Urnengang
Nationalratswahl: Ein „heißer“ Dreikampf
Ein heißer Dreikampf zeichnet sich bei der Nationalratswahl ab, da FPÖ, ÖVP und SPÖ in einem Kopf-an-Kopf-Rennen um die Gunst der Wählerinnnen und Wähler rittern. "KLiCK"-Kärnten Kolumnist Harald Raffer widmet sich dem Thema in seinem "Zeitraffer".
Wo wird das Kreuz bei der Nationalratswahl gemacht? Die FPÖ, ÖVP und SPÖ stehen in einem spannenden Dreikampf um die Vorherrschaft.© Leopictures/Pixabay
Kärnten ist anders – was ein knackiger Werbespruch aus einem Tourismusprospekt sein soll, dokumentiert nach der EU-Wahl eine Bestandsaufnahme in unserem Bundesland. Wie mit Zauberhand wurde mit einem Riesenpinsel das südliche Bundesland fast zur Gänze blau eingefärbt (33,5 Prozent). Nur die Bezirke Völkermarkt (SP) und Hermagor (VP) trotzten dem FP-Anstrich. Für die beiden Kärntner Regierungsparteien SP und VP stellt die unbequeme Wahrheit einen Weckruf dar. Wer die FP mit ihrem ewigen „Das-Boot-ist-voll-Gerede“, den Dauer-Attacken gegen die „böse“ EU und dem Vereinfachen von Problem abgeschrieben hat, wurde eines Besseren belehrt. Laut Polit-Experten sei der Wahlerfolg allerdings nicht dem Einsatz des Kärntner „Oberblauen“ Erwin Angerer oder der EU-Kandidatin Elisabeth Dieringer-Granza zu verdanken, sondern einem anderen Kärntner — FP-Chef Herbert Kickl. Er wettert landauf und landab gegen die „da oben“ und das „bestehende System“. Dabei vergisst der gute Mann, dass er in den letzten Jahren als bestens bezahlter Volksvertreter längst Teil des von ihm attackierten Systems war und ist. Aber wer nimmt es im Wahlkampf mit der Wahrheit schon so genau?
Jetzt wird auf die Nationalratswahl am 29. September geschaut und nach dem EU-Bundes-Debakel für die VP (-10 Prozent) und dem kaum berauschenden Ergebnis für die SP lecken die beiden Parteichefs Nehammer und Babler ihre Wunden und finden die Wahlergebnisse noch „wunderbar“. Die VP freut sich wie ein Lottosieger, österreichweit doch auf Platz zwei über die Ziellinie gekrochen zu sein und die Bundes-SP spricht von drei „fast gleich starken Parteien“. Vielleicht wären etwas Selbstkritik und die Frage nach zugkräftigen Kandidaten doch angebracht? Durchatmen können Neos und Grüne (trotz der künstlichen Schilling-Affäre). KP und DNA würden knapp ins Parlament einziehen – allerdings nur, wenn man beide Ergebnisse zusammenzählt. Die Nationalratswahl wird anders verlaufen. Für diesen Schluss benötigt man kaum Meinungsforscher, die mit ihren Prognosen (FP erreicht rund 30 Prozent) falschgelegen sind. Politik-Experten befürchten einen „schmutzigen Wahlkampf“, also Dirty- und Negativ-Campaigning. Zu leicht wird vergessen, dass die Wähler das permanente Anpatzen der anderen Parteien und Persönlichkeiten kaum goutieren. Interessant erscheint jedenfalls die Tatsache, dass einige Medien einen Zweikampf zwischen Herbert Kickl und Karl Nehammer ausgerufen haben. Was ist mit der SP samt Andreas Babler? Schließlich bilden alle drei „Altparteien“ einen beinah gleich großen Block. Nehammer wird versuchen, den massiven Wählerwechsel zu den Blauen zu stoppen und Kickl dürfte weiterhin mit markigen Sprüchen als „Robin Hood“ der frustrierten Entrechteten und „Erlöser“ der stets Geknechteten auftreten – allerdings mit kaum umsetzbaren Lösungen. Babler könnte in der kurzen Zeit bis zum Urnengang das soziale Gewissen der Roten verstärkt herausstreichen und – wie in alten Zeiten – die Genossen zum Urnengang ermuntern. Bei der Nationalratswahl dürfte eine höhere Wahlbeteiligung und das Antreten mehrerer Kleinparteien das Ergebnis beeinflussen. Deshalb sind diese drei Parteichefs bemüht, ihre Anhänger zu mobilisieren. Es gibt demnach kein Duell zwischen zwei Parteien, sondern einen Dreikampf nach dem olympischen Motto: „Einer wird gewinnen!“ Bei der SP verzichtet man dabei gerne auf Zwischenrufe aus dem Burgenland.

Wer wird also bei dem Kopf-an-Kopf-Rennen dreier Parteien (innerhalb von zwei Prozent) als erster durchs Ziel hechten? Kickl, der auf den Zulauf der Rechtsparteien in Europa setzt, oder Nehammer, der trotz einer Riesenwatschn noch frohlockt, nicht ganz abgestürzt zu sein wie zuvor prognostiziert? Oder eben doch Babler, wenn ihn die Wiener Genossen mit „Häuptling“ Ludwig tatkräftig unterstützen und mit dem Gerücht aufräumen, dass der aus dem SP-Bundesvorstand ausgetretene Bürgermeister weder Stadtrat Hacker, noch Stadtrat Hanke in naher Zukunft als mögliche Nachfolger in Stellung bringt. Für die SP als große Oppositionspartei spricht allerdings eine „gewisse Unzufriedenheit“ mit den Regierungsparteien, was der FP beim EU-Urnengang genützt haben dürfte. Auf der Internet-Plattform „ZackZack“ schreibt Robert Misik: „Wenn drei Parteien Kopf an Kopf liegen, dann ist es natürlich nicht ein Zweikampf, sondern ein Dreikampf. Die SP hat das stärkste Wachstumspotential.“ Und Misik sieht bei den Roten eine Verbesserungswürdigkeit politischer Botschaften. Anders ausgedrückt: Wofür steht die Partei und setzt sie auf die „richtigen“ Themen? Wie soll aber Kickl (Volks)Kanzler werden, wenn ihn die VP nicht unterstützt? Es bleibt spannend! Dazu passt der Spruch vom Lotto: „Alles ist möglich…“