Griffen

Peter Hand­ke besuch­te sei­ne Hei­mat­ge­mein­de

Valentin Hauser und Peter Handke verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft. Und so kommt der Literaturnobelpreisträger jedes Jahr in seine Heimatgemeinde Griffen.

Peter Hand­ke besuch­te sei­ne Hei­mat­ge­mein­deLiteraturnobelpreisträger Peter Handke, Bürgermeister Josef Müller und Buchautor Valentin Hauser (von links).

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Es ist bereits Tra­di­ti­on gewor­den, dass sein Jugend­freund Peter Hand­ke jedes Jahr um den 15. August her­um in sei­ne Hei­mat­ge­mein­de Grif­fen kommt. Buch­au­tor Valen­tin Hau­ser ist “immer wie­der Quar­tier­ge­ber und Frei­zeit­be­glei­ter” für Hand­ke, wie er einst selbst im Gespräch mit Wal­ter Poba­sch­nig sag­te. Ihm ver­bin­det mit Hand­ke eine jahr­zehn­te­lan­ge Freund­schaft.

Unter­wegs auf der Sau­al­pe

Von Hoch­f­eis­tritz bis zur Pöl­lin­ger Hüt­te war die­ses Mal die Sau­al­pe das bevor­zug­te Auf­ent­halts­ge­biet des Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­gers. Hand­kes Freun­de Bür­ger­meis­ter Josef Mül­ler und Valen­tin Hau­ser beglei­te­ten den Schrift­stel­ler und Ehren­bür­ger der Markt­ge­mein­de Grif­fen zu Plät­zen, wo man sich ohne all­täg­li­che Hek­tik unbe­schwert unter­hielt. Er fand so gro­ßen Gefal­len dar­an, dass er im Herbst wie­der zu sei­nen Freun­den nach kom­men will. “Nach fünf lan­gen Tagen und kur­zen Näch­ten brach­te ich Peter zum Bahn­hof Kla­gen­furt, von wo er nach Salz­burg reis­te”, teilt Hau­ser mit.

Grif­fen und Ber­lin

So kam Peter Hand­ke am 6. Dezem­ber 1942 als Sohn von Maria Siutz und dem in Kärn­ten sta­tio­nier­ten Sol­da­ten Erich Schö­ne­mann im Haus sei­nes Groß­va­ters in Grif­fen zur Welt. Noch vor sei­ner Geburt hei­ra­te­te sei­ne Mut­ter den Sol­da­ten Bru­no Hand­ke, den spä­te­ren Stief­va­ter. Ab 1944 leb­te Maria Hand­ke mit ihrem Sohn und Ehe­mann bei des­sen Fami­lie im Ber­li­ner Stadt­teil Pan­kow, ehe die drei­köp­fi­ge Fami­lie 1948 nach Grif­fen zurück­zog.

Ers­te lite­ra­ri­sche Ver­su­che

Zurück in Grif­fen besuch­te Hand­ke von 1948 bis 1954 die ört­li­che Volks­schu­le und Haupt­schu­le. Danach wech­sel­te er an die Inter­nats­schu­le Tan­zen­berg in Maria Saal und spä­ter an das Bun­des- und Real­gym­na­si­um Kla­gen­furt, wo er 1961 sei­ne Rei­fe­prü­fung mit Aus­zeich­nung bestand. Ab 1955 gelin­gen ihm die ers­ten lite­ra­ri­schen Ver­su­che, sein Deutsch­leh­rer Rein­hard Mus­ar för­der­te zudem Hand­ke. Wie es auch heu­te bei jun­gen Men­schen aus Kärn­ten der Fall ist, so führ­te Hand­kes Weg noch im glei­chen Jahr der Rei­fe­prü­fung nach Graz, um im Anschluss ein Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten zu begin­nen.

