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Ehrendoktor Siegfried Schmidt verstorben
Mehr als zehn Jahre war er Gastprofessor und Vortragender an der Universität Klagenfurt. Ein großes Anliegen war ihm die Förderung der nächsten Generation.
Die Sommer seiner Kindheit verbrachte er auf dem Bauernhof seiner Großeltern in Grafendorf bei Friesach. Nach dem Studium von Philosophie, Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte wurde er mit 31 Jahren 1971 auf den Lehrstuhl für Texttheorie an der Universität Bielefeld berufen. Es folgten Berufungen für Allgemeine Linguistik, Theorie der Literatur, Germanistik, Kommunikationstheorie und Medienkultur an die Universitäten Siegen und Münster.
Mehr als dreißig Bücher
Siegfried Schmidt war Wissenschaftler, Literat und Künstler. Häufig arbeitete er an literarisch-künstlerischen und wissenschaftlichen Projekten gleichzeitig. Neben eigenen Beiträgen zur konkreten Poesie und experimentellen Literatur schreibt er über Autoren vor allem aus Österreich. Schon früh hat er sich für Friederike Mayröcker eingesetzt und Christine Lavant die erste Buchveröffentlichung in Deutschland ermöglicht. Sein Werk umfasst mehr als dreißig Monographien, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Er war Initiator und Herausgeber der einflussreichen Zeitschriften SPIEL, POETICS und DELFIN.
Wichtiger Begründer
Siegfried Schmidt war ein Begründer der Empirischen Literaturwissenschaft und zugleich wohl der bedeutendste Kommunikations- und Medientheoretiker der Gegenwart. Seine Arbeiten trugen entscheidend zur Verbreitung des Konstruktivismus im deutschen Sprachraum bei — Ernst von Glasersfeld, Heinz von Foerster, Humberto Maturana und Francisco Varela verdanken ihre Wirkung auch dem von ihm herausgegebenen „Diskurs des Radikalen Konstruktivismus“.
10 Jahre an der Universität Klagenfurt
Mehr als zehn Jahre war er Gastprofessor und Vortragender an der Universität Klagenfurt. Sein Denken zeichnet eine antifundamentalistische Grundstimmung aus, immer bereit den theoretischen status quo infrage zu stellen und neue Denkwege zu öffnen. Ein großes Anliegen war ihm die Förderung der nächsten Generation. Viele Stipendien wären ohne seine Gutachten nicht vergeben worden und viele Bücher ohne seine Unterstützung nicht erschienen.
2004 wurde Siegfried Schmidt in Würdigung seiner Verdienste um die Entwicklung der Texttheorie, der Empirischen Literaturwissenschaft und der konstruktivistischen Medientheorie das Ehrendoktorat verliehen.
