Eishockey
Explosionsgefahr auf Stiege 19
"Rot wie Blut und weiß wie Schnee". Seit über 44 Jahren peitschen die "19er" ihren KAC zu immer neuen Höchstleistungen.
© Fanclub Stiege 19
Wenn die Heidi Horten-Arena so richtig bebt, quasi kurz vor der Explosion steht und die martialischen Fangesänge auch noch außerhalb der Halle zu hören sind, dann ist wohl wieder einmal der KAC-Fanclub “Stiege 19” am Werk. Seit über 44 Jahren (Gründung 1981) treiben die Mitglieder des ältesten und größten KAC-Fanclubs ihre “Klagenfurter Jungs” mit ohrenbetäubenden Schlachtgesängen und tollen Choreografien zu immer neuen Höhenflügen. “Früher waren die Ränge in der alten Stadthalle durchnummeriert”, weiß der langjährige 19er-Obmann Hansi Radl. “Und weil die ersten Fanclub-Mitglieder eben auf der Stiege 19 gestanden sind, ist uns dieser Name einfach geblieben.”
Rotweißrot mit Herz und Hirn
Mittlerweile zählen die “19er” auf stolze 290 Mitglieder (Jahresmitgliedsbeitrag € 30,-), davon besitzen nicht weniger als 200 ein Jahresabo, sind also bei jedem Heimspiel der Rotweißen in der Halle und sorgen für die nötige Gänsehaut-Stimmung. Und sollte die Zeit einen Besuch in der Klagenfurter Eishockeyarena einmal nicht erlauben, dann wird das Abo eben einfach an einen anderen Fan weiter gegeben. Dadurch sind bei jedem Heimspiel immer 200 Fanclub-Mitglieder vor Ort und brüllen sich für ihre Helden quasi die Seele aus dem Leib. Obmann Hansi Radl und seine Vorstandsmitglieder Nicole Fischer, Dieter Schmied, Franz Karpf und Andreas Knapp führen den Fanclub mit Herz und Hirn. “Ohne Herz geht gar nichts”, weiß der langjährige “Ober-19er” Radl im Gespräch mit KLiCK-KÄRNTEN zu berichten. Er ist übrigens seit 36 Jahren Mitglied der “19er” und seit nunmehr 12 Jahren deren Boss. Hansi Radl ist übrigens — interessantes Detail am Rande — gar kein Klagenfurter, sondern ein waschechter KAC-Fan aus der Stadt des Erzrivalen, nämlich aus Villach-Landskron. “Der VSV hat mich nie interessiert. Mein Herz schlägt schon seit jungen Jahren nur für den EC KAC.”
Rotweißrot vom Kopf bis zu den Zehen
Der 58-jährige Pensionist Radl lebt dieses “Fan sein” von Kopf bis zu den Zehen. Oft sind es 4 bis 5 Stunden am Tag, die für diverse Fanclub-Tätigkeiten, hauptsächlich Organisationsarbeiten, verwendet werden. Gerade erst ist er von einer Auswärtsfahrt aus Linz (Play-Off Seminfinale) zurückgekehrt. 24 Heimspiele und 24 Auswärtsspiele sind es alleine im Grunddurchgang der ICE-Eishockeyliga. Hansi Radl ist an vorderster Front immer mit dabei. Was seine Frau Silvi dazu sagt? “Bei den Heimspielen ist meine Frau natürlich auch in der Halle und fiebert mit. Bei den Auswärtsspielen bleibt sie zu Hause und passt auf unsere zwei Hunde auf. Eine perfekte Aufteilung. Silvi akzeptiert, dass der EC KAC eben meine Hausfreundin ist”, schmunzelt Radl.

Freunde auch abseits des Eises
Auch in der eishockeyfreien Zeit gibt diverse Aktivitäten, welche die “19er” immer wieder zusammenführen. Als Beispiele nennt Radl die schon traditionelle “Party-Fahrt” an den Strand nach Lignano oder das lustig-sportliche Hobby-Eisstockturnier. Ganz besonders stolz ist man beim ältesten KAC-Fanclub aber auch auf die zahlreichen Carity-Aktionen, welche immer wieder für den guten Zweck organisiert werden. Auch hier sind Mitglieder mit Herz und Hirn mit dabei.

Rivalen ja, Feinde nein
Auch die Mannschaft weiß um die Wichtigkeit ihrer Fanclubs. “Oft berichten uns Spieler über die totale Gänsehaut, welche sie überkommt, wenn die Halle wieder einmal so richtig brodelt”, weiß der sichtlich stolze Radl und plaudert gleichzeitig auch ausführlich über die Fan-Philosophie seiner “19er”. “Wir leben eine intensive aber gesunde Rivalität, wir agieren dabei aber niemals unter der Gürtellinie. Unsere Schlachtgesänge sind zuallererst für die Mannschaft und nicht gegen die Gegner.” Freundschaftliche Kontakte pflegt der legendäre KAC-Fanclub auch zu anderen Fangruppierungen in der Liga. “Jeder schreit natürlich für seine Mannschaft. Wir sind aber nach dem Spiel keine Rivalen.” Eine Ausnahme macht Radl allerdings bei den Fans des Erzrivalen aus der Draustadt. “Viele VSV-Fans sind ausschießlich Krawallmacher und keine Eishockeyfans.” Na bumm, das sitzt.
Meistertitel ist fällig
Logisch, dass die “19er” gedanklich auch heuer wieder mit dem Meistertitel spekulieren. “Wir glauben an den Einzug ins Finale, danach ist alles möglich”, meint Radl. Bis dato stimmt der Weg dorthin, liegen doch die Klagenfurter Rotjacken in der aktuellen Seminfinal-Serie gegen die Black Wings aus Linz mit 3:2 Siegen in Front. Schon am morgigen Sonntag könnte man in Linz den Sack zumachen. Auch in der Linzer Eisarena ist Hansi Radl mit einer großen rotweißen Abordnung wieder mit dabei. “Rot wie Blut und weiß wie Schnee” eben, weil “hier regiert der KAC!”