Kon­takt mit Alfred Kol­le­rit­sch

In Graz schloss er sich dem “Forum Stadt­park” an, eine im Jahr 1959 ins­be­son­de­re von Alfred Kol­le­rit­sch gegrün­de­te Künst­ler­ver­ei­ni­gung. Mit Kol­le­rit­sch ver­band ihn nicht nur eine enge Freund­schaft, son­dern als Her­aus­ge­ber der auch heu­te noch erfolg­rei­chen Lite­ra­tur­zeit­schrift manu­skrip­te die Mög­lich­keit, sei­ne Tex­te regel­mä­ßig zu publi­zie­ren. Nach der ers­ten Roman-Ver­öf­fent­li­chung (“Die Hor­nis­sen”, 1966) im Suhr­kamp Ver­lag brach Hand­ke sein Stu­di­um an der Uni­ver­si­tät Graz ab und wid­me­te sich fort­an aus­schließ­lich dem Schrei­ben.

11.500 Sei­ten Hand­ke

In sei­nem schrift­stel­le­ri­schen Leben leg­te Hand­ke Thea­ter­stü­cke als auch Pro­sa­tex­te vor, dazu rei­hen sich zahl­rei­che Über­set­zun­gen, Dreh­bü­cher und essay­is­ti­sche Tex­te ein. Das Gesamt­werk umfasst rund 11.500 Sei­ten. Also wo anfan­gen? Am bes­ten bei sei­nem Stück “Publi­kums­be­schimp­fung”, was 1966 für gro­ße Furo­re sorg­te, als es in der Regie von Claus Pey­mann in Frank­furt auf­ge­führt wur­de. Das Stück hat kei­ne Hand­lung, was es aber nicht ein­fa­cher macht — im Mit­tel­punkt ste­hen die Spra­che und ihre Pro­duk­ti­on der Wirk­lich­keit. Von die­sem Stück aus könn­te es dann mit “Die Angst des Tor­manns beim Elf­me­ter”, “Der kur­ze Brief zum lan­gen Abschied”, “Die Stun­de der wah­ren Emp­fin­dung” oder auch “Lang­sa­me Heim­kehr” und “Wunsch­lo­ses Unglück” wei­ter­ge­hen.

Mit Peter Hand­ke ankom­men

Doch gera­de der “Ver­such über den geglück­ten Tag” ist ange­sichts der heu­ti­gen Zeit­um­stän­de ein immer wie­der neu zu lesen­der Text. Denn Schnell­le­big­keit, das Has­ten von Ter­min zu Ter­min, die Beschä­di­gun­gen des Lebens durch sozia­le Medi­en, der Ver­lust von Klar­heit in der Welt, das manch­mal aus­ufern­de Unbe­ha­gen an der Gegen­wart oder die täg­li­che Gewalt — ein Ankom­men in inten­si­ven Momen­ten wird somit schwie­ri­ger. Doch Hand­ke ver­mit­telt mit sei­nem Schrei­ben Augen­bli­cke, Ein­drü­cke, Wahr­neh­mun­gen und Emp­fin­dun­gen, in denen man wie­der ankommt, und schärft mit sei­ner Spra­che die Fähig­keit, sol­che Momen­te wie­der zu erle­ben.

“Kein Wun­der, dass Du, lie­ber Peter, auf die­se Wei­se längst schon zu dem gewor­den bist, was Du viel­leicht nie sein woll­test: ein Klas­si­ker. Ja, tut mir leid, aber so ist es”, mein­te Bun­des­prä­si­dent Alex­an­der Van der Bel­len anläss­lich der Ver­lei­hung des Gro­ßen Gol­de­nen Ehren­zei­chen am Ban­de für Ver­diens­te um die Repu­blik Öster­reich an Hand­ke.

Nach län­ge­ren Auf­ent­hal­ten in Salz­burg, Ber­lin, Düs­sel­dorf und Paris lebt Hand­ke seit 1990 in Cha­ville, einem Vor­ort nahe Paris.

Online-Tipps: handkeonline.at, griffen.gv.at

18.08.2024 11:25 - Update am: 30.10.2025 08:29
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Peter Hand­ke besuch­te sei­ne Hei­mat­ge­mein­deLiteraturnobelpreisträger Peter Handke, Bürgermeister Josef Müller und Buchautor Valentin Hauser (von links).

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