KLiCK-Porträt
Was macht eigentlich Box-Legende Ferdinand Pachler?
Der gebürtige Lavanttaler Ferdinand Pachler (63) kam über das Boxen in Wien zur Gastronomie. „KLiCK Kärnten“ stattete ihm einen Besuch ab.
Wir sitzen im „Sporttreff Pachler“ in Inzersdorf in Wien dem ehemaligen Boxer Ferdinand Pachler gegenüber und glauben, ein Ebenbild seines berühmten Bruders Joe „Tiger“ Pachler, dem ehemaligen Europameister im Boxen, vor uns zu haben. Das Gesicht, die Stimme, selbst die Redseligkeit – alles ähnelt seinem Bruder. Das weithin bekannte Lokal übernahm Pachler vor 25 Jahren und machte es zu einem Treffpunkt für Sportler aus allen Bereichen. Doch alles der Reihe nach.

Der Heimatort
Im Mai 1958 kam Pachler am Weißenberg im Lavanttal zur Welt. Seine Mutter verstarb ein Jahr nach seiner Geburt. Der Vater bewirtschaftete das Gasthaus „Morold“ und eine kleine Landwirtschaft. Pachler erzählt: „Unserem Vater war es sehr wichtig, dass seine sieben Kinder einen anständigen Beruf erlernen. Ich wollte sehr früh nach Wien. Mein Vater verhinderte das mit den Worten: ‚Du erlernst zuerst einen Beruf, dann kannst du das Haus verlassen.‘ Also wurde ich Bäcker. Wir mussten auch alle ein Instrument beherrschen – ich das Waldhorn und die Trompete, Joe das Bassflügelhorn. Wir spielten in der Trachtenkapelle Ettendorf.“ Während seiner Lehrzeit trainierte er in St. Veit Boxen. „Nach der abgeschlossenen Lehre fuhr ich sofort nach Wien, um Boxer zu werden“, erinnert er sich. Bruder Joe war stets ein Vorbild.

Karriere als Boxer
In Josef Kovarik fand der junge Kärntner in Wien bald einen Top-Trainer. Sehr schnell wurde Ferdinand Pachler Juniorenmeister und Staatsmeister im Mittel- und Weltergewicht. „Ich zählte mit 23 Jahren als Profi in meiner Gewichtsklasse zu den zehn Besten in Europa. Leider war die Karriere wegen zweier Schulterknorpelbrüchen schnell zu Ende“, schildert Pachler. In 25 Profi-Kämpfen gab es 19 Siege, nur drei Niederlagen und drei Unentschieden. Der letzte Kampf fand 1989 gegen Patrick Boon in Wolfsberg statt. „Mein schönster Kampf war am 30. April 1983 gegen den damaligen jugoslawischen Meister Stanko Suhadolnik in Dubrovnik. Ich gewann mit technischem K. o.“, freut sich Pachler noch heute.

Die berufliche Laufbahn
Als gelernter Bäcker fand der Kärntner auch schnell Arbeit. „Wir machten damals noch handgemachte Semmeln, das gibt es heute nicht mehr“, sagt Pachler. Was weniger bekannt ist: Pachler wagte sich auch auf das glatte Terrain. Er war beim ASKÖ Südring in Wien Eismeister. „Ich machte das Eis für Olympiasiegerin Emese Hunyady. Ein Paar Eisschuhe hat sie mir gewidmet. Sie sind in der Glasvitrine in meinem Sporttreff zu bewundern“, verrät Pachler voller Stolz. Vor 25 Jahren übernahm der Ex-Boxprofi das Sportzentrum Süd Liesing mit sechs Tennisplätzen und einem Fußballplatz. „1999 gründete ich den FC Inzersdorf und führte ihn als Obmann. Wir sind vergangene Saison in die Wiener Oberliga aufgestiegen“, betont Pachler. Der „Sporttreff Pachler“ wurde schnell zu einem kulinarischen Geheimtipp aufgebaut: „Die erste Tageslosung betrug 150 Schilling. Damals sagten die Leute: Das geht nicht lange gut! Das Lokal geht heute besser denn je, es ist das südlichste Restaurant in Wien.“ Der Heimat war und ist Pachler immer eng verbunden, deshalb dürfen die Kärntner Kasnudeln auf der Speisekarte nicht fehlen.

Die Übergabe
Pachler lebt in einer Patchwork-Familie, hat zwei Söhne und zwei Stieftöchter. „Jenny übernahm heuer den Betrieb und den FC Inzersdorf als Obfrau, ich arbeite nur noch im Hintergrund“, berichtet der gebürtige Lavanttaler. Zu seinen Hobbys zählt der Neo-Pensionist Fischen, Skifahren und das Fotografieren von Tieren.
Am Weißenberg in der Gemeinde Lavamünd baute sich der Wahl-Wiener ein Holzhaus auf 1.300 Metern Seehöhe. „Dort werde ich mich in einigen Jahren mit meiner Frau zurückziehen. Seit 20 Jahren verbringe ich meinen Urlaub ausschließlich in Kärnten. Da bin ich daheim, hier fühle ich mich wohl. Ich habe nie meine Identität verloren“, meint Pachler.
- Ferdinand Pachler vor der Glasvitrinen mit seinen Trophäen
- Ferdinand Pachler mit dem Plakat seines letzten Kampfes am 17. Februar 1989
- Ferdinand mit 13 Jahren am elterlichen Hof
- Ein altes Familienfoto mit den Pachler-Kindern: Ferdinand, Thomas, Brigitte, Maximilian, Marlies, Joe und Hubert (von links)
- Ferdinand Pachler mit den gewidmeten Eisschuhen von Olympia-Siegerin Emese Hunyady