kärnten?
Pepper: Die freie Kulturszene in Kärnten lebt! Wenn ich an die vielen Theatergruppen im Land denke, nicht nur an die Friesacher Burghofspiele. Wenn ich an die vielen Chöre und Musikgruppen denke. Es werden erstaunliche Leistungen erbracht, z. B. von den Landjugenden. Unsere vielfältige Kulturszene wird oft unter ihrem Wert geschlagen, zu Unrecht manchmal belächelt und zu wenig finanziert. Aber diese Szene macht ein Land erst richtig liebens- und lebenswert!
“KLiCK”-Kärnten: Blick in die Zukunft….
Pepper: Wir sollten uns als Gesellschaft auch künftig nicht auseinanderdividieren lassen. Jeder sollte bei Kunst und Kultur, dieser wunderbaren Lebensschule, mitmachen und teilhaben können. Es geht um Wertschätzung und Respekt. Ich will weitermachen – auf oder hinter der Bühne. Oder in der Politik, die auch ein Theater ist. Das meine ich gar nicht negativ. Es gibt dort Rollen, Rituale und sie ist, wie das Theater, eine Abbildung unserer Gesellschaft.
