Leserbrief
Die Perversion digitaler Pietätlosigkeit
Eine unfassbare Tragödie – und skrupellose Fake-News: Die Mutter des ermordeten 14-Jährigen aus Villach soll sich das Leben genommen haben. Eine Lüge, die hunderte Male geteilt wurde – ohne Rücksicht auf die trauernde Familie.
Ein Bild von zwei Händen, die eine brennende Kerze halten, dazu der Text, dass sich die Mutter des ermordeten 14-jährigen Jungen aus Villach das Leben genommen habe. Eine Lüge – doch über 200 Mal geteilt. Gedankenlos. Skrupellos. Ohne Rücksicht auf die Familie, die bereits das Unvorstellbare durchmachen muss.
Ein vermeintlich rechtes Fake-Profil soll diese Falschmeldung in die Welt gesetzt haben, doch die wahre Verantwortung tragen all jene, die sie ungeprüft weiterverbreitet haben. Jeder Klick, jedes Teilen dieser abscheulichen Lüge ist eine weitere Demütigung für die Betroffenen. Eine Familie, die ihr Kind verloren hat, wird nun auch noch mit perfiden Gerüchten überzogen. Das ist nicht nur geschmacklos – das ist die Perversion digitaler Pietätlosigkeit.
Und deshalb muss es aufhören. Jetzt. Es ist nicht „nur ein geteilter Beitrag“, es ist eine Entscheidung. Eine Entscheidung zwischen Menschlichkeit und Mitläufertum, zwischen Respekt und digitaler Enthemmung. Wer solche Lügen weiterverbreitet, wird Teil eines moralischen Verfalls, der uns alle betrifft.
Also: Stopp! Bevor Ihr teilt. Bevor Ihr glaubt. Bevor Ihr mitmacht. Prüft, hinterfragt, denkt nach – oder schweigt. Denn es gibt Momente, in denen Schweigen mehr Menschlichkeit zeigt als tausend unüberlegte Klicks. Und dieser Moment ist genau jetzt.


