Aktueller Stand
Terror in Villach: Eine Stadt ist fassungslos
Der Messerangriff des 23-Jährigen war ein terroristischer Anschlag. "KLiCK Kärnten" hat die aktuellen Erkenntnisse der vergangenen Stunden zusammengefasst.
Innenminister Gerhard Karner, Landeshauptmann Peter Kaiser, Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber und Bürgermeister Günther Albel wandten sich am Sonntagvormittag betroffen an die Villacher und Kärntner Öffentlichkeit.© LPD Kärnten/Vouk
Zwischen dem ersten Notruf und der Festnahme durch zwei Polizistinnen vergingen etwa sieben Minuten. Gestern (15. Februar 2025) um 15.50 Uhr begann ein durch die Straßen laufender 23-jähriger Mann damit, auf dem Villacher Hauptplatz — nebst der Draustadtbrücke — wahllos mit einem Klappmesser, das eine Klingenlänge von zehn Zentimeter besaß, mehrere Passanten zu attackieren. Wie es sich später herausstellen sollte, handelte es sich um einen eindeutig islamistisch-motivierten Terroranschlag — der Täter bekannte sich selbst zur radikalislamistischen Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS). In der Stadt Villach herrscht Schock und Fassungslosigkeit.
Sofortiges Eingreifen verhinderte wohl Schlimmeres
Bei dieser Messerattacke wurde ein 14-jähriger Schüler tödlich verletzt, er erlag noch am Samstagabend im Krankenhaus seinen zugefügten Verletzungen. “Fünf weitere Opfer erlitten zum Teil sehr schwere Verletzungen, die zwischen 15 und 36 Jahre alt sind”, informierte die Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß im Rahmen einer Pressekonferenz am späten Sonntagvormittag, bei der sich auch Innenminister Gerhard Karner, Landeshauptmann Peter Kaiser und Bürgermeister Günther Albel an die Öffentlichkeit wandten.
Eine Zeuge, bei ihm handelt es sich um einen 42-jährigen syrischen Asylberechtigten, sah den Vorfall und entschied sich sofort einzuschreiten — er rammte mit seinem Auto den Täter und hat dadurch wohlmöglich Schlimmeres verhindert. Der 23-jährige Täter konnte dann unmittelbar von zwei Polizistinnen vor Ort angehalten und festgenommen werden. Nach dem Vorfall wurde die Polizeipräsenz in ganz Kärnten stark erhöht — in Villach standen insgesamt 120 Polizisten im Einsatz, darunter etwa auch Streifenpolizisten, das Einsatzkommando Cobra, mehrere Diensthunde und zudem kreisten zwei Hubschrauber über der Draustadt.

“Aufgrund der ersten Hinweise mussten wir davon ausgehen, dass es möglicherweise einen zweiten Täter geben könnte. Deshalb gab es auch sofort eine Alarmfahndung im gesamten Stadtgebiet und eine Sperrung des Bahnhofs Villach”, schildert Kohlweiß. Die Hinweise haben sich dann als falsch herausgestellt, sodass mit aktuellem Stand der Ermittlungen davon ausgegangen werden kann, dass es sich um einen Einzeltäter handele, gegen den wegen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes bereits Ermittlungen eingeleitet wurden.
“Islamistischer Anschlag mit IS-Bezug”
Bei dem Täter handelt es sich um einen 23-jährigen syrischen Staatsbürger, der seit 2020 in Kärnten lebt. “Nach derzeitigem Stand ist er ein Asylberechtigter und war bis gestern in Österreich nicht polizeibekannt, auch gab es weder staatspolizeiliche noch nachrichtendienstliche Erkenntnisse”, hält die Landespolizeidirektorin fest. Nach der Festnahme haben Ermittlungen von Staatsschutz und Landeskriminalamt begonnen, wobei der Fokus auf mögliche Mitwisser und das Umfeld des 23-Jährigen lag. Andererseits lag der Blick auf seiner Privatwohnung und einer Unterkunft eines Angehörigen, die beide umgehend mit Diensthunden durchsucht worden sind.
In der Wohnung des 23-Jährigen hat die Polizei sodann eindeutige Hinweise auf ein islamistisch-radikales Gedankengut gefunden, “weshalb wir heute von einem islamistischen Anschlag mit IS-Bezug sprechen müssen. Es waren zum Beispiel IS-Fahnen an der Wand.” Waffen oder andere gefährliche Gegenstände habe die Polizei hingegen nicht gefunden. Handys seien aber sichergestellt worden, die bereits in Auswertung sind. “Ob es Mittäter oder Mitwisser gibt, wird derzeit noch intensiv überprüft, auch mit Partnerdiensten im Ausland”, stellt Kohlweiß klar.

Wie sich der Täter genau radikalisiert habe, sei ebenfalls noch Gegenstand von Ermittlungen. Die Polizei gehe jedoch von einem sehr kurzen Zeitraum der Radikalisierung aus, also einer Online-Radikalisierung. Die Polizeidirektorin stellt bei der Pressekonferenz eine “lückenlose Aufklärung” in Aussicht und sämtliche Hintergründe dieses “abscheulichen Angriffs” würden in den nächsten Wochen beleuchtet werden.
Die Polizeipräsenz wird in den nächsten Tagen und Wochen noch länger höher sein, auch wenn es keinerlei Hinweise auf eine konkrete weitere Gefährdung gebe. “Es ist aber wichtig, dass sich die Villacher und Kärntner weiterhin sicher fühlen können, und deswegen setzen wir vermehrt auf Fußstreifen, Überwachung von Veranstaltungen, verstärkte Überwachung der Innenstadtbereiche und entsprechende Raumschutzkomponenten.”
