WOCHENKOMMENTAR
Kärnten kann Satire auch ganz ohne Hilfe
Ein Budget mit 204 Tagen Verspätung und ein Parteiausschluss mit Hintertürl: Kärnten lieferte diese Woche wieder genügend Stoff für einen bissigen Rückblick.
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Ein Budget mit 204 Tagen Verspätung, politische Ausschlüsse mit eingebautem Hintertürl und Konstruktionen, bei denen selbst erfahrene Vereinsmeier kurz nach dem Statut greifen: Diese Woche hat Kärnten wieder gezeigt, dass die besten Pointen manchmal einfach nur sauber protokolliert werden müssen.
Beginnen wir in Klagenfurt. Die Stadt hat ein Budget. Tatsächlich.
Am 23. Juli wurde der Voranschlag für 2026 beschlossen – nach 204 Tagen Verspätung. Die Liquiditätslücke liegt weiterhin bei 18,6 Millionen Euro. Man muss das positiv sehen: Andere Städte planen ihre Finanzen im Voraus. Klagenfurt wartet lieber einmal ab, wie sich das Jahr entwickelt. Das ist ungefähr so, als würde man Ende Juli den Familienurlaub budgetieren, nachdem man bereits drei Wochen am Meer liegt und die Kreditkarte glüht.
Immerhin spricht die Stadt von einer „Trendwende“. Und das stimmt vermutlich sogar. Wer tief genug unten ist, für den zeigt irgendwann tatsächlich jede Kurve nach oben.
Raus – aber nicht ganz
Noch unterhaltsamer wurde es bei der Kärntner FPÖ.
Viktor Erdesz wurde aus der Partei ausgeschlossen. Einstimmig. Die Vertrauensbasis sei nicht mehr gegeben.
Nur: Erdesz bleibt vorerst Obmann der Freiheitlichen Jugend Kärnten. Denn diese ist ein eigenständiger Verein. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Für die Partei ist er offenbar nicht mehr tragbar. Für den politischen Nachwuchs vorerst schon.
Das ist ungefähr so, als würde man dem Bademeister wegen mangelnder Schwimmkenntnisse kündigen und ihn anschließend den Kinderschwimmkurs weiterleiten lassen.
Aber keine Sorge: Alles statutarisch sauber.
In Kärnten ist schließlich kaum etwas beruhigender als der Satz:
„Da können wir leider nichts machen, das ist ein eigener Verein.“
Kärnten, Sommer 2026
Und so endet eine ganz normale Juliwoche:
Klagenfurt bekommt Ende Juli sein Jahresbudget. Ein aus der FPÖ ausgeschlossener Funktionär führt vorerst weiter die Freiheitliche Jugend. Und irgendwo wird vermutlich bereits geprüft, welcher Verein, welches Statut oder welche Geschäftsordnung erklärt, warum das alles vollkommen korrekt ist. Früher musste man politische Geschichten überspitzen, damit sie lustig wurden. Heute besteht die eigentliche Herausforderung darin, sie so aufzuschreiben, dass niemand glaubt, man hätte sie erfunden.
Kärnten braucht derzeit keine Satirezeitung.
Es reicht, die Presseaussendungen in der richtigen Reihenfolge zu lesen.