Klagewelle
Facebook-Posting sorgt für Hunderte Anzeigen
Hunderte Kärntner haben in den vergangenen Tagen Anzeigen erhalten, der Grund: Sie haben vor drei Jahren Facebook-Videos eines Polizeieinsatzes, geteilt kommentierten diese oder drückten auf "Gefällt mir".
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Anlass des Polizeieinsatzes, der drei Jahre später noch immer die Justiz in Kärnten beschäftigte, war laute Musik. Der Mann, der die Musik aufgedreht hatte, wurde von einem Polizisten kontrolliert. Er filmte die durchgeführte Kontrolle und stellte zwei Videos davon auf die Social-Media-Plattform Facebook. In diesen behauptete er, der Polizist habe ihn angegriffen. In der Folge wurde der Gurktaler wegen falscher Beweisaussage und Verleumdung verurteilt.
Guter Ruf sei in Gefahr
Nicht unwesentliche Folgen könnte es auch für diejenigen geben, die auf die Videos auf Facebook reagiert haben. Im Auftrag des Polizisten hat nämlich Rechtsanwalt Robert Kerschbaumer Schritte gegen die Facebook-Nutzer eingeleitet: „Die Masse der Angezeigten hat einen rufschädigenden Beitrag auf Facebook geteilt. Rufschädigend deshalb, weil dem Polizisten konkret Amtsmissbrauch vorgeworfen wird. Es gibt auch Nutzer, die diesen Beitrag geliked haben, die wurden ebenfalls angezeigt und werden im Auftrag der Staatsanwaltschaft von der Kriminalpolizei einvernommen.“
Geldstrafen und Verurteilungen
Juli bis August wurden über 100 Anzeigen erstattet. Man habe die Nutzer erst ausfindig machen müssen, man befinde sich aber innerhalb der Verjährungsfrist von drei Jahren. Der Staatsanwalt kündigte weitere Klagen an: „Bei der Staatsanwaltschaft sind noch weitere Ermittlungsverfahren anhängig. Das betrifft 400 unbekannte Facebook-Nutzer, die nicht ausfindig gemacht werden konnten. Sie werden auch nach mehr als drei Jahren noch von der Staatsanwaltschaft hören. Einige Facebook-Nutzer haben sich außergerichtlich geeinigt, rund 50 landeten vor Gericht und wurden wegen übler Nachrede zu Geldstrafen verurteilt. Dabei handelte es sich um Personen, die Kommentare gegen den Polizisten abgegeben hatten.
Rat, sich juristisch zu wehren
Einige der Betroffenen wurden von Rechtsanwalt Philipp Tschernitz vertreten. Er sehe nicht ein, dass viele Nutzer tausende Euro zahlen müssten. Er rät Betroffenen, die eine Anzeige erhalten, sich juristisch zu wehren. Der Anwalt des Polizisten wiederum versicherte, es gehe ihm nicht um Geld, sondern um den Ruf seines Mandanten.
