Ein Nachruf
Erwin Kronlechner: Eine “Schiri”-Legende ist nicht mehr
Die Kärntner Fußball-Familie trauert um Erwin Kronlechner. Der begnadete Schiedsrichter, der von vielen "Krone" genannt wurde, verstarb unerwartet im 75. Lebensjahr. "KLiCK Kärnten" erinnert sich.
Erwin "Krone" Kronlechner gehörte wohl zu den bekanntesten Schiedsrichtern in Unterkärnten.© Silvo Kumer
Es war ein Meisterschaftsspiel des VST Völkermarkt in der Lilienberg-Arena vor vielen Jahren, als der in gelb gekleidete Schiedsrichter die Frage eines Spielers im Mittelfeld abwies, wie lange es noch bis zur Halbzeitpause gehen würde — bis dahin waren wohlgemerkt erst rund 15 Minuten gespielt. “Soll ich mir eine Uhr auf meinen Bauch malen, oder was? Spiel’ weiter!”, entgegnete der etwa 1,70 Meter große Unparteiische. Abseits des Platzes war das Gelächter bei den Zuschauern ziemlich groß. Noch weiter zurück liegt jenes Spiel des SK Kühnsdorf (heute: SK Kühnsdorf-Kleopeinersee), wo der besagte Schiedsrichter — dieses Mal in der Funktion des Linienrichters — mit einem Zuschauer diskutierte: “Dann wachtel’ eben du mit der Fahne, wenn du so gscheid bist!”
Weniger Ernst, mehr Spaß am Sport
Erwin Kronlechner war für seine treffenden Sprüche und nicht weniger starken humorvollen Kommentare im Kärntner Unterhaus des Fußballs weit bekannt. Seit Mai des Jahres 1980 stand “Krone” regelmäßig als Schieds- als auch Linienrichter am Platz und gab jedem Spiel jenes gewisse Extra, was man im Amateur-Fußball so erwartet: Ein bisschen weniger Ernsthaftigkeit und stattdessen mehr Spaß am Fußball-Sport. Man konnte sich in jedem Fall freuen, wenn man sich die Vorberichte am Wochenbeginn zu den Spielen durchlas und sah, dass Kronlechner das jeweilige Spiel — ob Erwachsene oder Jugend — am Wochenende pfiff.
Genoss größte Beliebtheit in Südkärnten
“Krone”, wie er von vielen seinen Freunden und Wegbegleitern genannt wurde, war am und abseits des Fußballplatzes wie kein anderer Schiedsrichter in Kärnten beliebt. Insbesondere auch bei der Jugend: Gerade der Generation der Jahre 1990er bis ungefähr 2005 war Kronlechner ein vom runden Leder nicht wegzudenkender Begriff. Seine Entscheidung am Platz galt es immer zu respektieren — ok, bei manchen Entscheidungen konnten Spieler, Trainer und Co. ihr Grinsen nicht unterdrücken.
Garant für Fairness und Respekt
“Weg vom Ball, sonst bekommst glei’ a Gelbe!”, hat “Krone” nicht selten gesagt. Aber sind es nicht diese Momente, die Amateur-Fußball im Kern ausmachen? Überschritten Spieler Grenzen, so erinnerte Kronlechner deutlich an die Grenzen — das galt gleichermaßen auch für die Zuschauer: “Sei leise da draußen!” Am Ende versöhnten sich alle wieder mit einem Augenzwinkern und gaben sich die Hände. Keiner nahm Kronlechners Entscheidungen am Ende übel. “Krone” galt zudem als besonderer Garant für Fairness und Respekt im Sport — das lernte er der Fußball-Jugend, den Eltern, Trainern und Funktionären der Vereine. So prägte er viele junge Spieler und Schiedsrichter-Kollegen.
Begnadeter Fußball-Spezialist
In den letzten Jahren, so könnte man fälschlicherweise annehmen, wurde es ruhiger um den im Jahr 1950 geborenen Schiedsrichter. Doch traf das weder auf seine physische Präsenz im Sport noch seine markante Stimme abseits des Platzes zu. Man traf Kronlechner nämlich regelmäßig selbst auf den Zuschauerrängen von der zweiten Klasse bis hin zur Regionalliga an. Nicht selten analysierte er dabei auf seine Weise die Spiele nach Abpfiff und ordnete diese in die aktuelle Saison ein. Abseits davon begegnete man Kronlechner auf verschiedenen Veranstaltungen, wie den unzähligen Feuerwehrfesten in Südkärnten und kam dort sofort ins Gespräch mit ihm.
An die Jugendlichen: “Bleibt dran!”
“Krone” übte stets konstruktive Kritik am Kärntner Fußball, um ihn weiterzuentwickeln und lobte die Jugendarbeit und klopfte vielen Jugendlichen nach ihren Spielen mit “Bleib’ dran, nur weiter so!” auf die Schulter. Solche Momente bringen junge Menschen voran und bleiben so sprichwörtlich “am Ball”. Die Arbeit mit den Jugendlichen war für ihn von größter Bedeutung.
Er leitete weit mehr als 3.000 Spiele in Kärnten. Nun verstarb Erwin “Krone” Kronlechner unerwartet im 75. Lebensjahr. Nach seiner Pfeife werden jetzt andere laufen.

